Der "Rautenkranz" startet in das neue Konzertjahr gleich mit einem rockigen Höhepunkt. "Wishbone Ash" wird auf ihrer Europatournee ihr neues Album "Elegant Stealth" in Barby vorstellen.

Barby l Wo eben noch Silversterparty, Seniorenkreis und goldene Hochzeit über die Bühne gingen, wo bald die Faschingszeit beginnt, werden Ende Januar andere Töne durch den Saal donnern: Die "Ü-60-Rocker" von "Wishbone Ash" befinden sich im 44. Bandjahr und sind kraftvoll, melodisch und dynamisch wie eh und je. Ihr charakteristischer Sound beeinflusste maßgeblich Bands wie Thin Lizzy, Iron Maiden und eine Menge weiterer junger Künstler. Nach wie vor spielen die Briten unglaubliche 150 bis 200 Konzerte im Jahr, verteilt auf zwei Kontinente.

Die Band war 2010 schon mal in Barby. Damals feierte Bandleader Andy Powell im "Rautenkranz" seinen 60. Geburtstag. Der Frontmann von "Wishbone Ash", der als einziger seit Anbeginn dabei ist, wurde am 19. Februar 1950 in London geboren. Am Tag seiner sechsten Null stand er also rockend auf einer Bühne, die dem Briten offensichtlich die Welt bedeutet. Sänger und Leadgitarrist Powell lebt heute in Conneticut (USA) und managt die Band gleichzeitig. Die Rocklexika sind sich einig, dass "Wishbone Ash" mit ihren parallel spielenden Leadgitarren die Rockgeschichte beeinflusste. Verschiedene internationale und nationale Bands wurden davon inspiriert. Zu letzteren zählte die Magdeburger Rockgruppe Reform, die besonders Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre diesen Stil für sich entdeckte und auf eigene Art kultivierte.

Seit 14 Jahren ist der "Kranz" ein internationaler Rocktempel. Zum Auftakt im Jahr 2000 toppte ausgerechnet die ostdeutschen Gruppe Keimzeit alle Besucherrekorde. Als ein paar Wochen später die Magdeburger Spaßeingreiftruppe Blues Jackets auftraten, standen bald mehr Musiker auf der Bühne, als Publikum im Saal war.

"Wir haben gedacht: Das Konzert hält der nie durch"

Dennoch ließ sich Veranstalter Frank Bläsing (53) nicht beirren, kleckerte nicht, sondern klotzte: Seitdem liest sich sein Gästebuch wie ein Who\'s Who der Pop-Geschichte und das in Klein-Barby: Nach solchen Größen wie "Canned Heat", Melanie ("Ruby Tuesday"), "Slade", "Nazareth", "Manfred Man\'s Earthband", "Ten Years After", Roger Chapman, "M3 White Snake" nun zum zweiten Mal "Wishbone Ash", die in den 1970er Jahren ihre großen Erfolge zwischen Grön- und Feuerland feierte.

Episoden blieben während oder am Rande dieser Auftritte nicht aus. So warf Roger Chapman ("Shadow On The Wall") höchstpersönlich einen allzu kecken Pressefotografen von der Bühne. "Nach dem Konzert war Chapman ganz friedlich und hat mit Elli Walzer hinter dem Tresen getanzt", erzählt Bläsing. Elli Voigt war eine seiner Kellnerinnen.

Bei "Slade" stellte es sich heraus, dass Bandleader Dave Hill nicht unbedingt mit seinen Musiker-Kollegen unter einem Dach wohnen wollte. "Den haben wir im Kunsthof Augustusgabe untergebracht, da hatte er seine Ruhe", erinnert sich Bläsing.

Als Manfred Man 2002 ein grandioses Konzert gab, wurde vorher ausgiebig getafelt. Der Wirt hatte in der Hektik versäumt, dem Meister, der in den 1960ern so bekannt wie "Beatles", "Rolling Stones" und "Kinks" war, seinen Pudding zu kredenzen. Manfred Man schielte vorwurfsvoll über die Brille und knurrte: "Where\'s my dessert?!"

Und noch eine Story, die beweist, dass Rockmusik offensichtlich Jungbrunnen-Qualitäten hat: Der Bassgitarrist von "Ten Years After" (Woodstock-Festival-Teilnehmer 1969) humpelte über den Saal, als müsse er tagsdarauf zur Hüftgelenk-OP. "Wir haben gedacht: Das Konzert hält der nie durch", weiß Frank Bläsing noch genau. Als der Brite dann mit seinem fünfsaitigen Fenderbass auf der Bühne stand, war alles Ungemach wie fortgeblasen und von Humpelei keine Spur mehr.

Rautenkranz, 31. Januar, Einlass ab 19 Uhr

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