Wer im Salzlandkreis auf den Krankenwagen wartet, weiß meist gar nicht, welcher Aufwand sich hinter der schnellen Hilfe verbirgt. Ehemalige Ärzte und Verwaltungsmitarbeiter des Schönebecker Klinikums informierten sich jetzt bei Ambulanz Mobile über die Thematik.

Schönebeck l Viele Ärzte machen sich in der Regel keine Gedanken, wie die Patienten zu ihnen gelangen. Zu dieser Einschätzung kam der Chefarzt der Intensivmedizin und Anästhesie der Ameos-Klinik Schönebeck, Dr. Thomas Birkigt, bei einem Treffen von ehemaligen Chefärzten und Mitarbeitern des Klinikums. In unregelmäßigen Abständen trifft sich eine Gruppe von rund zehn Ärzten und Verwaltungsmitarbeitern, um sich auf dem neuesten Stand zu halten. Dieses Mal ging es zu Ambulanz-Mobile, wo Dr. Thomas Birkigt einen Vortrag über die Rettungsdienste im Salzlandkreis hielt. Anschließend besichtigte die Gruppe die Fertigungshalle.

"Zeitspanne von zwölf Minuten ist schwierig einzuhalten."

Thomas Birkigt

"Bei der Fusionierung des Landkreises wurden im Jahr 2007 aus drei Leitstellen eine gemacht, die in Staßfurt sitzt", sagte Birkigt. Über 1426 Quadratkilometer erstreckt sich der Salzlandkreis. Eine Herausforderung für die Rettungsdienste, müssen sie doch das Eintreffen am Unfallort innerhalb einer Zeitspanne von zwölf Minuten einhalten. "Das ist bei extrem ländlichen Gebieten kaum leistbar", so Thomas Birkigt.

Die Notarztwachen liegen mit je einem Fahrzeug in Aschersleben, Atzendorf, Bernburg, Calbe und Schönebeck. Diese fünf Fahrzeuge werden durch insgesamt 22 Rettungstransportwagen, beim Bürger eher als Krankenwagen bekannt, ergänzt. Dabei ist die Verteilung im Salzlandkreis breiter gefächert, als bei den Notarztwagen (siehe Grafik).

Die Konzessionen für die Vorhaltung der Krankenwagen wurden zum 1. Januar 2014 für ein Jahr vergeben. Sie rechnen die erbrachten Leistungen direkt mit den Krankenkassen ab. Diese Regelung ist mit dem Inkrafttreten des neuen Rettungsdienstgesetzes im Jahr 2013 notwenig geworden.

Dabei spielt beim Transport von Kranken heute die Spezialisierung der Kliniken eine größere Rolle als noch vor einigen Jahren. "Früher wurden nur die Herzinfarktpatienten, bei denen man eine Störung im EKG hören konnte, zur Spezialbehandlung gebracht", sagte Dr. Thomas Birkigt. Heute kommen die Infarktpatienten mit Schmerzen zum Spezialisten.

"Ein Krankenwagen kostet fast so viel wie ein ganzes Haus. "Je nach Ausstattung kostet nur der Wagen zwischen 140000 und 180000 Euro", sagt der zweite Geschäftsführer von Ambulanz-Mobile, Karsten Albrecht. Mit Ausstattung kommt man über 200000 Euro.

Die Zukunft hält eine immer bessere Technik der "Mini-Krankenhäuser auf Rädern" bereit. So schwärmt Karsten Albrecht davon, dass die künftigen Rettungswagen den Weg in die nächste Spezialklinik mit der Diagnose des Notarztes navigieren können. Außerdem könnte es möglich sein, dass bei einem Stau die wartenden Autos mittels Radio die Nachricht bekommen, eine Rettungsgasse zu bilden.

Der Marktführer im Bereich der Ambulanz-Technik arbeitet seit Jahren eng mit dem Schönebecker Klinikum zusammen. In beiden Branchen lässt sich feststellen: Es fehlt an Nachwuchs. "Der Bedarf an Notfallmedizinern ist groß, durch die lange Ausbildung gibt es kaum Nachwuchs", so Thomas Birkigt.