"Freiheit für den Perver!", forderten Dienstag die Demonstranten, die sich am Perver Pol versammelt hatten. Sie streben die Autonomie ihres Dorfes an - und das so schnell wie möglich.

Perver l "107 Jahren sind genug!", meinen viele Perveraner. Seit 1908 gehört das einstmals eigenständige Dorf zur Stadt. Und das reicht den meisten Bewohnern, die sich endlich von der hansestädtischen Pleite-Kommune lossagen wollen. Mit 24 Unternehmen, darunter mit der Deba ein echter Großarbeitgeber, müssten die Perveraner auf keinen Fall am Hungertuch nagen.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, trafen sich Anwohner am Dienstag zur ersten Demonstration. Und: "Wir kommen wieder, bis unsere Forderung nach Autonomie erfüllt ist", kündigen die Perveraner an. "Wenn uns keiner höher will, schauen wir auch gerne mal im Rathaus der Städter", kündigte ein Demonstrant an und stützte sich dabei lässig auf eine Mistgabel.

Perver bietet Feuerwehr und Kino

Von der Infrastruktur her, ist das Dorf bereits gut aufgestellt. Es gibt gleich drei Schulen, zwei Turnhallen, ein Kino, womit Salzwedel bekanntlich nicht aufwarten kann, am alten Bahnhof die Freiwillige Feuerwehr Perver und am äußersten Nordost-Zipfel eine Tankstelle an der Kreuzung Brücken-/Ernst-Thälmann-Straße.

Die Unabhängigkeitsbestrebungen bereiten der Stadt bereits Kopfzerbrechen. Allein der Fakt, dass die Hansestadt ihre Feuerwehr verliert, stellt die Kommune vor große Probleme. Denn der Brandschutz ist eine Pflichtaufgabe und muss von der Hansestadt sichergestellt werden. Das alte Gerätehaus an der Großen Sankt Ilsenstraße kann dafür nicht reaktiviert werden, da die Räumlichkeiten vom Deutschen Roten Kreuz genutzt werden. "Wir hoffen, dass wir für die Übergangszeit eine Regelung mit der Gemeinde Perver treffen können und die Perveraner Brandbekämpfer vorerst auch zu Feuern in der Stadt ausrücken", erklärte ein Stadtsprecher.

Ein paar Kilometer Luftlinie vom Perver entfernt, wird die dortige Entwicklung derzeit genau beobachtet. Denn die Steinitzer haben es immer noch nicht verwunden, dass sie am 1. Januar 2011 in die Hansestadt zwangseingemeindet wurden. Sollten die Perveraner tatsächlich ihre Forderungen durchsetzen können, würde mit Sicherheit auch in Steinitz wieder der Unabhängigkeitsgedanke aufflammen. Beispielsweise wäre ein Zusammenschluss der beiden Dörfer eine Möglichkeit, um die ehemals wohlhabende Gemeinde Steinitz aus den Klauen der klammen Hansestadt zu befreien.

Eine Voraussetzung dafür ist aber, dass das Perver-Territorium direkt an Steinitz angrenzt. Deshalb müssten sich die Perveraner die Wiesen westlich der Jeetze, die hinter dem Chemiewerk entlang fließt, sichern. Am besten gleich mit dem Märchenpark. Dann besteht eine direkte Verbindung zu den Steinitzern.

Perveraner haben Plan für Chemiewerk

Einen positiven Aspekt hätte allerdings die Unabhängigkeit des Pervers für Salzwedel. Man wäre endlich das marode Chemiewerk los, das seit Jahren Thema in der Stadt ist. Doch das kostet den Unabhängigkeitskämpfern nur ein müdes Lächeln. "Wir wollen das Gespräch zu dem Investor suchen, der dort ein großes Erotikfilmstudio einrichten will (die Volksstimme berichtete) und das Vorhaben so unterstützen, dass der Plan umgesetzt werden kann", erklärte ein Mitglied des Komitees "Freiheit für den Perver".

Wann der Perver endgültig eigenständig sein wird, steht noch nicht fest. Da die Mühlen in Salzwedel bekanntlich langsam mal, werden noch ein paar Tage ins Land ziehen, bis das Dorf seine Unabhängigkeit zurück hat. "Ich würde mich freuen, wenn wir das in einem Jahr schaffen. Vielleicht klappt es ja zum 1. April 2016", blickte am Dienstag ein Demonstrant voraus.

April, April!