Schönebeck soll bei der Lösung des Grundwasserproblemes Pilotprojekt werden. Das bekräftigte gestern Nachmittag Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens (CDU) gegenüber der Volksstimme. Auch Innenstaatssekretär Rüdiger Erben (SPD) sagte in Felgeleben die Hilfe des Landes zu.

Schönebeck. "Wir verzeichnen das vierte Jahr in Folge signifikant hohe Niederschläge. Das Grundwasserniveau in Sachsen-Anhalt ist permanent gestiegen." Mit dieser für das gesamte Land geltenden Feststellung machte Landesumweltminister Hermann Onko Aeikens gestern im Gespräch mit der Volksstimme auf das vielerorts beklagte Problem mit Grund- und Oberflächenwasser aufmerksam. In Schönebeck aber sei Situation besonders schwierig. Deshalb solle die Stadt inklusive ihres Umfeldes ein Pilotprojekt werden. "Wir finden hier fraglos eine sehr komplizierte Situation vor", spielte der Ressortchef auf die unterschiedlichen Gründe und vielschichtigen Ursachen von Kellerdurchnässungen in und um Schönebeck an.

Je nach Region will das Land nun analysieren, wie die Lage ist, wo die Ursachen liegen und welche Handlungsmöglichkeiten es gibt. In die Schönebecker Arbeitsgruppe Grundwassermanagement, die am 18. Januar zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen kommt, will das Ministerium Fachleute aus dem eigenen Hause senden. "Wir bieten unser Wissen an", unterstrich Dr. Ekkehard Wallbaum vom Referat Gewässerschutz und Grundwasser. Eine Lösung, darin stimmte er mit Aeikens überein, könne aber auch das Land nicht von heute auf morgen realisieren.

An dem Gespräch nahm auch der CDU-Landtagsabgeordnete Gunnar Schellenberger teil. Er sagte: "Schönebeck braucht eine kurzfristige Hilfe und eine langfristige Lösung." Dafür seien viele Schultern nötig.

Eine dieser Schultern war gestern schon in Felgeleben. Als der Staatssekretär des Innenministeriums, Rüdiger Erben, in Schönebecks Stadtteil erwartet wurde, bekam er reichlich Wasser von oben ab. Es regnete wie aus Kübeln. Der Politiker aus Magdeburg bekam einen kleinen Geschmack, wie es einem Großteil der Felgeleber derzeit gehen muss. Die klagen nämlich nicht nur seit mehr als 16 Jahren über Wasser in Kellern und Häusern, sondern seit dem vergangenen Wochenende auch über eine mangelhafte Kommunikation mit der Stadtverwaltung.

Anwohner, der Wehrleiter der Stadtteilfeuerwehr Felgeleben, die Landtagsabgeordnete Petra Grimme-Benne (SPD) sowie Dezernent Joachim Schulke berichteten Rüdiger Erben ihre Sicht der Dinge und den Verlauf des vergangenen Wochenendes. Der Staatssekretär unterstützte nochmals deutlich das Handeln der Stadt, dass nämlich ein Pumpen der Feuerwehr keine Wirkung erzielt hätte.

Bevor er nach einer Halben-Stunde-im-Regen-stehen Felgeleben wieder verließ, appellierte er an die Nach- barschaftshilfe. Das Befüllen der Sandsäcke sei nicht allein Aufgabe der Feuerwehr. Dabei sollte sich jeder Bürger beteiligen. Doch was am Ende viel wichtiger war, Erben sagte seine Unterstützung zu: "Da, wo das Land helfen kann, wird das Land helfen."

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