"Mein Vater - der erste Mann in meinem Leben". Eines sensiblen Themas nahm sich Referentin Iris Flentje aus dem niedersächsischen Asendorf während des Frühstückstreffens für Frauen im Winterfelder Wieseneck an. Koordinatorin Sylvia Strecker konnte Freitagabend und Sonnabendvormittag jeweils rund 160 Frauen begrüßen.

Winterfeld. Welche Tochter träumt nicht davon, von ihrem Vater geliebt zu werden? Die normale Beziehung zwischen Tochter und Vater und deren Wichtigkeit stand im Mittelpunkt des jüngsten traditionellen Frühstückstreffens für Frauen. 156 Frauen strömten dazu Freitagabend und 167 am Sonnabendvormittag ins Winterfelder Wieseneck. Koordinatorin Sylvia Strecker war begeistert, angesichts des sensiblen Themas so viele, teils junge und neue Gesichter im Saal begrüßen zu können.

Irdischer Vater ist fehlbar, der himmlische nicht

Ein toller Vortrag, ein zur Thematik passender Erfahrungsbericht, gutes Essen und musikalische Umrahmung - das Konzept der seit 1997 zweimal jährlich angebotenen Treffen ist wieder einmal aufgegangen. Dorothee Hahn und Tochter Juliane musizierten am Freitagabend auf dem Flügel beziehungsweise der Geige, Ruslan Wellner unterhielt am Sonnabendvormittag auf der Gitarre. Zusätzlich gab es bei der zweiten Veranstaltung Kinderbetreuung.

Das Team um Wieseneck-Wirt Jürgen "Jockel" Herrmann sorgte an beiden Tagen fürs leibliche Wohl und gepflegte Gastlichkeit. Und dann: Iris Flentje (44) aus dem zwischen Bremen und Hannover gelegenen Asendorf. Die bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen tätige Landwirtin und Mutter zweier Söhne sprach über die Beziehung zwischen Vater und Tochter. Ein Vater gebe den Mädchen Selbstwertgefühl, zeige ihnen, wie die Männer sind und präge so die Entwicklung des Frauseins. Zu jeder ihrer Thesen nannte die Referentin einige Beispiele. Zusätzlich gab Iris Flentje den Frauen hilfreiche Tipps, die Beziehung aufzuarbeiten.

"Machen Sie eine Bestandsaufnahme. Freuen Sie sich an dem Positiven und danken Sie dafür", gab die Asendorferin ihren Zuhörerinnen mit auf den Weg. Sie empfahl, sich die positiven und negativen Eigenschaften ihres jeweiligen Vaters vor Augen zu führen, sich an das schönste beziehungsweise negativste Erlebnis zu erinnern und Empfindungen zu reflektieren. "Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Leben und geben Sie Ihre Vergangenheit frei", ermunterte die 44-Jährige zum Nachdenken. Dazu gehöre auch die Konfrontation. Und: "Nehmen Sie das neue Land ein!" Der irdische Vater sei fehlbar, der himmlische hingegen nicht. Dies zu erfahren, sei eine spannende Angelegenheit, sagte die Referentin.

Auf einen Schlag fünf Frauen im Haus

Nicht der eigene Vater, sondern der Frauenarzt ihrer Mutter sei der erste Mann in ihrem Leben gewesen. Das berichtete die Hansestädterin Gunhild Heinrich, Ehefrau des Salzwedeler Superintendenten und gelernte Zahnarzthelferin, den Gästen beim Frühstückstreffen für Frauen.

"Mein Vater hatte auf einen Schlag fünf Frauen im Haus", erinnerte die heute 54-Jährige an die Zwillingsgeburt ihrer Mutter. Zu ihren damals 5 und 7 Jahre alten Schwestern sollte sich eigentlich ein Junge gesellen. Stattdessen habe ihr Vater, lange Zeit der einzige Mann in ihrem Leben, später sogar einige Jahre ihr Chef, noch zwei Etagen aufs Puppenhaus bauen müssen.

"Papi hat Zeit, wenn ich ihn brauche", resümierte Gunhild Heinrich ihre Vater-Tochter-Beziehung. Keiner könne so gut Mehlsüppchen mit Maggi zum Frühstück kochen. Die fünf Frauen im Hause scheinen Gunhild Heinrichs Vater nicht geschadet zu haben. Im Gegenteil: Mittlerweile 93-jährig, hat der pensionierte Zahntechniker mit 90 noch einmal geheiratet.

Das nächste Frühstückstreffen für Frauen ist für Freitag, 11., und Sonnabend, 12. November, geplant. Dann lautet das Thema: "Sieh mal an, das Leben ist schön" (Wie eine neue Sicht den Alltag verändern kann). Zu diesem Thema referiert Andrea Schneider aus Oldenburg.