Knapp 150 Personen haben am Sonnabend im Kurpark für ein größeres Engagement der Stadtverwaltung beim Wasserproblem demonstriert. Sie waren einem Aufruf der hiesigen SPD gefolgt. Neben Stadträten ergriffen auch viele Bürger das Wort. Fazit der Veranstaltung: Die Bürger fordern ein gemeinsames Herangehen bei der Lösungssuche ein. Es wurden auch Rufe nach einem Rücktritt von Oberbürgermeister Haase laut.

Bad Salzelmen. "Der Ha(a)se ist ein Fluchttier", steht auf einem kunstvoll arrangierten Plakat. Gemeint ist Schönebecks Oberbürgermeister Hans-Jürgen Haase. Er ist an diesem Sonnabendvormittag beim Protest von etwa 150 Menschen vor dem Dr.-Tolberg-Saal nicht dabei. Sein Name wird allerdings häufig genannt. Die zentrale Aussage der von den Bürgern vorgebrachten Klagen läuft auf die Feststellung hinaus, dass sich das gewählte Stadtoberhaupt nicht um die Sorgen der Schönebecker kümmert. Sogar Rufe nach seinem Rücktritt werden laut, jemand fragt an, wie ein Abwahlverfahren ablaufen müsste.

Die Organisatoren von SPD und Bürgerinitiative (BI) Felgeleben gehen darauf nicht ein. "Es gibt Ereignisse, die uns zweifeln lassen", sagt der Fraktionschef der SPD im Stadtrat, René Wölfer. Er spricht den vom Ordnungsamt verfügten Abzug von Feuerwehrleuten in Felgeleben an. Seine Fraktionskollegin Petra Grimm-Benne (MdL) meint: "Wir wollen keine Bambule machen, wie von der Stadtverwaltung behauptet wird. Wir wollen und müssen Fragen und Forderungen formulieren. Wir fühlen uns als Stadtrat inzwischen als ein Gegenüber zur Stadtverwaltung."

Die Stadträtin begrüßt die Gründung einer Arbeitsgruppe Grundwassermanagement, es müsse sich jedoch um ein aktives Wassermanagement handeln, betont sie und führt aus: "Analysen haben wir mittlerweile jede Menge – und trotzdem saufen wir ab." Mit Blick auf das vom Wasserproblem schwer heimgesuchte Felgeleben fordert sie: "Oewa und Oberbürgermeister müssen Sofortmaßnahmen angehen." Eine solche Maßnahme wäre die Reaktivierung eines bestehenden Wasserabflusses in der Hermann-Kasten-Straße in Richtung Elbe. "Den Betroffenen immer wieder nur zu untersagen, Wasser in die Kanalisation einzuleiten, das reicht nicht", befindet die Stadträtin.

Haase sucht sich einen anderen Platz

Sie bedauert mit Blick auf den Neujahrsempfang des Salzlandkreises am Freitag in Eggersdorf: "Herr Haase hätte neben mir gesessen, er hat sich aber einen anderen Platz gesucht. Er hat es auch vermieden, mir die Hand zu geben. Dabei hätte ich ihm gerne die Hand gereicht, weil wir ein Miteinander brauchen, um die Probleme zu lösen."

"Auf jeden Fall muss etwas passieren. Unsere Häuser sind heute schon nichts mehr wert", stellt Stadtrat Werner Grundmann von der BI Felgeleben vor den versammelten Menschen fest. Sein Appell an Haase: "Es kann nicht sein, dass man als gewählter Oberbürgermeister kneift."

An das Megafon tritt Dr. Manfred Sichting. Der in Schönebeck lebende Geologe gibt verschiedene technische Hinweise. Wer Wasser aus seinem Keller vollständig abpumpe, müsse bedenken, dass bei einem hohem Grundwasserstand ein hydrologischer Druck entstehen könne, dem die Grundmauern ausgesetzt sind. In der Folge könnte das gesamte Haus angehoben werden und der Kellerfußboden aufbrechen. Wichtig sei auch, das Wasser chemisch untersuchen zu lassen. Wenn es stark sulfathaltig ist, sei es auch intensiv betonaggressiv.

Verärgert zeigt sich Sichting über die Stadtverwaltung. Er hat über seine Firma der Stadt eine Spende von 100 Tonnen Sand zukommen lassen. "Ich habe eine halbe Stunde telefonieren müssen, bevor endlich klar war, wo der Sand abgeladen werden kann", kritisiert er.

Die Stadt, obwohl nicht verantwortlich für das Naturphänomen Wasser, könne sich trotzdem nicht aus der Verantwortung stehlen. Sie habe schließlich die Baugenehmigungen erteilt und sei deshalb verantwortlich für die Bürger.

Nach Sichting äußern sich weitere Bürger. Alle sind verärgert, enttäuscht, traurig. Es laufen auch Tränen. Jürgen Ladebeck, Anwohner der Dr.- Tolberg-Straße, erhält spontanen Applaus, weil er in Eigeninitiative eine Internetseite eingerichtet hat, die eine Plattform für Betroffene darstellt. Christian Schönfeld aus Felgeleben sagt: "Es ist wichtig, dass wir uns zusammen schließen. Von der Stadt ist nichts zu erwarten. Die lassen uns absaufen." Ingo Schuck aus Felgeleben ruft den gesamten Stadtrat zu einer Zusammenarbeit auf. Petra Grimm-Benne kündigt die Einrichtung einer Hotline an, unter der Bürger Infos zur Selbsthilfe abrufen könnten. Helga Brauer aus Felgeleben bricht eine Lanze für Dr. Sichting. Er müsse in die Arbeitsgruppe Wassermanagement berufen werden, fordert sie. Dieter Berge von der BI Felgeleben begrüßt die Zusage von Umweltminister Aeikens, Schönebeck zum Pilotprojekt beim landesweit auftretenden Wasserproblem zu machen. Eine Frau aus Gnadau weist darauf hin, dass auch in ihrem Heimatort viele Keller unter Wasser stehen. Eine Bürgerin sagt zum Abschluss leise: "Auch halb Salze steht unter Wasser. Wer kümmert sich darum?"

 

Bilder