Heute vor 25 Jahren fand die erste freie Kommunalwahl in der damaligen DDR statt. Hans-Jürgen Ostermann, vor 25 Jahren Präsident des damals gewählten Kreistages, erinnert sich an den Neustart in der Kommunalpolitik.

Salzwedel l Manche Dinge haben Bestand, auch 25 Jahre danach "Wir waren ein Konsens-Kreistag, und das merkt man auch noch heute", erinnert sich Hans-Jürgen Ostermann. Bis er an jenem Sonntag, 6. Mai 1990, in den Kreistag des damaligen Landkreises Salzwedel gewählt wurde, hatte der Geologe aus Leidenschaft mit Kommunalpolitik eigentlich nichts zu tun.

Für Politik hatte er sich jedoch schon immer interessiert. "Und wenn Wahlen in der damaligen BRD waren, habe ich immer mit der SPD gezittert", erinnert er sich. Da war es nur folgerichtig, dass er aufgrund einer Anzeige gemeinsam mit dem später ebenfalls in den Kreistag gewählten Volker Schwertz zu einer Veranstaltung ging, die die Gründung der SPD in Salzwedel vorbereiten sollte. Im Frühjahr 1990 war Hans-Jürgen Ostermann dann Kreisvorsitzender der Sozialdemokraten.

Der Trend der Volkskammerwahl, bei der die CDU die meisten Stimmen auf sich vereinen konnte, habe sich auch auf die Kommunalwahl ausgewirkt, resümiert Ostermann ein Vierteljahrhundert später. Auch im Salzwedeler Kreistag errangen die Christdemokraten die meisten Mandate (siehe Infokasten). Dahinter zogen die Sozialdemokraten mit elf Mandaten als zweitstärkste Kraft in den neuen Kreistag ein.

"Als Präsident hatte ich eine Organfunktion."

Die frisch gewählten Kommunalpolitiker setzten jedoch auf Bündelung der Kräfte, und so bildeten CDU und SPD gemeinsam mit dem Neuen Forum und den Liberalen eine Koalition, berichtet Hans-Jürgen Osterman weiter. "Zusammen waren wir etwa 80 Prozent der Mitglieder."

"Interessant war ja damals vor allem die Frage, wer neuer Landrat wird." Im Unterschied zu heutigen Wahlverfahren wurde damals der Landrat noch vom Kreistag gewählt. Der Kandidat der CDU, Egon Sommerfeld, hatte sich zuvor in einer Abstimmung unter den Christdemokraten gegen den Boneser Rudolf Krause durchgesetzt. Der Pretzierer Sommerfeld konnte dann die Mehrheit der Stimmen des Kreistages auf sich vereinen.

Ostermann selber wurde zum Präsident des Kreistages gewählt. "Als solcher hatte ich eine Organfunktion. Ich habe also nicht nur die Sitzungen geleitet, sondern auch den Landkreis repräsentiert und die Tagesordnungen der Sitzungen eigenständig erstellt", erzählt er über sei Aufgabenspektrum.

Die Stimmung sei damals vom Neuanfang geprägt gewesen. Doch der neue Kreistag brauchte Arbeitsgrundlagen, eine Hauptsatzung und eine Geschäftsordnung. Die Nachbarlandkreise Lüchow-Dannenberg und Uelzen seien für diese Fragen konsultiert worden. Die Satzungen, die damals erstellt und von ihm bestens beherrscht wurden, "gelten im Prinzip heute noch", stellt Ostermann fest.

Dankbar erinnert er sich an die Unterstützung, die er damals von Veronika Milow bekam. "Sie war einfach perfekt in allen Büroangelegenheiten." Mit dem beschlossenen Wappen, der Fahne und dem neuen Namen des Kreises "waren wir wieder dort, wie es 1816 gewollt war", zieht Ostermann einen historischen Vergleich zur Zeit nach dem Wiener Kongress.

"Egon war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt."

Doch nicht nur das äußere Erscheinungsbild des neuen Landkreises Salzwedel musste geregelt werden. Vielmehr warteten konkrete Aufgaben auf die neuen Kommunalpolitiker. "Die Kreisstrukturen waren völlig desolat, die DDR war schließlich am Ende", schätzt Hans-Jürgen Ostermann ein. Das Schulsystem, der Öffentliche Personennahverkehr, der Ausbau der Kreisstraßen mussten geregelt werden. "Egon war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Er konnte Ziele erreichen, die kein anderer sonst erreichte", so Ostermann über seinen Amtsvorgänger Sommerfeld. Die Zusammenarbeit mit dem Christdemokraten schätzt der Sozialdemokrat als konstruktiv, fast freundschaftlich ein.

Wichtige Vorhaben seien in den folgenden Monaten und Jahren beschlossen worden. Hans-Jürgen Ostermann erinnert hier an den Startschuss für den Bau der Berufsbildenden Schulen auf dem Fuchsberg, den ersten Teil des Krankenhauses sowie die Gründung der Kreisverkehrsgesellschaft, der heutigen Personenverkehrsgesellschaft (PVGS).

 

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