Sechs Studenten aus der Houston Baptist University (Texas, USA) leben und arbeiten derzeit in Hilmsen. Sie werden ihre Kunstwerke ab 19. Juni in der Alten Münze Salzwedel ausstellen. Betreut werden sie von Professorin Esther Delaquis und dem Hilmsener Künstler Hans Molzberger.

Hilmsen. "Hier gibt es keine Ablenkung. Ich kann ganz für die Kunst leben", erzählt Michelle O\' Michael. Die Stahlbildhauerin absolviert derzeit ein Masterstudium. Denn die monumentale Kunst in Stahl ist das eine. Jetzt interessiert sie sich für Malerei und Zeichnung. "Ich möchte frisch bleiben und bin gern mit jungen Leuten zusammen", erzählt die Amerikanerin, die zum ersten Mal in Deutschland ist, warum sie sich für den Auslandsaufenthalt beworben hat. Hier in Hilmsen sei ein schöner Platz, sich auszuprobieren. Sie probiere die Komplexität aus. Denn bei Skulpturen gehe es immer ums Vereinfachen. Jetzt wolle sie auf Bildern die Anwesenheit von Menschen darstellen, aber nicht im Vordergrund. "Und hier kann ich Fahrrad fahren, was ich sehr gern mache. In Houston ist das lebensgefährlich", fügt sie hinzu.

Auch Juan Castillo und Randell Mosman sind Masterstudenten. Das Trio wird von Professorin Esther Delaquis, die mit in die Altmark gekommen ist, betreut. Die jungen Männer haben eine Vorliebe für die Malerei. Juan Castillo, der bereits im Vorjahr in Hilmsen arbeitete, probiert neue Techniken aus, arbeitet mit Acryl. Randell Mosman mag das figurative Malen, erzählt in seinen Arbeiten imaginäre Geschichten. Sie hinterlassen auf dem Hof von Hans Molzberger ihre Spuren. An Wänden sind die Umrisse von Menschen zu sehen. Einer hat eine Mistgabel in der Hand, ein anderer eine Axt. Dabei standen sich die jungen Amerikaner gegenseitig Modell: Einer stellte sich vor die Wand, der andere zeichnete die Umrisse.

Studentin Danielle Hoss, die Malerei ebenfalls als ihre Vorliebe bezeichnet, hat angefangen, Collagen zu gestalten, Aquarelle zu malen und sich mit Keramik auszuprobieren. "Ich möchte die Zeit nutzen, um meine Eindrücke von der Altmark in experimenteller Art zu verarbeiten", beschreibt sie.

Cheryl Schubert, bereits zum zweiten Mal in Hilmsen, bereitet sich auf den Bachelor-Abschluss vor. "Ich arbeite aus dem heraus, was ich sehe", erzählt sie. Fotografie, Familiengeschichte, Druck, Zeichnungen und Collagen: All das versucht sie, zu vereinen. "Ich lasse die Altmark zu mir sprechen und reagiere darauf", fügt sie hinzu. In einer Mikrowelt entdecke sie Besonderheiten, die dem Betrachter sonst nicht auffallen, so einen Pferdekopf in einer Sandwand. Zudem arbeitet Cheryl Schubert an einer 30-seitigen Arbeit für Kunstgeschichte. Und sie möchte mehr über die Wurzeln ihrer Familie in Deutschland in Erfahrung bringen. "Ich finde die Deutschen sehr nett und charmant und hilfsbereit", sagt sie. Sie habe Freunde in Hilmsen gefunden, mit denen sie im E-Mail-Kontakt steht.

Joel Stanulonis interessiert sich sehr für Malerei. Seine Vorliebe gilt den Ölfarben. Doch das sei hier nicht möglich: Zum einen dürfen Ölfarbe nicht per Flugzeug mitgenommen werden, zum anderen trockne diese nur langsam. Deshalb bringt er seine Motive in Hilmsen mit Bleistift und Kohle aufs Papier. "Er verwandelt Zeichnungen in Gemälde", beschreibt Hans Molzberger, der mit dem Verein Art-netzwerk den Aufenthalt in Deutschland möglich machte.

Morgen stellen sich die Künstler ab 19.30 Uhr beim "Jour fixe" in der Alten Scheune in Salzwedel vor. Und ab 19. Juni geben sie in der Alten Münze in Salzwedel einen Einblick in ihr Können.

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