Das Wasser ist das große Thema derzeit in Schönebeck. Viele Bürger sind selbst betroffen, müssen ihr Eigentum vor den Fluten schützen. Auf dem Feld zwischen Calbescher Straße und Felgeleber Anger hat sich ein riesiger See gebildet, der sein Wasser erbarmungslos in Richtung Paul-Illhardt-Straße schickt. Ein Anwohner argwöhnt, dass hier von Unbekannten absichtlich ein Durchstich vorgenommen worden ist.

Schönebeck. "Guten Tag, Schulz, Deichstraße. Bekomme ich bei Ihnen 20 gefüllte Sandsäcke?" Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Felgeleben nicken und greifen bereits zur Schippe. "Deichstraße, die liegt in Grünewalde", stellt einer der Blauröcke korrekt fest. "Wir haben hier genug Sand", versichert Ortswehrleiter Daniel Schürmann. Wer kommt, bekommt. "Wir hatten auch schon Anfragen aus Calbe", berichtet Schürmann. Aber die Saalestadt müsse sich schon selbst um ihre Bürger kümmern.

An diesem Freitagmittag sind zehn Felgeleber Feuerwehrleute im Einsatz, auf Weisung des Oberbürgermeisters, wie das Presseamt der Stadt mitteilt. Auf dem Gelände der einstigen Schule haben sie ein offenes Zelt aufgebaut, um wenigstens etwas vor dem Regen geschützt zu sein. Darunter befindet sich eine Art Abfüllstation für die Sandsäcke. "Wir liefern auch an", sagt Schürmann. Einer seiner Leute meint: "Wir helfen gerne, dafür sind wir ja Feuerwehrleute geworden." Aber ein bisschen Unmut will er auch loswerden: "Viele Betroffene packen selbst mit an. Aber andere stehen, mit den Händen in den Hosentaschen, daneben und geben uns Anweisungen, wohin wir die vollen Säcke tragen sollen." Das gehe dann doch zu weit – bei aller Hilfsbereitschaft.

Die Kameraden versichern unisono, dass sie auch am Wochenende im Einsatz sein werden. Sie würden sich die Zeiten entsprechend einteilen. "Der Sand wird reichen. Die Absprachen mit der Stadt funktionieren gut, der Nachschub ist organisiert", sagt der Ortswehrleiter.

Für eine große Sand-Spende sorgte die Magdeburger Firma Cemex. Dort steht der in Schönebeck lebende Geologe Dr. Manfred Sichting in Lohn und Brot. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass am Donnerstag vier große Transporter, voll beladen mit insgesamt 100 Tonnen Sand, Kurs auf Schönebeck nahmen. Ein Großteil davon ist auf dem Bauhofgelände im Grundweg abgeladen worden und wird nun bei Bedarf nach und nach auf den Felgeleber Schulhof transportiert.

Viele Anwohner inbesondere der Paul-Illhardt-Straße haben ihre Häuser in den vergangenen Tagen mit Sandsäcken regelrecht verbarrikadiert. Diese Straße ist besonders hart betroffen, weil riesige Wassermassen von einem anliegenden Feld auf das Wohngebiet zufließen, das Wasser aber weder ausreichend verdunsten noch versickern kann.

Ein Anwohner informierte am Donnerstagabend die Volksstimme über einen offensichtlichen Durchstich in der verlängerten Linie des Triftweges. Es sehe so aus, als sei auf drei Meter Länge absichtlich Hand angelegt worden. Bei einem Vororttermin zeigt sich, dass auf dem Feld zwischen Calbescher Straße und Felgeleber Anger noch immer ein riesiger Schnee-Eis-Panzer auf dem Ackerboden liegt, der nun langsam abtaut. Entlang eines nicht mehr passierbaren Weges fließt tatsächlich an einer etwas tiefer liegenden Stelle Wasser über einen Durchbruch. Wie ist der entstanden?

"Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um einen kleineren Vorfall, als ein Lkw schon vor geraumer Zeit beim Wenden die Ursache dafür schuf, dass Wasser eines höher gelegenen Areals durch die Spurrinnen in tiefere Bereiche und damit in Richtung von Häusern in der Paul-Illhardt-Straße floss", erklärt Hans-Peter Wannewitz, Pressesprecher der Stadt Schönebeck. Mitarbeiter des Ordnungsbereiches hätten sich den Ort bereits angesehen. Gestern Abend kümmerte sich die hiesige Wasserwehr um dieses Problem.

   

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