Es war ein Kraftakt - der noch andauert. Der soziale Treff "Suppe und Seele" ist von der Welsleber in die Böttcherstraße gezogen. Erster offizieller Arbeitstag im neuen Domizil war der Donnerstag. Noch gibt es einiges zu richten. Die Küche jedenfalls ist schon voll arbeitsfähig.

Schönebeck l Noch ist nicht alles an seinem Platz. Der grinsende Buddha etwa, der auf dem Schreibtisch von Monique Krause thronte, ist erst einmal auf dem Fensterbrett im Besprechungsraum postiert worden. Es gab sehr viel zu tun beim Umzug des sozialen Treffs "Suppe Seele". Und noch immer ist vieles zu richten. Doch arbeitsfähig ist das Team bereits, der Donnerstag dieser Woche galt als erster offizieller Tag am neuen Standort in der Böttcherstraße.

"Wir mussten uns nach einem angemessenen Objekt umsehen."

Gorm Geißler

Notwendig geworden ist der Ortswechsel letztendlich aus finanziellen Gründen. So erklären es Geschäftsführerin Monique Krause und ihre rechte Hand, der Sozialpädagoge Gorm Geißler. Der Vermieter des Objektes in der Welsleber Straße habe einen deutlich höheren Mietpreis eingefordert. Eine Summe, die der Verein "Vigaro" (er ist Träger des sozialen Treffs) nicht leisten konnte. "Man muss das auch vor dem Hintergrund der gesunkenen Trägerpauschale sehen", erklärt Gorm Geißler gegenüber der Volksstimme. Gemeint ist die heruntergefahrene Bezuschussung von Sach- und Personalkosten durch das Jobcenter Salzlandkreis für sogenannte Ein-Euro-Jobber, eine politisch gewollte Gangart. Und auch die Zahl der Maßnahme-Teilnehmer ist deutlich verringert worden. Gewährte die Kommunale Beschäftigungsagentur Schönebeck (Koba) in der Zeit ihres Bestehens noch 55 Teilnehmer für eine Arbeit auf dem zweiten Arbeitsmarkt bei "Suppe Seele", hat das Jobcenter Salzlandkreis diese Zahl auf 20 abgesenkt.

"Wir mussten uns nach einem angemessenen Objekt umsehen", erläutert Gorm Geißler die sich ergebene Zwangsläufigkeit. Vigaro wandte sich auch an den Salzlandkreis. Die Kreisverwaltung bot, legitimiert durch den Kreistag, unter anderem das Objekt in der Schönebecker Böttcherstraße an. Das Gebäude war einst eine Alten- und Pflegeeinrichtung und bis vor knapp eineinhalb Jahren ebenfalls ein soziales Zentrum, allerdings in Hoheit der Beschäftigungsgesellschaft Gesas. Schönebecker kennen das Haus unter dem Namen "Oase".

Warum also bot die Gesas nicht damals schon die Leistungen an, die nun "Suppe und Seele" vorhält? Hans Weber, Geschäftsführer der Gesas, klärt auf: "Auch wir haben eine kleine Essensversorgung angeboten, allerdings nicht in dem Umfang, als Wohlfühlpaket, wie es Suppe und Seele leistet. Hinzu kommt, dass wir kein eingetragener Verein sind und deshalb keine Spendenbescheinigungen ausstellen können. Für das Betreiben eines solchen Objektes ist das nicht unwichtig."

Ebenfalls hinzu komme, dass die Koba eine entsprechende Aufteilung seinerzeit gewollt habe und der Oase weniger Ein-Euro-Jobber zuwies, verbunden mit dem bereits erwähnten Effekt sinkender Pauschalen für Sach- und Personalkosten. Letztlich seien die Fixkosten für das Objekt (allein 500 Euro pro Monat für das Vorhalten einer Fernwärmetrasse durch die Stadtwerke) nicht mehr zu leisten gewesen, legt Hans Weber dar. Die Gesas konzentrierte sich mit ihrer Arbeit verstärkt auf die Saalestadt Calbe, bietet in Schönebeck in der Nikolaistraße aber weiterhin eine Essensversorgung an. Das im Besitz des Salzlandkreises befindliche Gebäude in der Böttcherstraße stand seither leer.

"Mit unserer Entscheidung für dieses Objekt konnten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden", resümiert Gorm Geißler. Will heißen: Das Haus wird wieder einer Nutzung zugeführt und "Suppe Seele" fand ein neues Domizil. Und weiß Gott kein schlechtes. Das knapp 80 Jahre alte Haus hat zwar einige Defizite (alte Fenster, viele kleine Räume), besitzt aber einen unleugbaren Charme. Es wirkt einladender als das Gebäude in der Welsleber Straße. Kein Wunder, handelt es sich dabei doch um einen ehemaligen Supermarkt.

"Unser Stammpublikum war heute da."

Monique Krause

"Ja, das Haus hat Potenzial", versichern Gorm Geißler und Monique Krause unisono. Wichtig für die neuen Nutzer war vor dem Einzug erst einmal die Wiederbelebung der Heizungsanlage. Dabei wurde der Fernwärme adé gesagt. Das Unternehmen Vaillant kam dem Verein großzügig entgegen, dennoch müssen Kosten in Höhe von rund 10000 Euro gestemmt werden.

Das Jobcenter genehmigt derzeit 20 Ein-Euro-Jobber, 15 von ihnen arbeiten in der Küche, fünf in anderen Bereichen. Ein Drei-Schicht-System wie einst ist so nicht abzudecken. Suppe Seele beschränkt sich auf zwei Schichten, hat Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr geöffnet, sonnabends 8 bis 14 Uhr. Die Leistungen der Essensversorgung (Frühstück, Mittag, Abendbrot) können Menschen wahrnehmen, die einen ALG-II-Bescheid vorweisen, einen Wohngeld-Bescheid oder andere Bescheide für Sozialhilfe.

Die Arbeit des Vereins geht über die stationären Angebote in der Böttcherstraße hinaus. So werden seit der Juni-Flut, in Kooperation mit dem Malteser Hilfsdienst, bedürftige Menschen in Breitenhagen und Groß Rosenburg versorgt. Vom Hochwasser betroffene Personen leben in den beiden Orten nämlich noch immer unter provisorischen Bedingungen, ohne Küche, ohne bewohnbares Erdgeschoss.

Umgezogen in die Böttcherstraße sind auch die Kleiderkammer, das Filmstudio, das Institut für psychologische Beratung und die Straffälligenbetreuung. Bleibt die Frage, ob der Personenkreis, der in die Welsleber Straße kam, auch den Weg in die Böttcherstraße finden wird. "Unser Stammpublikum war heute da, aber auch Neue sind gekommen", sagt Monique Krause.