Calbe l Die Sanierung der Grundschule "G. E. Lessing" samt Sporthalle zum einzigen Grundschulstandort in Calbe kommt plötzlich ins Stocken. Beim Vor-Ort-Termin des Sozialausschusses wurde klar, dass für eine Komplettsanierung mehr Geld benötigt wird, geschätzt rund 580 000 Euro.

"Wir brauchen weitaus mehr Geld."

Der Paukenschlag kündigte sich bereits im Bauausschuss am Montag an. Ines Schmidt, Leiterin der Bauverwaltung, erläuterte dem Gremium anhand der Beschlussvorlage, dass Mehrkosten in Höhe von 22 000 Euro auf die Stadt zukämen.

Gesamtes Gebäude verfügt über keinen "Null-Leiter"

Hintergrund: Nach dem Abbruch des ehemaligen Hortgebäudes der Grundschule wurde die Giebelwand sichtbar (Volksstimme berichtete). Statiker stuften das Mauerwerk als nicht tragfähig ein. Eine ordnungsgemäße Anbindung an die Dachkonstruktion und Deckenscheiben sei dem Bericht zufolge ebenfalls nicht vorhanden. "Die Sicherung des Giebels ist dringend erforderlich, um die Baumaßnahme am nördlichen Bauteil weiterführen zu können", heißt es in der Begründung. Die Mehrkosten sollen aus den Restmitteln des Krankenhauserlöses in Höhe von rund 118 000 Euro entnommen werden, die nicht mit Maßnahmen belegt sind. Das Gremium - außer Günter Lenhart (Freie Wähler) - empfahl dem Stadtrat eine Freigabe der benötigten Mittel.

"Wir brauchen weitaus mehr Geld." Durch die Aussage des Ehrenratsvorsitzenden Georg Hamm (CDU/FDP) wurde schnell klar, dass es sich dabei allerdings um das kleinere Problem handelte. Am Dienstagnachmittag machten sich die Mitglieder des Sozialausschusses beim Vor-Ort-Termin in der Grundschule selbst ein Bild davon.

Zwar sind am Schul- und Sportgebäude die Dächer gedeckt und gedämmt, die Fenster, sowie Innen- und Außentüren, die Heizleitungen einschließlich Heizkörper und Dämmung, die Ertüchtigung des Speiseraumes mit Teeküche sowie die WC-Anlage und Herrichtung eines Klassenraumes realisiert. Doch der städtische Kostenrahmen in Höhe von 1,5 Millionen Euro sei damit ausgeschöpft, erklärte Ines Schmidt.

Für Klassen-, Lehrer- und Fachräume fehlt bislang Geld

Nun fehlen erforderliche Sanierungsmaßnahmen, wie der Einbau von Unterdecken, wichtige Fußböden und Malerarbeiten in den Klassen-, Lehrer und Fachräumen. Nach Schätzungen eines Calbenser Ingenieurbüros müsse die Stadt weitere 580 000 Euro auftreiben.

"Wie kann das plötzlich bei einer grundlegenden Sanierung sein?", monierte SPD-Fraktionschef Mario Kannegießer. "Das gesamte Gebäude hat bei der Elektroinstallation beispielsweise über keinen Nulleiter verfügt. Warum auch immer", erklärte Christian Sehmisch vom Ingenierbüro über unangenehme Überraschungen am Bau, die vorher nicht einkalkuliert werden könnten.

Es sei jedem Stadtrat klar gewesen, dass eine Komplettsanierung mindestens vier Millionen Euro gekostet hätte, so Schmidt. Mehr Geld hatte der Stadtrat einst per Beschluss dafür nicht freigegeben. Dennoch sei unter Einsatz von Fördermitteln des Stark-III-Programms Beachtliches entstanden, hob Fraktionschef Sven Hause (Alternative Liste Calbe) hervor.

Prüfen, wie das fehlende Geld organisiert wird."

Die Mehrheit der Räte war sich jedoch einig, dass unter diesen Bedingungen die Eröffnung für die 240 Grundschüler nicht über die Bühne gehen kann. "Es bleibt nichts anderes übrig, als zu prüfen, wie das fehlende Geld organisiert wird", sagte Stadtratsvorsitzender Alexander Berlin. Hauptamtsleiterin Isabel Bartels erklärte, dass bereits Kontakt mit der Investitionsbank und dem Finanzministerium aufgenommen wurde.

Eine Wiedereröffnung der Grundschule zum kommenden Schuljahr scheint jedoch in jedem Fall in weitere Ferne gerückt zu sein.

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