Seit Jahren haben die Einwohner von Glöthe Wasser im Keller. Anwohner Joachim Mittag hat deswegen eine Beschwerde, eine Petition, beim Landtag Sachsen-Anhalt eingereicht. Der Petitionsausschuss war am Mittwoch vor Ort.

Glöthe l Nach einem Ortstermin vor einem Jahr wollte der Petitionsausschuss des Landtags Sachsen-Anhalt jetzt sehen, was sich seitdem getan hat. Joachim Mittag, der die Petition eingebracht hat und beim Petitionsausschuss Hilfe sucht, meint: "Wir sind nicht damit einverstanden, dass sich einfach nichts tut."

Der Petitionsausschuss fasst das Problem so zusammen: "Erstens: Es muss ein Nachweis erbracht werden, dass die Vernässung hier im Zusammenhang mit dem Ruscheschacht steht. Zweitens: Wie kann der Marbegraben so ertüchtigt werden, dass er das Wasser ableitet? Dazu haben wir ein hydrogeologisches Gutachten empfohlen. Drittens: Die Pumpe im Ruscheschacht hat das Zeitliche gesegnet und pumpt nicht mehr ab", erklärt Gerald Grünert vom Petitionsausschuss.

Dabei treffen zwei Seiten aufeinander. Zum einen wollen die Bürger trockene Keller. Wird aber im Ruscheschacht abgepumpt, leidet Klaus Rusche darunter, denn er betreibt hier eine Fischzucht. Das hier abgepumpte Wasser würde an anderer Stelle wieder zurück in den Ruscheschacht drücken. An dem See, den Rusche für die Vertreter von Behörden und Petitionsausschuss am Mittwoch öffnete, entstand eine Debatte, die wir hier in Teilen abdrucken.

Winfried Sperling, ehemaliger Ortsbürgermeister von Glöthe: Warum kann die alte, defekte Pumpe nicht repariert werden? Die wasserrechtliche Genehmigung für die alte Pumpe gilt doch noch. Der Zugang zur Pumpe muss gewährleistet werden.

Gerald Grünert, Petitionsausschuss: Die Abpumpberechtigung und der Zugang zur Pumpe gilt aber nur solange die Pumpe noch funktioniert. Jetzt nicht mehr.

Hans-Joachim Mewes, Petitionsausschussvorsitzender: Wie ist denn nun der aktuelle Stand?

Anke Michaelis-Knakowski, Stadtverwaltung: Es wird jetzt eine Variantenuntersuchung beauftragt. Es ist richtig, dass die Verwaltung mit Klaus Rusche Gespräche geführt hat. Es muss ein Mittelweg gefunden werden. Die alte Pumpe hat Schwankungen des Wasserpegels von 60 Zentimeter verursacht. Die Bebauung am Ufer leidet darunter. Das kann Klaus Rusche nicht akzeptieren, er möchte eine Pumpe, die den Pegel konstant hält. Seit 2010 bis jetzt ist das Wasser hier um 1,20 Meter gestiegen. "Wenn wir das jetzt absenken wollen, dann müssen es zwei Meter sein. Das ist enorm", sagt er.

Gerald Grünert: Die Pumpe im Ruscheschacht würde in den alten Marbegraben pumpen. Geht das überhaupt?

Anke Michaelis-Knakowski: Das ist schwierig. Das Gefälle liegt im Millimeterbereich.

Gerald Grünert: Kann man das ganze Problem überhaupt mit der Pumpe im Ruscheschacht lösen?

Anke Michaelis-Knakowski: Nein, laut Gutachten nicht. Das Wasser läuft über die Ufer des Grabens.

Steffen Gerber, Agrargenossenschaft Calbe: Nein, das stimmt nicht. Das Wasser läuft nicht sofort über. In der Vergangenheit ging es auch.

Anke Michaelis-Knakowski: Ja, da stand das Grundwasser aber auch einen Meter tiefer.

Hans-Joachim Mewes: Das Problem neben der defekten Pumpe waren hier auch die ungepflegten Gräben. Hat sich da etwas getan?

Martina Ritterhaus, Unterhaltungsverband Untere Bode: Die Verkrautung in Üllnitz haben wir behoben. Wir haben mit der Stadt nach Stellen gesucht, die Probleme machen. Dort haben wir eine Entschlammung durchgeführt. Wenn eine neue Pumpe kommt, können wir die Pflege der Gräben jederzeit anpassen.

Steffen Gerber: Woher kommt denn nun das Wasser? Ist das alles Grundwasser?

Peter Rotter, Ortsbürgermeister: Also dass das nur Grundwasser sein soll, stimmt nicht. Hier ist es auch Regenwasser, was das Problem verursacht.

Klaus Rusche: Der Ruscheschacht ist nicht der Verursacher des Problems. Das habe ich mit Messungen an meinem Brunnen festgestellt.

Hans-Jürgen Lärz, stellvertretender Ortsbürgermeister: Wenn hier Maßnahmen eingeleitet werden, wer soll das bezahlen?

Anke Michaelis-Knakowski: Das neue Gutachten soll auch klären, wie solche Maßnahmen bezahlt werden können. Am Ende ist diese Frage eine politische Entscheidung.

Hans-Joachim Mewes: Wann kommt denn nun das neue hydrogeologische Gutachten?

Anke Michaelis-Knakowski: Erst Mitte oder Ende des Jahres. Die Vergabe des Auftrags an eine Firma erfolgt in zwei Wochen. Dann geht es mit dem Gutachten los, mit Bohrungen und so weiter. Auch die Brunnen der Einwohner werden betrachtet. Erst dann haben wir einen Maßnahmeplan.

Klaus Rusche: Bei Regen drückt es Fäkalien aus dem Abwasserkanal auf die Straße. Das ist doch kein Zustand.

Hans-Joachim Mewes: Okay, wenn das wieder auftritt, melden Sie sich bei uns. Wir warten also auf das Gutachten, das kommt aber erst im Herbst. Macht das Pumpen zur Probe denn Sinn?

Gerald Grünert: Wenn jetzt zur Probe gepumpt wird, dann verfälscht das aber die Werte des Gutachtens.

Hans-Joachim Mewes: Können wir dann im Herbst mit dem Probebetrieb der Pumpe rechnen? Das soll doch zum Gutachten gehören.

Anke Michaelis-Knakowski: Ja, und das Gutachten wird wie gesagt in 14 Tagen in Auftrag gegeben.

Hans-Joachim Mewes: Dann wollen wir bitte Nachricht, sobald der Auftrag vergeben wurde. Dann muss der Probelauf der Pumpe losgehen.

Joachim Mittag, Petent aus Glöthe: Es tut sich also nichts bis Ende des Jahres. Das kann jawohl nicht so weitergehen. Unser Hausgiebel ist gerissen, die Tapete geht kaputt.

Hans-Joachim Mewes: Ich verstehe, dass Sie sich sorgen. Aber wir können das nicht von heute auf morgen lösen.

Steffen Gerber: Die Verwaltung müsste den Anwohnern auch mal sagen, wie sehr in den Kellern gepumpt werden darf. Durch das Pumpen werden die Sedimente weggespült, irgendwann sind die Häuser weg.

Hans-Joachim Mewes: Ohne das Gutachten kommen wir hier nicht weiter. Wir werden die Petition wieder im Ausschuss behandeln. Wir können Druck machen, aber mehr kann ich nicht versprechen.

Hans-Jürgen Lärz: Wie sieht es denn aus mit Fördermitteln für die langfristigen Maßnahmen?

André Volkmar, Landesanstalt für Altlastenfreistellung (LAF), auch zuständig für Vernässung: Es sieht sehr gut aus. Wir haben die Mittel für den Marbegraben eingeplant. Aber wenn andere kommen und Fördermittel wollen, können wir auch schlecht Nein sagen. Deswegen müssen wir jetzt hier in die Puschen kommen. Aber für Fördermittel muss die Stadt Staßfurt immer Eigenmittel beisteuern. Ob sie dazu in der Lage ist, ist noch zu prüfen.

Anke Michaelis-Knakowski: Sie als Stadträte, Herr Rotter und Herr Lärz, müssen dann beschließen, dass die Mittel dafür in den Haushalt 2015/2016 eingestellt werden.

Hans-Jürgen Lärz: Ja, das machen wir. Dazu stehen wir.