Klassisch ist die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Frohse nicht gewesen. Vielmehr stand bei der jährlichen Zusammenkunft der Wechsel an der Führungsspitze im Mittelpunkt. Ralf Zimmermann gibt nach zwölf Jahren sein Amt weiter. Ein emotionaler Abschied.

Frohse l Die Worte kommen Ralf Zimmermann schwer über die Lippen. In seinem Jahresbericht ist er an dem Punkt angekommen, an dem es um die Neuwahlen geht. Vor einem Jahr hatte der 61-Jährige bereits angekündigt, nicht mehr zu kandidieren. Nun wurden Michael Pohle zum Wehrleiter und Mario Huber zu dessen Stellvertreter gewählt. Anfang März werden sie im Stadtrat vereidigt. Dann wird Ralf Zimmermann in die zweite Reihe zurücktreten. "Ich bin mit der Jahrhundertflut 2002 gekommen und gehe mit der Flutauswertung 2014", sagt Ralf Zimmermann. Immer wieder gerät der redegewandte und souveräne Mann ins Stocken. Auch wenn der Tag der Jahreshauptversammlung noch nicht sein letzter Tag als Wehrleiter ist, so ist es doch seine letzte Bilanzrede in diesem Amt.

"Unser Förderverein stellte spontan ein Notstromaggregat zur Verfügung."

Das wissen die Kameraden und Gäste. Ihnen entgeht nicht die Emotionalität. Als Grund für seinen Rückzug gibt Zimmermann, der seit 48 Jahren zu den Kameraden in Frohse gehört, n seiner gewohnten Art an: "Ich hatte keine Lust mehr, immer eine Begründung zur Begründung abzuliefern zu müssen." Zimmermann meint die Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Hintergrund ist das Problem der Ausstattung seiner Wehr. "Nicht befriedigen kann mich die Ersatzbeschaffung von Kaffeemaschinen, Pumpkannen, Handy oder Strickjacke", sagt Zimmermann in Bezug auf den Hochwassereinsatz 2013 - der bei den Frohser Kameraden mit 1000 Einsatzstunden zu Buche schlägt. Denn es gibt auch preisintensivere Notwendigkeiten, die ebenso auf der Wunschliste stehen. Genannt seien Ladeerhaltungseinrichtung oder ein Notstromaggregat. "Hier handelte unser Förderverein spontan und stellte uns ein Aggregat zur Verfügung", erinnert Zimmermann an die tragischen Tage im Juni 2013. Hinsichtlich des letzten Punktes setzt Oberbürgermeister Bert Knoblauch in seinem Grußwort an. "Ich versuche, alle acht Ortswehren zufrieden zu stellen, euch kann ich sagen, dass ein Notstromaggregat im Haushalt steht."

In den weiteren Grußworten nutzten die Redenden die Gelegenheit, um ihren persönlichen Dank an ihren Ralf auszusprechen. Das waren Helmut Backhaus von der Alters- und Ehrenabteilung, Jürgen Nebauer vom Feuerwehr-Förderverein genauso wie Heiko Pillat von der Bürgergilde, Kameraden der Partnerwehr in Heitlingen sowie Torsten Pillat und Gunnar Schellenberger. "Du hast 12 Jahre gekämpft, Respekt dafür", sagt Abschnittsleiter Uwe Tandler. Der Kollege wünscht sich, dass Zimmermann weiterhin aktiv bleibt, denn: "Einmal Feuerwehr, immer Feuerwehr".

"Wir hatten zwei Kannen."

Neben Blumen, Briefumschlägen und Sekt, die Zimmermann als kleine Aufmerksamkeit überreicht bekam, gab es auch ein Geschenk für die Feuerwehr. Wie es der Zufall so wollte, übergab Johannes Schulz, Pfarrer i.R., mit seiner Frau Agnes eine Kaffeemaschine - als Ersatz für die im Hochwasser kaputtgegangene. An dieser Stelle war Ralf Zimmermann spätestens wieder zu seiner normalen Verfassung gelangt, als er sagte: "Wir hatten zwei Kannen." Die Lacher hatte er auf seiner Seite - eine zweite Kanne hatte aber keiner zufällig dabei. Was nicht ist, kann ja noch werden.

Die Feuerwehr Frohse wurde 2013 zu 24 Einsätzen gerufen. Das Einsatzgeschehen setzt sich aus 15 Bränden, sechs Fehlalarmen, einer Hilfeleistung bei Öl im Solgraben, dem Hochwasser , einer Übung und der Absicherung beim Sachsen-Anhalt-Tag zusammen.

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