Im Herbst oder Ende dieses Jahres, teilweise auch im Frühjahr nächsten Jahres endet die Förderperiode für die Mehrgenerationenhäuser in Sachsen-Anhalt. Das neue Programm beginnt im Sommer mit der Teilnahme an einer Ausschreibung. Grund genug für die Vertreter dieser Einrichtungen, den Schulterschluss zu suchen - während einer Tagung in Salzwedel.

Salzwedel. Die Geschichten ihrer Entstehung und ihre Trägerschaft sind durchaus verschieden - eines haben die Mehrgenerationenhäuser (MGH) in Sachsen-Anhalt gemeinsam. Unter ihren Dächern treffen Jung und Alt zusammen, nutzen die Möglichkeit, sich kennen - und im Idealfall voneinander zu lernen.

Bislang erhält jedes Mehrgenerationenhaus 40 000 Euro jährlich vom Bund. Dieser Betrag ist auch im nächsten Programm vorgesehen. Allerdings will dann der Bund nur noch 30 000 Euro übernehmen, der Rest soll aus der Kasse der Kommunen kommen. Erich Kaiser, der in Vertretung von Salzwedels Oberbürgermeisterin Sabine Danicke ein Grußwort überbrachte, wies daher auch auf die Haushaltskonsolidierung der Hansestadt hin. Möglicherweise solle dann auch die Frage nach einer überörtlichen Trägerschaft gestellt werden. Die Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert (Die Linke) unterbreitete den Vorschlag, dass sich Stadt und Landkreis den kommunalen Beitrag teilen sollten.

Für Verwirrung sorgen auch die geforderten Rahmenbedingungen, die ein MGH für die Zuschüsse erfüllen muss. "Alter und Pflege, Integration und Bildung, haushaltsnahe Dienstleistungen sowie freiwilliges Engagement", zählte Susann Meinecke, Leiterin des Salzwedeler MGH, auf. Von diesen Punkten gehöre einiges bereits zum täglichen Angebot der MGH, machte Susann Meinecke deutlich. Und ohne freiwilliges Engagement gehe gar nichts, kommen doch auf einen hauptamtlichen drei bis vier ehrenamtliche Mitarbeiter. "Doch was genau wird gefordert, um im neuen Programm dabei zu sein", fragt sich nicht nur die Chefin des Salzwedeler MGH. Und wie viele Häuser werde es ab 2012 überhaupt noch geben? Bislang fördert der Bund 500 MGH in ganz Deutschland. In der neuen Finanzierungsrunde sollen es nur noch 450 sein. "Daher rechnen wir damit, dass es pro Landkreis künftig nur noch ein Haus geben soll." Ein Problem, das vielleicht nicht die Altmark, dafür jedoch die südlicheren Landkreise betrifft. Dort führte die Kreisgebietsreform dazu, dass es dort mehrere Häuser gibt.

Darüber hinaus bestehe zwischen Bund und den Ländern noch erheblicher Gesprächsbedarf, machte Dr. Christiane Baumann, zuständige Referentin im Magdeburger Sozialministerium, deutlich. "Das Folgeprogramm wurde an den Ländern vorbei erstellt", sagte sie. Ende März solle es Gespräche zwischen den Vertretern von Bund und Ländern geben. Sie appellierte an die Vertreter der MGH, beispielsweise über niedrigschwellige Betreuungsangebote nachzudenken, möglicherweise eine ehrenamtliche Kraft entsprechend zu schulen. Das Land werde sich bei der Finanzierungs nicht einbringen können, betonte sie. Im Haushalt 2011 seien keine Mittel für die MGH eingestellt. Ob es 2012/2013 der Fall sein werde, sei noch ungewiss. "Es wird schwieriger als in den vorhergehenden Jahren", prognostizierte sie. Freiwillige Leistungen müssten genau und sehr belastbar begründet werden.