Der Feuerwehreinsatz in der Neujahrsnacht verleiht dem Thema erhöhter Grundwasserstand eine neue Dimension. In den Gnadauer Anstalten stand im Mai erstmalig Wasser im Keller; seit November wird es rund um die Uhr "im Kreis gepumpt". Ein Ende ist nicht abzusehen.

Gnadau. Wie gestern berichtet, waren drei freiwillige Feuerwehren im Einsatz. Nachdem eine Pumpe ausgefallen war, drohten im Altenheim die Lichter auszugehen. Das Wasser hatte die spannungsführenden Teile der Elektro-Hauptverteilung noch nicht erreicht, wohl aber die Notstromanlage außer Betrieb gesetzt.

Allee-Graben gibt es nicht mehr

"Wir pumpen das Wasser aus drei Kellern, deren Fußböden in unterschiedlicher Höhe liegen", erklärt Verwaltungschef Harald Meyer. Die Räume erinnern an die Musterausstellung eines Baumarktes: Mehrere Tauchpumpen unterschiedlicher Bauart halten den Wasserspiegel auf einem bestimmten Niveau. Dass man halbwegs trockenen Fußes durch die Räume gehen kann, ist lange vorbei. Trotz aller Pumpen bleibt ein bestimmter "Restwasserstand" erhalten. "Wir pumpen das Wasser nur im Kreis", winkt Harald Meyer ab. Es wird in das alte Regenentwässerungssystem geleitet und versickert auf den Flächen der ehemaligen Gärtnerei. Man braucht kein Hydro-Experte zu sein, um zu wissen, dass Harald Meyer mit seiner Vermutung recht hat: Was man aus den Kellern herauspumpt läuft nach kurzer Zeit wieder hinein. Das kostet nicht nur Stromgeld, sondern schädigt auch die Gebäude. Abhilfe würde nur ein Vorflutgraben in der Nähe schaffen. Doch den gibt es nicht. Besser gesagt, nicht mehr.

Der Verwaltungschef, der aus Felgeleben kommt, beruft sich auf die Ortskenntnisse älterer Gnadauer. In der verlängerten Allee sei einer gewesen, der letztendlich im Randelgraben mündete. Irgendwann war er – wie so viele – zugeschüttet worden.

Nicht erst seit einer Bürgerversammlung kurz vor Weihnachten fordern nach Felgeleben und Schönebeck auch die Gnadauer Hilfe der Kreis- und Landespolitiker. Ein Vorstoß der Gnadauer Anstalten Mitte November brachte nicht den gewünschten Erfolg. Damals hatte Harald Meyer bei den Verantwortlichen der Einheitsgemeinde Barby um Hilfe nachgesucht. Die hatten sich daraufhin an das Landratsamt gewandt. "Doch konkrete Maßnahmen haben wir vom Kreis noch nicht wahrgenommen", sagt der Verwaltungschef frustriert.

Zumindest konnte die Barbyer Verwaltung eine Bürgerversammlung am 20. November erwirken. Hier empfahl Landkreis-Umweltamtsleiterin Christiane von Wagner den zornigen Gnadauern, Landtagsabgeordnete im Zuge des beginnenden Wahlkampfs für sich zu gewinnen.

Wie Barbys Vize-Bürgermeisterin Karin Knopf gestern auf Anfrage sagte, werde die Einheitsgemeinde Landrat Ulrich Gerstner (SPD) erneut nachdrücklich bitten, sich stärker für Gnadau und Umgebung einzusetzen.

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