Ein Bild wandert durch Deutschland. Entstanden ist es im 18. Jahrhundert. Es zeigt einen Geistlichen, der auf Fehmarn lebte. Ein Dieb hat es geklaut. Dann tauchte es wieder auf. Jetzt ist es sogar restauriert, sieht aus wie neu und geht dorthin zurück, wo es hergekommen ist. Dank der Plötzkyer Restauratorin Anna-Maria Meussling.

Plötzky l Gottes Wege, heißt es in Abwandlung eines Satzes des Propheten Jesaja, sind unergründlich. Und manchmal führen sie auf die Ostseeinsel Fehmarn. Von da aus ging ein Bild auf eine mysteriöse Reise. Nun kehrt es zurück. Eine Geschichte, die alle glücklich macht. Und die im Jahre des Herrn 1771 begann.

Damals malte ein C. Hoffmann den langjährigen Pfarrer der Kirchengemeinde St. Petri Landkirchen. Der Ort liegt auf der Ostseeinsel Fehmarn. Der Portraitierte heißt Lindloff, Joachim Friedrich Lindloff. Er wirkte in der dänischen Zeit der Insel als Geistlicher in der Gemeinde Landkirchen, lebte von 1710 bis 1780, war auf Fehmarn ab 1741 zunächst Diakon, dann Pfarrer. Sogar sein Todestag ist bekannt: der 5. Oktober 1780.

Lindloff studierte im Jahr 1729 in Jena.

Wenn der Mann so gestorben ist, wie er zu Lebzeiten grinste, ging er sicher wohlgemut in Gottes Reich. Kein gestrenger Herr ist auf dem Gemälde zu sehen, sondern - trotz des stets Ehrfurcht gebietenen Talars - ein fröhlicher Herr mittleren Alters. Sein verschmitzter Blick dürfte untypisch sein für die sonst zeitgenössische Darstellung von Respektspersonen. Da steht er und grinst und zeigt mit lockerer Handbewegung auf die Bibel. Ein Pfarrer, wie er seit Generationen wohl zur Wunschvorstellung der Konfirmanden gehört. Bekannt ist auch, das Lindloff um das Jahr 1729 in Jena studiert hat. Ob die Atmosphäre der liberalen Universität Einfluss auf seinen Charakter hatte, kann nur vermutet werden. Immerhin war die Uni zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit bis zu 1800 Studenten die bedeutendste Hochschule in Deutschland.

Lindloffs Konterfei hing knapp zwei Jahrhunderte in der St.-Petri-Kirche von Landkirchen. In den 1970er Jahren muss es ein Dieb dort gestohlen haben. In den Sommermonaten steht die Kirche sowieso offen. Die Gemeinde bemerkte den Verlust erst, als die dänischen Nachkommen von Lindloff ihren fröhlichen Ahnen, beziehungsweise seinem Antlitz einen Besuch abstatten wollten. Da war das Bild weg. Welche Wege es dann nahm, liegt im Dunkeln, die Tat wird wohl auch nie aufgeklärt werden. Die Gemeinde konnte noch nicht einmal zielgerichtet nach ihrem Alt-Pastor fahnden, weil sie kein Foto vom Gemälde besaß.

Unter UV-Licht wurde das Gold in der Schrift sichtbar.

Vor sechs Jahren tauchte das Bild wieder auf. Es ist über die Internet-Plattform Ebay angeboten worden, wobei der Verkäufer mit großer Wahrscheinlichkeit nichts von dem Diebstahl gewusst haben dürfte. Die in Plötzky lebende Restauratorin Anna-Maria Meussling ersteigerte es für 308 Euro aus privatem Interesse, es sollte ein Geschenk für ihren Ehemann Rüdiger Meussling werden. Zu diesem Zeitpunkt war der qualitative Zustand der Leinwand freilich deutlich schlechter, als er es heute ist.

Anna-Maria Meussling stellte das Bild in ihrer Werkstatt erst einmal in die Ecke, bevor sie sich ihm vor einigen Monaten zuwandte. Unter UV-Licht entdeckte sie, dass unter einer Übermalung eine Schrift verborgen war und dass für diese Schrift einst Gold verwendet worden ist. Mit den nun freigelegten Lebensdaten von Lindloff begann sie zu recherchieren.

"Plötzlich hatte ich das Gefühl, mich in einem Krimi zu befinden", sagt sie gegenüber der Volksstimme. Sie fand heraus, dass der Name des Pfarrers im Norddeutschen und im Dänischen häufig auftaucht. "In Hamburg hat man mich an ein Archiv in Lübeck verwiesen. Schließlich stieß ich auf die Gemeinde in Landkirchen", berichtet die Restauratorin. Sie nahm Kontakt mit der Kirchengemeinde auf und eine Antwort kam recht schnell. "Große Freude herrschte hier, als wir Ihre Nachricht in Sachen Lindeloff erhielten", schreibt Walter Meß vom Kirchengemeinderat am 12. Februar dieses Jahres. Er benutzt die Schreibweise "Lindeloff". Weiter heißt es in dem Schreiben: "Nun nimmt diese Geschichte eine positive Wende."

Denn Anna-Maria Meussling hat sich dazu entschieden, das von ihr restaurierte Bild der Gemeinde zurückzugeben. "Wir werden es zu Ostern nach Fehmarn bringen", versichert sie. Und ihr Ehemann, der langjährige, heute im Ruhestand lebende Pfarrer Rüdiger Meussling, hat ein ganz ähnliches Lachen wie das von Pastor Lindhoff im Gesicht, wenn er feststellt: "Das ist doch schön, die freuen sich in Landkirchen ein Bein aus."