Bad Salzelmen l Schüler und Lehrer sind glücklich. Den Titel "Schlechtestes Schulgebäude Sachsen-Anhalts" können die Schüler und pädagogischen Kräfte der Förderschule "Lindenstraße" Schönebeck nun von der Wand abnehmen. Ab Donnerstag nächster Woche, wenn die Winterferien zu Ende sind und die zweite Runde des aktuellen Schuljahres beginnt, darf sich das Haus ein neues Motto zulegen. "Schöneste Schule" wäre eine durchaus passende Maxime.

Denn nach dem dreieinhalbjährigem Provisorium und der langen Zeit davor in der sanierungsbedürftigen Villa und dem Unterricht in den Baucontainern ist es jetzt endlich geschafft: In diesen Tagen zieht die Schule wieder in die Lindenstraße zurück und übernimmt ein Schulgebäude, was modernen Bildungsanforderungen entspricht.

"Schauen Sie sich doch mal diese schicken Räume an: offen, groß und hell. Das sind jetzt wirklich klasse Bedingungen", freut sich Lehrerin Isabell Zabel. Sie räumt in einem Raum mit ihrer Kollegin Edith Zahl die Schränke ein, dekoriert die Wände und schafft Ordnung. "Die Räume in der unteren Etage sind ideal. Sehen Sie: Wir haben zwei breite Türen und können sogar eine Privat-Terrasse zum Unterricht nutzen."

Das ist wirklich möglich. Aufgrund der in sich verschobenen Grundstücksfläche sind die Klassenräume nicht an einem schnurgeraden Gang angegliedert, sondern versetzt. Die dadurch entstehenden Freiräume können in der unteren Etage als Terrasse genutzt werden. Unterricht im Grünen von Bad Salzelmen gewinnt so eine völlig neue Bedeutung.

Auch in den anderen Räumen haben die Lehrerinnen und pädagogischen Kräfte ein Lächeln im Gesicht. Aber allen Mitarbeitern ist die Freude über diese neuen Arbeitsbedingungen anzusehen. Ein mürrisches Gesicht, weil sie in den Winterferien in der Schule sein müssen? Das ist in diesen Jahr nicht zu finden.

Auch nicht bei Schulleiterin Saule Scholler, die jetzt mit wachsender Begeisterung die Volksstimme durch das Haus führt, lässt jetzt schon während des Umzuges die Fantasie sprühen: Da soll das noch gemacht werden, hier kommt jenes hin, und diese Ecke wird ebenfalls individuell gestaltet. So ist dieser Tage viel Glück und Zufriedenheit im ganzen Haus zu spüren wie sonst nur nach dem Besuch des Weihnachtsmannes.

Ein bisschen wie Weihnachten ist es für die Lehrerinnen und pädagogischen Kräfte an der Förderschule schon, die 70 geistig- und körperbehinderte Kinder und Jugendliche nicht nur unterrichten, sondern auch für das Leben vorbereiten. Jeder Klassenraum des Anbaues hat eine kleine Nass- und Küchenstrecke. Viele der großen Räume sind in einen Unterrichts- und Gemeinschaftsbereich unterteilt. "Hier können die Schüler ihren Platz wechseln und wissen dann: Jetzt ist Unterricht oder Pause", so Saule Scholler. Dort wird in Zukunft Schule nicht mehr "stattfinden", sondern Bildung mit Freude vermittelt.

Der einst muffige und angeschimmelte Keller der Villa ist nun für die Kinder tabu. Physiotherapie, Ergotherapie und das Therapiebad befinden sich in der ersten Etage in sanierten, großen und hellen Räumen. Interessant gestaltet ist zudem die Verbindung zwischen neuem Anbau und alter Villa. "Das ist jedes mal ein Übergang von der Tradition in die Moderne", schwärmt die Schulleiterin. Erstmals (!) - wir schreiben das Jahr 2014 - verfügt die Förderschule über ein Lehrerzimmer. So einen gemeinsamen Raum - die Förderschule nennt ihn selbst Konferenzraum - gab es noch nie. Immer mussten die Lehrer ihre Pausen in den Klassenräumen verbringen, Vorbereitungen für den Unterricht treffen und interne Gespräche führen.

Noch eine Woche, dann werden die Schüler die Schule "übernehmen".