Erstmals hat das Nordharzer Städtebundtheater am Freitagabend die Oper "Der Freischütz" im Salzwedeler Kulturhaus aufgeführt. Die gelungene Premiere hätte deutlich mehr Besucher verdient.

Salzwedel l Mit "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber hatte das Kulturhaus am Freitagabend einen echten Klassiker der Opernwelt im Angebot. Das Nordharzer Städtebund-Theater war eigens für die Aufführung in die Hansestadt gereist. Hinzu kam - es war eine Premiere, noch nie zuvor hatte der Freischütz bisher seine von Höllenmächten gelenkten Kugeln in Salzwedel verschossen. Die Erwartungen der Veranstalter hinsichtlich der Besucherzahlen waren entsprechend hoch.

Zwei Drittel der Plätze blieben frei

Doch der erhoffte Besucheransturm blieb aus. Nur rund zwei Drittel der Plätze waren zu Beginn der Aufführung besetzt. Und so befanden sich mit Solisten, Chor, Statisterie, Kostüm, Maske, Technik und Orchester fast mehr Menschen auf, hinter und unterhalb der Bühne als im Zuschauersaal.

Die Aufführungen des Nordharzer Städtebund-Theaters müssen einen Vergleich mit den großen Häusern im Land keineswegs fürchten. Und auch am Freitag lebte die Vorstellung von der Harmonie des Gesamtbildes, das sich aus Musik, Gesang und Darstellung zusammensetzte. Der Bühnenaufbau zeigte Größe durch einen streng umgesetzten Minimalismus. Die leere Bühne, mit grauem Stoff behangen, wurde zu einer gigantischen Projektionsfläche.

Lichtspots und Hintergrundlicht ließen Schatten tanzen und erzeugten so, auf einfache aber effektvolle Art und Weise, die düstere Szenerie, in der die Geschichte der Oper spielt.

Enttäuschung beim KulTour-Betrieb

Es ist die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Der Jägerbursche Kaspar (Juha Koskela) hat unter Tilly gedient und war beim "Magdeburger Tanz" dabei, eine der größten Gräueltaten in jenem schier endlosen Morden. Verderbtheit und Verschlagenheit sind seine Gefährten geworden. Seine Seele hat er dem Teufel verschrieben und will ihm nun, mit dem von Versagensängsten gepeinigten Jägerburschen Max (Alec Otto a.G.), eine weitere Seele zuführen. Max muss, um seine Agathe (Runette Botha) freien zu können, einen treffsicheren Schuss auf ein von Fürst Ottokar (Sönke Morbach) ausgewähltes Ziel abgeben. In seinem Gewehr hat er allerdings die letzte der zuvor gegossenen satanischen Freikugeln. - Anders als in der Volkssage von Johann August Apel lässt Webers Librettist Johann Friedrich Kind allerdings nicht Max` Geliebte Agathe durch den Schuss sterben. Stattdessen muss der verschlagene Jägerbursche Kaspar sein Leben aushauchen. Apel gibt der Geschichte damit ein gutes Ende. Und so darf Max am Ende der Aufführung seine Agatha sogar heiraten.

Die großartige Inszenierung von Christian Poewe erfuhr schon während der Vorstellung immer wieder den herzlichen, wenn auch zaghaften, Beifall des Publikums. Am Ende wurde die Gesamtleistung von Sängern, Statisten und Orchester unter der Leitung von Musikdirektor Johannes Rieger dann sogar mit einem kräftigen Beifall gewürdigt.

Die Mitarbeiter des KulTour-Eigenbetriebes der Hansestadt zeigten sich allerdings enttäuscht über die geringe Resonanz auf die Aufführung. Schließlich gebe es mit den Chören in der Region und der Kreismusikschule viele musikinteressierte Menschen vor Ort. Warum diese die Gelegenheit nicht nutzen, wenn sie direkt vor der Haustür geboten wird, könne man nicht verstehen, hieß es.

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