"Damit kann man nicht unzufrieden sein", sagte Friedhelm Heinecke angesichts von 850 Sonntagsausflüglern, die dem Ostermarkt im Diesdorfer Freilichtmuseum einen Besuch abgestattet hatten. Eine maßlose Untertreibung des Museumschefs! Denn traumhaftes Wetter, österliches Brauchtum, kulinarische Köstlichkeiten und die imposante Kulisse des einzigen Freilichtmuseums Sachsen-Anhalts paarten sich zu einem perfekten Ostersonntag.

Diesdorf. Frischer Kuchen und Brot aus dem Steinback-ofen, Räucherfische, Honig, Waldmeisterbowle oder Marmelade mit Whisky: Die Besucher konnten sich am Sonntag über das 100-jährige Museumsgelände schlemmen. Beim Spaziergang durch die erblühende Natur entdeckten sie neben Dekorativem für Haus, Hof und Garten auch altes Handwerk. Wie das von Stellmacher Wilfried Helmecke. Der Baderslebener (Harzvorland) war zum ersten Mal in Diesdorf zu Gast - und gewiss nicht zum letzten Mal. Denn bevor die Pforten für die Besucher öffneten, hatte er einen Rundgang übers Gelände unternommen und schwärmte: "Ein wunderbares Ambiente." Um so wichtiger sei es, solche Stätten zu erhalten, um zu erfahren, wo "unsere Wurzeln sind". Er selbst hänge an alten Traditionen, darum zeige er das Stellmacherhandwerk, obwohl er eigentlich Tischler sei. Besonders freute sich Wilfried Helmecke über das große Interesse bei den jungen Besuchern.

Diese kamen nicht nur aus der Altmark, sondern vor allem aus Niedersachsen. So wie der achtjährige Rik aus Uelzen, der sich am Seilereistand von Sarina Krätzig ein Seil zum Mitnachhausenehmen flocht. Mit seiner Familie unternahm der Junge nicht zum ersten Mal einen Ausflug nach Diesdorf. "Ich finde das Ländliche so toll", sagte Papa René, der aus Holland stammt.

Wenige Meter weiter bot Dimitar Jabs im Schottenrock Fische im Schottenrauch zum Verkauf an. Dem Tylsener gelang es mit seiner Dudelsackmusik jedoch nicht, die Aale zum Tanzen zu bringen. Sie blieben mausetot.

Apropos Musik. Für die Umgebung entsprechend beste Unterhaltung sorgte die Dannefelder Gruppe "Hoahnenfoot" um Andreas Finger mit amüsanten Texten und volkstümlichen Liedern. Am Nachmittag eröffneten dann die Salzwedeler "Deelenpetter" mit der Müllerpolka ihren Tanzreigen.

Mit Goldschmiedin Bianca Schennetten aus Rademin, Kupferschmied Hans-Udo Soeder aus Wüllmersen und Töpfer Mario Bönicke aus Valfitz stellten regionale Handwerker ihr kreatives Schaffen aus.

Die 21 regional-typischen, originalen Wohn- und Funktionsgebäude auf dem Areal gewährten einen Einblick in die ländliche Alltagsgeschichte der Altmark zwischen dem 17. und dem beginnenden 20. Jahrhundert. Die Ausstellung "Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert" widmete auch dem Diesdorfer Museum als einem von 26 geschichtsträchtigen Orten im Land einen Aufsteller.

Wissenswertes rund um Ostern, was das Ei mit dem christlichen Fest zu tun hat, erfuhren die Gäste mit dem Handzettel über Osterbräuche. Heutzutage glauben die Kinder ja an den Osterhasen. Wussten Sie, dass noch vor 100 Jahren der Kuckuck in der Altmark die Ostereier brachte?