Salzwedel. Am Sonntagabend hat Bernhard Hoëcker im Salzwedeler Kulturhaus die Bauchmuskeln des Publikums unablässig durch Mimik, Gestik, aber vor allem mit anspruchsvollem Wortspiel attackiert. Was der bekannte Bonner Comedian im dreistündigen Programm bot, war als solches eigentlich nicht zu bezeichnen. Es waren eher sehr unterhaltsame Plauderstunden, die der Fernsehstar mit den Gästen führte.

Natürlich gab es einen Ablaufplan mit einem Kern, zu dem Hoëcker immer wieder zurückfand. Doch dieses vollführte er auf so interessante Art und Weise, dass das Publikum den Eindruck gewann, es wäre selbst Gestalter des Programms. Hoëckers fand seine Opfer natürlich in den ersten Reihen - selbst Schuld, wer dort Platz nahm: die Besitzerin von vier Berner Sennenhunden, das Pärchen, welches seine Liebe in Dannefeld zueinander entdeckt hatte, Dirk, der mit seinem Namen zu kurz gekommen schien, eine Diplom-Ingenieurin, die ihr Diplom ohne Diplomarbeit zugesprochen bekommen hatte und der Kulturbeauftragte aus Neubrandenburg, der sich zum Schluss outete, dass er eigentlich Bauingenieur war und auch nie in Neubrandenburg wohnte. Weil er gegenüber Hoëcker partout nicht verraten wollte, was er jemals gebaut hatte, vermutete dieser, dass er wohl den schiefen Kirchturm von Salzwedel auf dem Gewissen haben muss, den der Künstler auf seiner Anreise von weitem gesehen hatte.

Um sein Publikum herauszufordern, ging er ständig auf Konfrontation und provozierte. Vereinzelte Satzfragmente wurden ihm immer wieder zugerufen. "Hallo, was ist das denn? Subjekt, Prädikat, Objekt - kennt ihr das nicht? Naja, in Nordrhein-Westfalen haben wir ein anderes Schulsystem. In Berlin sage ich immer: In Nord-rhein-Westfalen haben wir ein Schulsystem." Hoëcker nutzte seine Fähigkeit, blitzschnell Zurufe aufzunehmen, abzuspeichern und an richtiger Stelle zurück zu katapultieren. Und dieses ohne erkennbares Überlegen, sondern stets spontan. Und dann verpackt in einem sehr unterhaltsamen Redeschwall.

So drängte sich der Verdacht auf, dass im Ohr des kleinen Mannes ein noch kleinerer sitzt, der die Stichpunkte vorgibt. Aber dem ist wohl nicht so, denn Hoëcker überzeugt auch in verschiedenen Fernsehformaten wie "Genial daneben" mit Geistesblitz und Schlagfertigkeit.

Das Publikum fühlte sich vortrefflich unterhalten. Immer wieder durchfluteten wahre Lachkaskaden das Kulturhaus. Hoëckers Leitspruch: "Gott gibt dir nur die Länge, für die Größe bist du selbst verantwortlich."

"Ihr habt es mir heute Abend leicht gemacht, ihr wart ein tolles Publikum", lobte der Meister der Improvisation. Leider konnte der Entertainer nur rund 200 Gäste begrüßen. Doch auch das nahm er sehr gelassen. "Es ist zwar nicht ganz voll hier, aber so ist es eben, wenn man nur die Besten einlädt."