Familie Schwarz stellt in Biere eine Dynastie. Eine angesehene Bäcker-Dynastie. Walter Schwarz ist kürzlich mit dem diamantenen Meisterbrief ausgezeichnet worden.

Biere l Walter Schwarz, heute 83 Jahre alt, erzählt von einem Gespräch, das zwischen seinem Vater und seinem Lehrer stattgefunden hatte. "Der Lehrer hat vorgeschlagen, dass ich Lehrer werden soll", erinnert der Bierer. Der Vater habe ihm die Entscheidung jedoch freigestellt. ",Nee, ich will Bäcker werden`, habe ich zu meinem Vater gesagt", meint er. An seinem Berufswunsch habe Walter Schwarz nie Zweifel aufkommen lassen.

Gesagt, getan. Und Walter Schwarz hat sein Ziel ehrgeizig verfolgt: 1945 hat er seine Bäckerlehre begonnen, 1948 seine Gesellenprüfung abgelegt. "1953 habe ich die Meisterprüfung absolviert. Da war ich 23 Jahre alt und einer der jüngsten Meister hier", sagt er schmunzelnd. 1956 hat er den elterlichen Betrieb übernommen.

Doch damit der Verantwortung nicht genug: 1973 ist Walter Schwarz zum Obermeister der Innung berufen sowie zum ersten Vorsitzenden der Bäcker, Müller und Konditoren der Einkaufs- und Liefer-Genossenschaft und zum Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft gewählt worden. Von 1979 an war er zehn Jahre im Beirat der Betriebsakademie für die Meisterprüfungen zuständig. Vom Gesellen bis zum Meister - Walter Schwarz nahm vielen von ihnen die Prüfung ab. Wie viele es insgesamt waren, kann er gar nicht sagen. "Viele...", sagt er und winkt ab.

2010 ist er zum Ehren- obermeister der Bäckerinnung Schönebeck ernannt worden. "Ich habe gesagt, wenn ich 80 bin, scheide ich aus", erklärt er.

Walter Schwarz hat viel Verantwortung übernommen - und das jederzeit gern. "Es war für mich eine innere Berufung, ich wollte ja vorankommen", erzählt der Bierer. Er sei gern ehrenamtlich tätig gewesen. "Ehrlich gesagt: Ich habe es gerne gemacht", betont er. Zumal auch sein Umfeld gepasst habe. Mit seiner Frau - sie haben 1954 geheiratet, haben einen Sohn und eine Tochter - hatte er immer "eine Ringsumstürmerin" an seiner Seite, sagt er, dankbar für ihre Unterstützung.

"Ein Bäcker, der gutes Brot hat, wird auch die andere Ware los"

Die Bäcker der Familie Schwarz sind aus der Geschichte von Biere und Umgebung nicht mehr wegzudenken. Sein Großvater hatte 60 Jahre lang den Betrieb geleitet, sein Vater 30 Jahre, er 30 Jahre, nun ist sein Sohn an der Reihe und der Enkel ist auch schon dabei, sagt Walter Schwarz nicht ohne Stolz.

An einem Ausspruch von seinem Vater erinnert er sich noch gut: "Ein Bäcker, der gutes Brot hat, wird auch seine anderen Waren los." Das Rezept für ihr Brot haben sie von seinem Vater übernommen ... Und das Brot nach diesem Rezept mögen sie immer noch am liebsten.

"Zu Spitzenzeiten haben wir täglich 300 Brote gebacken", sagt Walter Schwarz. Der Haken an der damaligen Zeit sei gewesen, dass das Brot "kein Geld gekostet hat und deshalb oft und viel verfüttert wurde". Walter Schwarz hatte in seiner Bäckerei immer gut zu tun. "Zu Ostern fertigten wir manchmal 200 Torten..."

Und was bei so viel Engagement im und für das Bäckerhandwerk verwundert: Trotz Beruf und Ehrenamt hat er sich Zeit für ein Hobby genommen. Seit 1954 war er im Geflügelverein. Im großen Garten hat er Hampshire-Hühner gezüchtet. Nun ist er Ehrenmitglied dort.

Doch die arbeitsintensive Zeit ist nun vorbei. Plötzlich Ruhe - fehlt da nicht etwas? "Ich musste mich schon auf diese Zeit vorbereiten, es langsam ausklingen lassen", gesteht der heute 83-Jährige.

Einen anderen Beruf, nein, den konnte und wollte er sich zu keiner Zeit vorstellen. "Dazu bin ich viel zu sehr mit dem Bäckerhandwerk verwurzelt", betont Walter Schwarz.