Calbe l Neben ständiger Müdigkeit ist es vor allem Überdruss, der sich mittlerweile bei Calbes Kameraden breitmacht. Es ist kein Überdruss wegen der unzähligen Brände, zu denen sie seit einem dreiviertel Jahr ausrücken müssen. Das ist ihre Aufgabe, die sie ehrenamtlich und mit viel Herzblut für die Allgemeinheit leisten. Vielmehr ist es der Überdruss darüber, dass der Großteil der Einsätze auf das Konto eines oder mehrerer Feuerteufel geht. "Die Nächte, in denen man ruhig durchschlafen kann, sind selten geworden", sagt Ortswehrleiter Uwe Wirth (60).

Bewohner müssen nachts auf Balkone ausweichen

So auch in der Nacht zu Freitag, als kurz nach 1 Uhr wieder der Alarm ausgelöst wurde. Nur wenige Minuten später waren 23 Kameraden mit vier Fahrzeugen sowie Polizeibeamte zur Stelle. Im Keller des Wohnblocks in der Eisenwerkstraße 20 breiteten sich Qualm und Flammen aus. Der Feuerteufel wollte anscheinend nichts dem Zufall überlassen: Die Feuerwehr stellte zwei Stellen im Keller fest, wo gelagerter Müll in Brand gesteckt wurde. "Für die Bewohner bestand keine Gefahr", sagt Uwe Wirth. Sie wurden aufgefordert, den Wohnraum zu verlassen und auf ihren Balkonen zu warten.

CWG-Geschäftsführerin Kornelia Eichel war noch in der Nacht vor Ort. Durch den Brand wurde die Strom- und Wasserversorgung des Wohnhauses beschädigt. Das Feuer hat auch an der Heizungsanlage seine Spuren hinterlassen. Der Rauch hat das gesamte Treppenhaus verrußt. Wie hoch der Sachschaden beziffert werden muss, kann Eichel noch nicht sagen. "Das muss erst der Gutachter in Augenschein nehmen."

Doch in der Neuen Wohnstadt sollte es in dieser Nacht noch schlimmer kommen. Nur eine halbe Stunde nach der ersten Alarmierung schrillten die Pieper erneut.

300 Meter Luftlinie zu weiterem Brand in Neuer Wohnstadt

Ein geparktes Auto in der Martin-Andersen-Nexö-Straße ging in Flammen auf. Die Kameraden aus Schwarz mussten mit ihrem Tanklöschfahrzeug nachgeordert werden. Zwar löschten sie schnell die Flammen, doch der Daimler brannte komplett aus, zurück blieb lediglich ein Stahlskelett.

"Ob es einen Zusammenhang zwischen den Bränden gibt, ist bisher nicht nachgewiesen", sagt Polizeisprecher Marco Kopitz gegenüber der Volksstimme. Die Beamten ermitteln in beiden Fällen wegen Brandstiftung und geraten zunehmend unter Druck. Bei elf Bränden allein in diesem Jahr wird Brandstiftung vermutet. Die Unbekannten scheinen sich dabei auf die Gebiete rund um die Große Mühlenbreite oder die Neue Wohnstadt mit Barbyer Straße zu konzentrieren. "Die Polizei kümmert sich um das Problem" sagt Kopitz, der aus Gründen des weiteren Vorgehens keine weiteren Angaben machen möchte.

Doch vor allem die Bewohner der Neuen Wohnstadt sind zunehmend besorgt um ihre Sicherheit. "Bis auf Sachschäden ist bislang niemanden etwas passiert", sagt beispielsweise Julia Lüdersdorf. Die Anwohnerin der Eisenwerkstraße formuliert, was viele hoffen: "Es wäre schön, wenn der Brandstifter bald gefasst werden würde."