Vier Feldsteine fand Archäologin Antje Lehmann bei Tiefbauarbeiten an der Arendseer Friedensstraße. Sie lagen in etwa 80 Zentimetern Tiefe und stammen von einem Hausfundament. Auch Keramikscherben und tierische Knochen von Speiseresten entdeckte sie. Alle Funde werden archiviert und digitalisiert.

Arendsee l Mit ihrer orangefarbenen Sicherheitsweste und dem gelben Schutzhelm ist die junge Frau an der Baustelle Friedensstraße in Arendsee kaum von den Bauarbeitern zu unterscheiden. Aber während diese Bagger fahren, Schaufeln schwingen oder Rigolen für die künftige Oberflächenentwässerung verlegen, beobachtet Antje Lehmann vor allem das Geschehen.

Funde werden fotografiert und später archiviert

Aber dann wird sie doch sehr aktiv: Mehrere Feldsteine sind der Baggerschaufel im Weg. "Stopp!" ruft die Fachfrau vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie den Männern zu. Und hilft ihnen beim Ausgraben der Steine aus einer Tiefe von zirka 80 Zentimetern.

"Sie waren dort in Nord-Süd-Richtungen angeordnet", erklärt Lehmann im Volksstimme-Gespräch. Sie seien nach ersten Erkenntnissen neuzeitlichen Ursprungs und gehörten offenbar zu einem ein Meter breiten Fundament eines Fachwerkhauses. "Genau kann ich das allerdings noch nicht datieren", betonte sie. Aber sie habe die unterschiedlich großen Feldsteine fotografiert und alles zum Fund dokumentiert. "Später werde ich alles digitalisieren, damit der Fund in unserem Landesmagazin in Halle ordentlich archiviert werden kann", kündigt sie an. Denn die Steine selbst seien natürlich zu groß, um sie dort zu beherbergen.

Weitere kleine Funde hat Antje Lehmann aber auch gemacht: "Weiter vorn auf der Baustelle habe ich Keramikscherben entdeckt", erklärt sie. Die habe sie gereinigt, gewaschen und ebenfalls fotografiert. "Auch die Knochen", sagt sie und fügt zur weiteren Erklärung beruhigend hinzu: "Keine menschlichen, sondern tierische Knochen von Speiseresten."

Seit dem 12. März ist die aufgebaggerte Friedensstraße Arbeitsplatz für die Archäologin. "Bisher gab es immer nur kurzzeitige Baupausen, um die Funde zu bergen", erklärt sie. Dadurch seien die laufenden Arbeiten aber nicht behindert worden.

Wenn der Tiefbau in der Bahnhofstraße startet, werde sie auch dabei sein und nach archäologischen Besonderheiten Ausschau halten.

Leerrohre bieten Chance auf Internetanschluss

Zur Zeit werden in der aufgerissenen Friedensstraße die Rigolen zur Oberflächenentwässerung verlegt. Dazu waren riesige Schachtteile ähnlich Spundwänden in der Straßenmitte eingesetzt worden, damit die Arbeiter nicht vom Erdreich verschüttet werden können. "Das ist immer, wenn es in die Tiefe geht, notwendig aus Sicherheitsgründen", erklärte Bauleiter Werner Rose.

Bei ihm erkundigte sich Arendsees Bauamtsleiter Gert Reckling gestern nach dem Stand der Arbeiten. "Nach der Verlegung der Trinkwasserhausanschlüsse werden im Zuge der Avacon-Aktion zur Verlegung von Niedrigspannungskabeln in die Häuser Leerrohre gelegt", erklärte er. Damit werde die Möglichkeit geschaffen, dass die Anwohner später an neue Leitungen für ihren schnelleren Internet-Anschluss kommen. "Dadurch müssen dann die neue Fahrbahn und der Gehweg nicht noch einmal aufgemacht werden."

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