Die Gefahr ist nicht immanent, aber die Möglichkeit besteht, dass es im neuen Baugebiet Am Stadtfeld zu Vernässungen kommen könnte. Der Stadtrat will, dass die Stadt künftige Bauherren deutlicher darauf hinweist.

Schönebeck l Am Stadtfeld zwischen Friedrichstraße und Schwimmhalle sollen Wohnhäuser und Straßen entstehen. Der Bebauungsplan dafür steht. Der Stadtrat sollte auch die zugehörige Satzung beschließen. Doch die Räte tun sich schwer mit zwei Formulierungen. Dort ist im Amtsdeutsch ausgedrückt, dass es bei starken Niederschlägen zu oberflächlichen Vernässungen kommen könnte. Das wollen die Bürgervertreter nicht ohne Weiteres hinnehmen. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass laut Plan ein Teil des Oberflächenwassers in Mulden versickert werden kann. In einer ersten Runde im Stadtrat scheiterte die Vorlage, die als Satzung Rechtsgrundlage werden soll, und wurde in den Bauausschuss zurückverwiesen.

"Gerade weil wir das alles kennen, ist größere Vorsicht geboten."

Hier nimmt man die Frage nach möglichem Wasser sehr ernst. "Wir müssen künftige Bauherren auf diese Probleme hinweisen und sie so schützen", sagt Udo Simon (Die Linke) und zieht Parallelen zur Dr.-Tolberg-Straße. Hier sei es möglicherweise auch durch Bauarbeiten zu Vernässungen gekommen. "Gerade weil wir das alles kennen, ist größere Vorsicht geboten", sagt der Rat. Er fordert, dass es einen speziellen Hinweis in der Satzung geben solle.

Bauausschussvorsitzender Michael Schulz (CDU) hält dagegen, dass alles bereits - wenn auch technisch ausgedrückt - im Plan stehe. Wenn Bauanträge gestellt werden, müsste man gezielt mit Bauherren über ihre Fläche sprechen. Einem von Udo Simon gewünschten Zusatz mit einem speziellen Hinweis auf mögliche Vernässung verschließt er sich allerdings nicht.

Die Stadtverwaltung argumentiert ähnlich wie Michael Schulz. Baudezernent Guido Schmidt stellt im Volksstimme-Gespräch aller Diskussion vorweg: "Wir bauen nicht auf der grünen Wiese, sondern mitten in der Stadt, das Gebiet wird entwässert." Grundsätzlich sei Versickerung deshalb möglich. Dennoch, so schränkt er ein, müsse man sich für die künftige Bebauung genaue Gedanken darüber machen, wie Oberflächenwasser in den verschiedenen Bereichen abgeführt werden könne. Das hat mit der Versiegelung genauso zu tun wie mit unterschiedlich Wasser aufnehmenden Bodenschichten. Problem ist: Ein erheblicher Teil von Niederschlägen geht in das Kanalsystem. Aber eben nicht alles. Für den Fall, dass viel Regen anfällt, muss es Alternativen geben. Die Versickerung sei eine. Das Führen des Wassers auf eine Retentionsfläche - ebenso geplant - eine andere.

Der Bauherr, so Guido Schmidt, müsse sich selbst aber auch einbringen und über seine Fläche informieren. Der Bebauungsplan gebe dafür die Parameter vor.

Der Bauausschuss will es konkreter. Es gab erbitterte Diskussionen um einen allgemeingültigen Zusatz als Hinweis auf die mögliche Vernässung. Dass eine solche Passage in die Satzung kommt, sei unüblich, hieß es aus der Verwaltung. "Über das alles ist eigentlich zu sprechen, wenn es ein spezielles Erschließungskonzept für ein oder mehrere Flächen gibt", sagt Guido Schmidt. Dann könnten die Bauherren sich individuell entscheiden, welche technischen Voraussetzungen sie in Bezug auf die Niederschlagswasserbeseitigung wählen, um bauen zu können. Dennoch, so der Dezernent, wolle man dem Wunsch der Politik entsprechen. Mit dem Hinweis, auf mögliche Vernässungsgefahr soll die Satzung zum Bebauungsplan "Am Stadtfeld" am 27. März im Stadtrat beschlossen werden.