Es gibt in nächster Zeit keinen Radweg zwischen Förderstedt und Staßfurt. Das war die Antwort des Ministeriums auf eine Frage der Volksstimme (wir berichteten). Diese Antwort bringt die Radfahrer aus Förderstedt erst recht auf die Palme.

Förderstedt l Jeden Dienstag trifft sich eine Gruppe netter Herren in Förderstedt zum Radfahren. Dieses Mal musste einer von ihnen, Reinhard Uebl, zum Finanzamt, also nach Staßfurt. "Alleine traut sich da keiner hin, über die Landstraße von Förderstedt nach Staßfurt. Deswegen machen wir das zusammen", erklärt Wilfried Krüger, einer der Radfahrfreunde.

Die Rentner haben ständig in Staßfurt zu tun und fahren gern Rad. "Ob eine Schraube im Baumarkt, eine Briefmarke von der Post, zum Arzt, zu den ganzen Behören - alles ist in Staßfurt", erklärt Wilfried Krüger. Gerhard Schnock, der den Protest für den Radweg vor sechs Jahren anschob, sagt auch: "Staßfurt, das ist doch unsere Hauptstadt. Klar wollen wir da auch mit dem Rad hinfahren." Und außerdem: "Wir Rentner müssen doch in Gang bleiben, wir fahren gern Rad", meint Wolfgang Messerschmidt.

Aber Nein, ein Radweg ist nicht in Sicht. So antwortete das Verkehrsministerium Sachsen-Anhalts - für die Landesstraße ist das Land zuständig - der Volksstimme, als es neulich in einem Artikel um den geforderten Radweg ging. Auch die knappen Haushaltsmittel des Landes seien Grund für die Ablehnung.

Diese Antwort kann einfach nicht wahr sein, meinen die Herren aus Förderstedt. "Da wird über Geld geredet und an anderer Stelle wird es zum Fenster herausgeworfen. Die sagen einfach, es sei kein Geld da und die Diskussion ist beendet", sagt Gerhard Schnock energisch. "3000 Einwohner in Förderstedt und kein Radweg. Eine Schande ist das", meint er. Alle anderen Ortsteile von Staßfurt hätten doch einen Radweg. Auch die Radwege nach Biere seien wunderbar befahrbar.

Die Herren kündigen an: "Egal was die Politiker sagen, wir protestieren weiter." Und zwar solange, bis es endlich einen Radweg gibt." Und schon machen sie sich noch einmal auf zum Protest, mit Pauken und Trompeten. Die Schilder von den ersten Demonstrationen haben sie noch. Auf geht es auf die Landstraße nach Staßfurt.

Wenn die Radfahrer auf der Landstraße fahren, wird ihnen mulmig (siehe Fotos). Die schweren Lkw und eine Schlange Autos drängeln hinter ihnen. Zum Überholen ist kein Platz. Wenn ein Radfahrer jetzt das Gleichgewicht verlieren würde - daran wollen die Herren gar nicht denken.

Reinhard Uebl ist erleichtert, dass er den Weg nicht allein zurücklegen muss. Auch hinter dem Hügel hinter Förderstedt und in der Kurve vor dem Steinbruch wird es gefährlich: Setzt hier ein Autofahrer zum Überholen an und kommt noch ein Raser von vorn, ist es zu eng zum Ausweichen.

Manchmal fahren die Radfahrfreunde den Feldweg, "die Marbe", der von Atzendorf auch in Förderstedt abgeht, um nach Staßfurt zu kommen. "Aber die Betonplatten dort sind locker, der Weg ist fast nicht befahrbar. Warum bekommen die Landwirte und Firmen, die den Weg nutzen, es nicht hin, ihn mal auszubessern? Das wäre jedoch eine Leichtigkeit", meint Wolfgang Messerschmidt.

Auf jeden Fall will die Radfahrgruppe weiter Stimmung für den Radweg machen. "Oder soll erst etwas Schlimmes auf der Landstraße passieren, weil kein Radweg da ist?", fragt Reinhard Uebl rhetorisch.

   

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