Die Hauptwanderzeit von Fröschen, Kröten, Molchen und anderen Amphibien hat begonnen. Sie verlassen ihre Winterquartiere und kehren an die Orte zurück, an denen sie selbst als Kaulquappe ihr Leben begannen. Dank der "Krötentaxis" schaffen sie es auch unversehrt über befahrene Straßen.

Schönebeck l "Hier, ich habe wieder einen gefunden", ruft Erik Kindlein ganz aufgeregt. Der Zehnjährige ist einer von vielen Kindern und Jugendlichen, die am vergangenen Wochenende an der Kreisstraße nach Ranies "Krötentaxi" fuhren. Einen Braunen Moorfrosch hat er entdeckt. Vorsichtig nimmt er ihn aus dem in die Erde eingelassenen Eimer.

Viele solcher Eimer sind zu kontrollieren. Sie sind entlang an der Straße an Amphibienschutzzäunen eingelassen. Die Naturschutzbehörde des Salzlandkreises hat die Zäune bereits in den letzten Wochen aufgebaut und die Nabu-Ortsgruppe Schönebeck hat Freiwillige aufgerufen, die Zäune abzusuchen und die Amphibien in sichere Gefilde zu befördern.

Diese Hilfe ist dringend notwendig. Denn nachdem die Tiere den Winter in Wald oder Garten in frostsicheren Verstecken zugebracht haben, ziehen Kröten, Frösche und andere Amphibien bei feuchtwarmer Witterung nun wieder zu ihren Geburtsgewässern, um abzulaichen. Uralte Instinkte sind dafür verantwortlich, dass die Tiere ohne Rücksicht auf Verluste immer wieder die Gewässer aufsuchen, in denen sie ihr Leben als Kaulquappen begannen. Dort, wo alte Amphibienwanderwege auf neue Straßen treffen, werden alljährlich unzählige Tiere überfahren.

Vor diesem Schicksal wurden am vergangenen Wochenende 65 Tiere an der Kreisstraße nach Ranies bewahrt. Jeweils Sonnabend und Sonntag waren mehr als 30 Kinder, Jugendliche, Eltern und Großeltern vor Ort, um dem Aufruf des Nabu zu folgen und "Krötentaxi" zu fahren. Es war natürlich vor allem für die Kinder ein Riesen-Spaß.

Am Sonnabend fanden die kleinen Helfer 26 Moorfrösche, drei Teichfrösche, sieben Erdkröten und neun Teichmolche. Am Sonntag wurden zwölf Moorfrösche, ein Teichfrosch, vier Teichmolche, zwei Kammmolche und eine Rotbauchunke übergesetzt.

Erik war an beiden Tagen dabei. "Ich wollte einfach helfen", sagt er. "Damit die Frösche ein schönes Leben haben. Am coolsten fand ich die Rotbauchunke und die Kammmolche. Die hatte ich bisher nur in Büchern gesehen."

Ein "alter Hase" in Sachen Krötentaxi ist die zehnjährige Sarah Lee. Sie war schon zum dritten Mal dabei. "Ich möchte den Fröschen einfach helfen, sicher über die Straße zu kommen, damit sich nicht überfahren werden", erklärt sie ihr Engagement.

Wer sich ebenso für die Amphibien einsetzen möchte, kann dies wieder am nächsten Wochenende. Dann fahren die Krötentaxis wieder an der Straße nach Ranies. Sonnabend und Sonntag geht es um 9 Uhr in der Früh los.

   

Bilder