Das Hochwasser der Flüsse im Salzlandkreis spitzt sich dramatisch zu. Vor allem Bode, Saale und Elbe führen mehr Wasser mit, als noch vor einigen Tagen prognostiziert. An der Saale bestand gestern Abend noch Alarmstufe 3. Am Pegel Barby fehlen noch 30 Zentimeter, dann wird auch dort Alarmstufe 3 ausgerufen.

Salzlandkreis. Das Hochwasser entlang der Bode ist im gestrigen Tagesverlauf weiter gestiegen. Gegen Abend war in Staßfurt ein Pegelstand von 2,88 Meter zu verzeichnen. Während die Computerstimme der Pegelstands-Hotline die Tendenz "gleichbleibend" prognostizierte, weiß Rainer Busse vom Staßfurter Stadtpflegebetrieb, dass der Scheitelpunkt vermutlich im heutigen Tagesverlauf erwartet werde. In Wegeleben sei bereits gestern Abend der Pegel gesunken, so Busse. Dennoch könne die Bode bei Staßfurt noch auf 2,90 Meter steigen und somit die dritte Alarmstufe erreichen. Dies sei allerdings kein Grund zur Panik, meint Busse. "Wir sind gut vorbereitet. Rund 2000 gefüllte Sandsäcke stehen zum Einsatz bereit." Erste Maßnahmen zum Hochwasserschutz wurden bereits eingeleitet. So wird die Bahnunterführung in der Wassertorstraße alle sechs Stunden abgepumpt, Dämme werden verstärkt kontrolliert und überflutete Gebiete und Straßen wie der Grenzstraße und der Horst wurden abgesperrt. Löderburg haben die Verantwortlichen ganz besonders im Blick. Erfahrungswerte der vergangenen Jahre zeigen, dass im Bereich Drachenschwanz noch eher als andernorts Maßnahmen nötig werden. Eine Gefahrensituation bestünde allerdings noch nicht, so Busse. "Die Situation ist in Staßfurt noch überschaubar."

Ganz so optimistisch sieht Peter Rasdorf vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Magdeburg die Situation allerdings nicht. "Die Pegelstände mögen zwar kurzzeitig sinken, die vorhergesagten Regenfälle und das anhaltende Tauwetter ließen jedoch nicht auf eine längerfristige Entspannung der Situation schließen", so der Fachmann. Er vermutet, dass der Pegel "noch ein ganzes Stück" steigen wird.

Für die Saale in Calbe gilt seit dem Montagabend die Alarmstufe 3. Ein Krisenstab kommt zweimal täglich zur Lagebesprechung im Rathaus zusammen, das nun wie die Deichwachtbüros in Schwarz und Trabitz rund um die Uhr besetzt und erreichbar ist (Telefon: 03 92 91/5 63). "Die Lage wird kritisch, doch noch haben wir alles unter Kontrolle", sagt Bürgermeister Dieter Tischmeyer. Teilweise haben Bürger in Tippelskirchen oder Gottesgnaden ihre Häuser bereits verlassen. Das Pumpwerk in der Deichstraße befördert nach Angaben des Abwasserzweckverbandes "Saalemündung" jetzt pro Tag rund 12 000 Kubikmeter Drängwasser aus dem Calbenser Stadtgebiet. Der Scheitel soll nach Prognosen des Landesbetriebs für Hochwasserschutz (LHW) heute erreicht werden und unter der Neun-Meter-Marke bleiben. "Wir suchen dringend weiter Freiwillige, die mit Sandsäcke füllen", sagt Ordnungsamtsleiter Rainer Schulze.

Auch in Tornitz Friedensstraße 23 a (Telefon 03 92 98 /33 66) und Klein Rosenburg (ehemaliges Feuerwehrdepot, 03 92 94/2 04 33) wurden Deichwachtbüros eingerichtet, die rund um die Uhr besetzt sind. Dort werden die Deichwachen koordiniert. Sie sind auf sensiblen Abschnitten unterwegs. Dazu zählt ein Damm zwischen Tornitz und Werkleitz, auf dem der Wasserdruck besonders hoch ist. "Für die Kontrollen der Deiche werden zusätzliche Kräfte benötigt", sagt Barbys Vize-Bürgermeisterin Karin Knopf. Die Verantwortung dafür ist aus personellen Engpässen nach Calbe übertragen worden.

<6>Freiwillige Helfer können sich direkt telefonisch oder persönlich an vorgenannte Deichwachbüros wenden oder an die Verwaltung der Stadt Barby, Telefon (03 92 98/67 20 oder 6 82 24).

<7>Für die Elbe betrug der Pegel Barby gestern Abend 5,63 Meter; für Sonntag sind 5,85 Meter prognostiziert. Aus diesem Grund werden auch die Vorbeitungen getroffen, dass das Pretziener Wehr gezogen wird. Magische Marke ist 5,92 Meter. "Wenn dieser Wert vorausgesagt wird, dann ziehen wir, wenn der Pegel Barby 5,50 Meter hat", klärte gestern Christian Jung, Flussbereichsleiter im Landesbetrieb Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. Doch derzeit darf das Wehr auch noch nicht gezogen werden. Der Grund: Bei Magdeburg finden noch auf einer Länge von rund einem Kilometer Deichsanierungsarbeiten statt, die morgen abgeschlossen sein werden.

Die Vorbereitungen im Rahmen eines möglichen Hochwasserschutzes in der Stadt Schönebeck laufen indessen auf Hochtouren. Dazu tritt täglich in der Verwaltung eine entsprechende Arbeitsgruppe zusammen. Dabei geht es unter anderem um die Bereitstellung von Deichwachen und weitere einsatzvorbereitende Maßnahmen. So hat sich auch die Wasserwehr für mögliches Hochwasser ab einer Alarmstufe 3 gewappnet. Zum Beispiel würden ab einem Barbyer Pegelstand von 5,90 Meter die mobilen Hochwasserschutzwände am Elbufer zum Einsatz kommen. Derzeit gilt für den Elbebereich noch die Alarmstufe 2.

   

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