Sie gehören zum Krankenhausbild wie Ärzte, Schwestern und Pfleger: die Grünen Damen. Im Schönebecker Klinikum sind sie seit acht Jahren Woche für Woche ehrenamtlich aktiv.

Von Olaf Koch

Schönebeck l Männer sind manchmal verschlossener als Frauen. Das stellen nicht nur Mütter über ihre heranwachsenden Jungs in der Familie und Ehefrauen über ihre Ehemänner fest, sondern auch die Grünen Damen. Wenn sie durch die Stationen des Ameos-Klinikums gehen und mit den Patienten sprechen, kommen sie viel häufiger und schneller mit weiblichen Patienten ins Gespräch. "Ich glaube, Männer können nicht immer frei ihre Emotionen zeigen", sagt Gudrun Schedler.

Die rüstige Seniorin ist der Kopf der Grünen Damen im Schönebecker Krankenhaus. Seit dem Jahr 2006 gibt es diese besondere "Eingreiftruppe", die ganz spezielle Aufgaben hat. "Wir haben damals mit fünf Grünen Damen angefangen, und sind heute elf. Das finde ich schon bemerkenswert", so Gudrun Schedler.

Regelmäßig kommen die Grünen Damen bei Ameos zusammen, um sich auszutauschen. Jede Dame hat ihre eigene Klinik und ihre eigene Station. Das, so berichten die Frauen, ist manchmal besser als ein dauernder Wechsel: Die Grünen Damen kennen die Schwestern, Pfleger und Ärzte; die wiederum kennen "ihre" Dame. Und hin und wieder kommt es eben auch vor, dass Patienten nicht nur länger stationär bleiben müssen, sondern nach einer bestimmten Zeit erneut aufgenommen werden müssen. "Dann ist das Vertrauen sofort da und man muss nicht bei Null anfangen", berichtet Gudrun Schedler.

"Es wird Zeit, Danke zu sagen", war das Motto eines Treffens der Grünen Damen kürzlich mit Schönebecks Kranken- hausdirektor Guido Lenz. Er weiß, dass so ein Ehrenamt nicht selbstverständlich ist. Mittlerweile sind sie Damen zu einem unverzichtbaren Teil der Kliniken geworden. So wurde der Spieß vor wenigen Tagen umgedreht, und die Frauen im grünen Kittel konnten sich zurücklehnen und verwöhnen lassen. "Es ist schon verrückt, wie groß die Runde hier geworden ist", so Lenz.

Grüne Damen - ehrenamtliche Helferinnen - sind einfach an ihren grünen Kitteln im Klinikum erkennbar. Das Haus ist stolz auf "seine" Grünen Damen und ist bestrebt, für sie Verstärkung zu finden. "Für uns sind die Grünen Damen ein wesentlicher Bestandteil der Krankenhausversorgung", lobt Guido Lenz die Arbeit der Frauen.

Ein gutes Gespräch ist meist die beste Medizin

Doch was machen die Grünen Damen eigentlich? Einmal in der Woche für einige Stunden besucht die Grüne Dame die ihr zugeordnete Station. Dort übernimmt sie kleine Besorgungen oder nimmt sich Zeit zum Zuhören, wenn Angehörige fehlen. Es sind Dinge, zu denen die Pflegenden der Einrichtung nicht immer die nötige Ruhe haben. "Wir sind keine Seelsorger, aber wir können genauso gut zuhören", sagt Gudrun Schedler.

Die Gespräche mit den Patienten unterliegen selbstverständlich der Schweigepflicht. Ein Streicheln oder ein Gespräch wirkt wie eine gute Medizin. Viele Patienten sind nur froh, jemanden zum Reden zu haben, sie sind einfach willkommende Gesprächspartner. Jede Grüne Dame hat einen festen "Arbeitstag" in der Woche. Das funktioniere reibungslos, freut sich Klinikdirektor Guido Lenz und fügt hinzu: "Die Grünen Damen sind genauso pünktlich und zuverlässig zur Stelle wie unsere Mitarbeiter."

Die Grünen Damen bilden sich in regelmäßigen Abständen weiter, mal im Klinikum oder in anderen Pflege- und Sozialeinrichtungen. Mindestens alle zwei Monate, wie Gudrun Schedler der Volksstimme berichtet. Gleichzeitig nutzen sie auch den Erfahrungsaustausch mit anderen Grünen Damen und Herren anderer Kliniken. Während ihres Einsatzes sind sie über den Berufsverband der freien Wohlfahrtspflege versichert. Eine spezielle Ausbildung ist für die Arbeit einer Grünen Dame nicht erforderlich, jedoch erhält man im Vorfeld eine fachliche Einweisung und eben regelmäßige Fortbildungen gehören außerdem dazu.

Gern würden sich die Grünen Damen und das Klinikum über eine weitere personelle Verstärkung freuen. Und es müssen nicht nur Frauen sein, auch Grüne Herren sind willkommen. Sie können nämlich teilweise einen viel besseren Zugang zu den männlichen Patienten finden.