Einen Tag der offenen Tür hat das Ausbildungsunternehmen Die Schule IFBE gemeinnützige GmbH mit Sitz im IGZ Inno Life im Kurpark von Bad Salzelmen am Sonnabend ausgerichtet. Ausgebildet werden hier Physiotherapeuten und Masseure. Die Schüler kommen aus dem Großraum Magdeburg, aber auch aus Niedersachsen und Sachsen.

Schönebeck l Mit leichter Hand hat Martin Thielecke aus vier Hulahoop-Reifen ein leider ebenso leichtes Gebilde zusammengebaut. Wer hindurchkriecht, darf es nicht berühren, nicht einmal antippen, sonst fällt es in sich zusammen. "Eine gute Übung für viele Muskeln", versichert der junge Mann im roten T-Shirt. Lara Wonneberger hat sich extra ein bisschen frei gemacht oben herum, doch sie scheitert auch ohne Jacke wiederholt beim Versuch, das wacklige Konstrukt halb robbend, halb kriechend zu durchqueren.

Die Schule unterhält 30 Standorte in Deutschland

Lara wird demnächst 15 und die Frage, was sie später einmal beruflich machen will, ist längst aktuell. Vielleicht Physiotherapeutin. Diesen Weg hat Martin Thielecke bereits eingeschlagen. Seit einem dreiviertel Jahr lernt er in Bad Salzelmen den Beruf eines Physiotherapeuten. Bildungsträger ist - Achtung, langer Name: Die Schule für Berufe mit Zukunft IFBE Bildungszentrum gemeinnützige GmbH. Deutschlandweit gibt es 30 Standorte dieses Unternehmens, erfahren die Gäste des Infotages an diesem Sonnabend. Ausgebildet werden Gesundheits- und Erzieherberufe. "Wir bilden in Schönebeck die Gesundheitsberufe Physiotherapeut sowie Masseur/ medizinischer Bademeister aus", erklärt Standortleiterin Carola Müller den Gästen.

Vorwiegend sind es Schülerinnen und Schüler, die heute gemeinsam mit ihren Eltern gekommen sind. Etwa aus der Altmark, so wie Lara Wonneberger. Ihre ersten Eindrücke vor Ort bestärken sie in dem Ziel, eine Ausbildung in Schönebeck zu beginnen. Und wenn es nichts wird, welche Alternative gibt es dann? "Dann versuche ich es bei der Bundeswehr", sagt das Mädchen lächelnd.

Derweil übt Martin Thielecke mit York Gabka das Gehen an Krücken. Kann jeder? Irgendwie schon. Aber nicht jeder weiß, was ein Dreitaktgang oder ein Viertaktgang ist. Thielecke weiß es. York Gabka wird es auch bald ganz genau wissen, denn der medizinische Bademeister aus der Nähe von Wolfsburg beginnt im September in Schönebeck eine Fortbildung, beziehungsweise Nachqualifizierung zum Physiotherapeuten. Dann will er sich für ein Jahr ein Zimmer in der Elbestadt nehmen, um nicht täglich hin und her fahren zu müssen.

"Zum Lernen ist die Deutsche Bahn echt gut."

Martin Thielecke

"Wenn Sie mal aus dem Fenster sehen", sagt Carola Müller zu den Besuchern, "sehen Sie dort hinten Häuser, in denen viele unserer Schüler wohnen." Denn die kommen aus dem Großraum Magdeburg, aber auch aus Niedersachsen. Andere lassen sich das Pendeln gern gefallen, wie etwa Martin Thielecke, der in Wegenstedt im Bördekreis wohnt. "Beim Zugfahren habe ich Zeit zum Lernen. Dafür ist die Deutsche Bahn echt gut", sagt er. Im noch laufenden ersten Jahr der Ausbildung hat er schon so viel gelernt, dass er bereits sein Wissen weitergeben kann. Fasziniert ist er, wie er berichtet, von einer 60-jährigen Dozentin, die sich, einen Besenstiel auf dem Kopf balancierend, graziös auf den Bauch legen und wieder aufstehen kann. Thielecke versucht es heute auch. Und es funktioniert. Fast.

"Also, Physiotherapeutin wollte ich schon immer werden. Ich habe mir mehrere Schulen angesehen. Die hier hat den besten Eindruck auf mich gemacht", versichert Viviane Knauer. Auch die junge Frau aus Pömmelte steckt im ersten Ausbildungsjahr. Und was ist in Schönebeck besser als anderswo? "Hier ist es sehr familiär", sagt sie.

Das empfindet Standortleiterin Carola Müller ähnlich. "Wir kennen alle unsere Schüler mit Namen", lässt sie wissen und wird auch gleich einer Probe unterzogen. Wie denn die Schüler heißen, die bei der Zimmersuche helfen können, will eine Mutter wissen. Sie bekommt die Namen prompt genannt.

"Wer sich bei uns bewirbt, muss bereit sein, Menschen anzufassen."

Carola Müller

Zwei Räume weiter bieten Auszubildende selbstgebackenen Kuchen und Kaffee an. Eine Offerte, die mindestens so intensiv genutzt wird wie das Angebot einer kostenfreien Massage im Nebenraum.

Carola Müller macht aber auch unverblümt auf den Alltag eines Physiotherapeuten oder Masseurs aufmerksam. "Wer sich bei uns bewirbt, muss bereit sein, Menschen anzufassen und angefasst zu werden. Das heißt, ich muss die Menschen so akzeptieren, wie sie sind. Die Welt ist nicht so, wie sie uns die Werbung vorgaukelt: immer jung und schön."

Interessant für die Gäste zu erfahren ist auch, dass die Schüler des ersten Lehrjahres im Haus im IGZ Inno Life unterrichtet werden. Erste therapeutische Versuche werden aneinander ausprobiert. "Da merkt man dann gleich, wenn man etwas nicht so korrekt ausführt", weist die Chefin auf den unleugbaren Vorteil hin. Im zweiten Ausbildungsjahr folgen Praktikas in medizinischen Einrichtungen in der gesamten Region. "Deshalb müssen wir von unseren Schülern Flexibilität verlangen", macht Carola Müller aufmerksam. Das Praktikum vor der Haustür gebe es nicht.

Da die Schule keine staatliche Einrichtung ist, werden pro Monat 120 Euro Schulgeld fällig. Die weiteren Kosten, etwa für Literatur, seien aber eher gering. Fachbücher könnten ausgeliehen werden, allenfalls sei das Anschaffen eines medizinischen Wörterbuches ratsam. Eigene Fachbücher über Anatomie und Physiologie seien ebenso empfehlenswert. Ausbildungsbeginn ist im September. Wer Physiotherapeut werden möchte, braucht einen Realschulabschluss, für den Beruf Masseur ist zumindest ein Hauptschulabschluss nötig. Und wann ist Bewerbungsschluss? "Meines Wissens gibt es so etwas in keiner Branche mehr. Es gibt einfach überall zu wenig Schüler", sagt Carola Müller. Da wird die Bundeswehr wohl lange auf Lara warten können ...