Seit 20 Jahren setzen sich die Mitarbeiter der Caritas-Sozialstation in Calbe dafür ein, dass Kranke, Alte und Behinderte solange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung leben können. Im Rahmen eines festlichen Empfangs in den neu bezogenen Räumen in der Kleinen Mühlenbreite 4 wurde an die schweren Anfangsjahre erinnert.

Calbe. Was heute nicht mehr vorstellbar ist, gehörte kurz nach der Wende zum Alltag. Die erste Geschäftsführerin Gerhild Kühn erinnert sich an die Anfangsjahre der Caritas-Sozialstation: "Die Schwestern fuhren mit dem Rad oder ihrem eigenen Auto zu den Patienten. Die ersten Essensportionen holten wir von der Schulküche. Jeder bekam sein Essen in einem privaten Töpfchen mit Namensschild."

Es sei eine schwierige Zeit gewesen, als die Gemeindeschwestern plötzlich ihre Anstellung verloren und nach einem Lückenschluss in der Betreuung kranker und alter Menschen gesucht wurde. "Mit dem damaligen Pfarrer Czernik kam es schließlich zu einer Sozialstation in gemeinsamer Trägerschaft zwischen dem DRK und der katholischen Kirchgemeinde St. Norbert", erinnerte Gerhild Kühn, die elf Jahre in der Sozialstation tätig war. Mit elf Schwestern sei damals begonnen worden, die einen großen Einzugsbereich von Breitenhagen bis Großmühlingen abzudecken hatten.

Von 1995 bis 2001 war Anneliese Rehse die Pflegedienstleiterin der Sozialstation. 2002 erfolgte der Trägerwechsel zum Caritasverband des Dekanats Magdeburg. "Die Anzahl der Mitarbeiter stieg ständig an", blickt Anneliese Rehse zurück. Fachlich und menschlich sei stets das Beste gegeben worden. Auch was die Fahrten zu den Patienten betrifft. Egal ob bei Minusgraden und Schneeverwehungen oder bei tropischen Temperaturen, bei langen Umwegen durch Straßen- sperrungen oder Hochwasser. Das Pflegepersonal hatte oft enorme Wege zurückzulegen. Die Bürokratie habe im Lauf der Jahre deutlich zugenommen.

Seit 2009 hat Silke Herzog die Leitung inne. Sie dankte in ihrer Ansprache den Bewohnern der Kleinen Mühlenbreite, die viel Dreck und Lärm während der Umbauzeiten der Wohnungen und der Sozialstation von Sommer bis Ende des Jahres zu ertragen hatten. Vier der insgesamt acht durch die Calbenser Wohnungsbaugesellschaft altersgerecht gestalteten Wohneinheiten sind belegt. "Seit diesem Monat bieten wir auch betreutes Wohnen an", sagte Herzog, die ebenfalls die zurückgelegten Wege der Mitarbeiter ansprach. "Wir sind mit unseren weißen Corsas bei schlechtesten Witterungsbedingungen unterwegs. Wir kommen zu unseren Betreuenden, wenn es sein muss, auch zu Fuß."

Pfarrer Dr. Thomas Thorak richtete bei seiner Ansprache den Blick auf die christliche Ausrichtung der Sozialstation. "Heute herrscht eine Zeit, in der Leistung zählt und nicht der Mensch." Zwar müsse auch eine Sozialstation wirtschaftlich arbeiten, doch: "Das christliche Prinzip und die von Gott gegebene vorstaatliche Würde steht an erster Stelle." Thorak segnete die neuen Räumlichkeiten.

"Es geht um weitaus mehr als die reine Betreuung", sagte Bürgermeister Dieter Tischmeyer. In seinem Grußwort hob er unter anderem die Bedeutung der Station als ein wichtiger Arbeitgeber hervor. Alexander Berlin als stellvertretender Ratsvorsitzender würdigte die Arbeit der Sozialstation im Namen aller Stadträte.

Im Anschluss nahmen die Gäste die neuen Räumlichkeiten unter die Lupe. Alle wünschten der Sozialstation nach ihrem Umzug aus der Neuen Wohnstadt zum neuen Standort für die Zukunft das Beste.