Mit vielen Eindrücken ist die Gruppe des Schönebecker Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums von ihrer Studienfahrt aus den USA zurück. In Denver trafen sie die Jüdin Judy Urman.

Schönebeck/Denver l Es war ein Trip, den die 17 Schüler und drei Lehrer nicht so schnell vergessen werden. Inzwischen hat sie der deutsche Schulalltag wieder eingeholt. Aber noch heute, eine Woche nach den Treffen mit der Schönebeckerin Judy Urman (geborene Jutta Lübschütz) sind die Jugendlichen beeindruckt. "Ja klar, die Treffen mit Judy Urman waren das Highlight", berichtet Caroline Lauth, eine der Schülern im Gespräch mit der Volksstimme.

Sie beschreibt Judy Urman und fasst das zusammen, was die anderen Gymnasiasten ähnlich denken: "Judy ist eine unglaubliche Frau. Sie ist uns offen und ehrlich gegenüber getreten und zeigte keine Vorurteile uns Deutschen gegenüber." Das aber wäre aus Sicht der Schüler verständlich gewesen, denn schließlich waren es deutsche Nazis, die im Zweiten Weltkrieg einen Teil der Familie Lübschütz ermordeten.

Das und andere Erlebnisse des Holocausts standen im Mittelpunkt bei den Zusammenkünften, teilweise auch gemeinsam mit den amerikanischen Schülern der High-School. Zunächst entstand ein Interview in deutscher Sprache mit Judy Urman, später wurde eine weitere Runde in Englisch gedreht. Den amerikanischen Schülern war Judy Urman, die inzwischen 86 Jahre alt ist, unbekannt. Sie waren von der Frau, ihren Erlebnissen und ihrem Leben ebenfalls betroffen.

Die Treffen mit der Schönebeckerin Judy Urman im Bundesstaat Colorado wirken noch nach. Rund drei Stunden Rohmaterial sind mit der Videokamera entstanden, die nun gesichtet und bewertet werden. Am Ende soll ein 45-minütiger Film entstehen, mit dem die Schüler eine weitere Geschichte über Judy Urman erzählen wollen. "Wie wir das Projekt und den Film am Ende aufarbeiten, wissen wir noch nicht - ob beispielsweise thematisch oder chronologisch", sagt Lehrerin Romina Altenburg. Fest steht aber bereits: Den Film will die Gruppe im nächsten Jahr für den Judy-Urman-Preis einreichen.

Unglaublich freundlich waren nicht nur die Treffen mit Judy Urman, sondern auch mit den Gastfamilien, bei denen die Deutschen in der einen Woche untergebracht waren. So bekamen die "Hermänner" einen ungetrübten Blick in das amerikanische Familienleben, waren integriert in den Tagesablauf und so ein vollwertiges Familienmitglied.

Ähnlich authentisch ist die Sicht auf das US-amerikanische Schulsystem, das nach Ansicht der Gymnasiasten etwas lockerer ist als das deutsche. "Fünf Stunden Unterricht, aber am Nachmittag müssen sie mehr machen, beispielsweise Hausaufgaben", so Schüler Erik Wagus. Dass sich einige Schüler im Unterricht mit dem Smartphone ablenken, fanden die deutschen Gäste doch sehr eigen. "Ansonsten war es eine klasse Studienfahrt", resümiert Schulleiter Ulrich Plaga. Auch das Rund-um-Programm hat den Jugendlichen gefallen, wie die Wanderung durch die Rocky Mountains, die trotz anderer Meinungen durchaus den Nerv der Schüler traf.

Auf die Frage an die Schülerrunde, wer noch immer E-Mail-Kontakt zu seiner amerikanischen Gastfamilie hat, bleibt keine Hand unten. "Na ja, wir überlegen, ob wir vielleicht die Amerikaner mal nach Schönebeck einladen?", so Romania Altenburg. Erste Ideen gibt es schon - dann gemeinsam mit den High-School-Schülern das Projekt "Auf den Spuren von Judy Urman" zu verwirklichen.

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