Die Kommunikations- und Informationstechnologie (IT) im Rathaus hat mehr als zehn Jahre auf dem Buckel und ist damit schon aus einer längst vergangenen Epoche. Nun soll sie fit gemacht werden für die Zukunft. Doch wer übernimmt das, und wie viel darf das kosten? Zu dieser Frage diskutierte der Hauptausschuss.

Calbe l Silke Bieske ist im Calbenser Rathaus seit langem für die IT-Infrastruktur zuständig. Wenn die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung die Tür zum eigentlichen Herzstück des Rathauses öffnet, wird es kalt. Eine Klimaanlage an der Wand sorgt für Abkühlung. "Unsere Server produzieren viel Wärme, vor allem im Sommer kann es zur Überhitzung im kleinen Raum kommen", erklärt Silke Bieske. Doch die technische Ausstattung im Rathaus ist veraltet. Zwei von vier Servern sind mehr als zehn Jahre alt. "Das sind heute Welten", sagt Bieske. Moderne Verwaltungsprogramme der neueren Generation würden schon jetzt nicht mehr auf diesem System laufen.

Das Thema hob auch Isabel Bartels im Hauptausschuss auf die Agenda. Beispiel Software: "Die vorhandenen Arbeitsplätze sind auf Windows 7 umzurüsten, da die Wartung seitens Microsoft für das Betriebssystem Windows XP in diesem Jahr generell endet", sagt die Hauptamtsleiterin. 35 PC-Arbeitsplätze und 17 Drucker seien im Rathaus I und II sowie im städtischen Bauhof in der Nienburger Straße an das Netzwerk angebunden und nicht mehr zeitgemäß. Zudem müsste auf steigende Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit reagiert werden.

Derzeit bestehen für die Hard- und Software der Stadtverwaltung die entsprechenden Wartungs- und Pflegeverträge mit den jeweiligen Unternehmen.

Rundumpaket für fünf Jahre würde 684 000 Euro kosten

Eine Administration durch eigenes Personal sei auf Grund der Breite und der schnellen Entwicklung der heutigen IT nicht mehr zu gewährleisten. "Auch rein menschlich ist unsere Verwaltungsmitarbeiterin nicht in der Lage, alle Bereiche mit erforderlichem Spezialwissen zu füllen", meint Bartels.

Für Abhilfe soll nach Plänen der Stadt nun die KID Magdeburg GmbH als Dienstleister sorgen, die im Dezember ein Angebot für ein Rundum-Paket abgab. Das Unternehmen ist Genossenschaftsmitglied der Kommunalen IT-Union eG (Kitu), die mit rund 30 Kommunen und Landkreisen der Umgebung zusammenarbeitet. Für Calbe liegen die Kosten allein für die Betriebsführung bei monatlich 2898 Euro, also 34 640 Euro im Jahr. Weiterhin würden pro Jahr 5914 Euro für die PC-Miete zuzüglich Kosten für die Erstinbetriebnahme anfallen. Über die Laufzeit von fünf Jahren handelt es sich um ein Gesamtvolumen von 684 000 Euro.

Keinen Zweifel gab es innerhalb des Hauptausschusses, dass im Rathaus technisch nachgerüstet werden muss, zumal während der Haushaltskonsolidierung nur das Nötigste angeschafft worden sei. Nur über das Wie gibt es weiterhin Klärungsbedarf. "Stadtrat und vor allem Stadtverwaltung sind verpflichtet, alle Entscheidungen, die mit dem Einsatz öffentlicher Gelder verbunden sind, dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu unterwerfen", sagte Fraktionschef Sven Hause (Alternative Liste Calbe). "Trotz der Mitgliedschaft in der Kitu müssen wir weitere Varianten zur Erbringung dieser Aufgaben prüfen." So müsse nach den Worten Hauses mindestens eine Vergleichbarkeit hergestellt werden. Hause informierte, dass der Salzlandkreis bereit sei, sich über die Erbringung einer vergleichbaren Dienstleistung im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit mit Calbe zu beraten. Diese wäre auf der Basis einer Verwaltungsvereinbarung rechtlich möglich und unterliege nicht dem Vergaberecht. Neben Kämmerin Burglind Fedtke und CDU/FDP-Fraktionsvorsitzenden Alexander Sieche äußerte sich zum Vorschlag auch Amtsleiterin Isabel Bartels kritisch. "Dazu gibt es keinerlei Erfahrungen. Der Salzlandkreis hat dahingehend keine Referenzen vorzuweisen. Calbe wäre eine Pilotkommune." Ungeachtet dessen werde sie zu diesem Thema das Gespräch mit dem Salzlandkreis führen. "Wenn sich dann die Kitu als wirtschaftlichster Erbringer dieser Leistungen erweisen sollte, geht das doch völlig in Ordnung", so Hause. Zur kommenden Stadtratssitzung am Dienstag, 25. Februar, kommt das Thema erneut auf die Tagesordnung.

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