Beim Bau einer neuen Abwasserleitung im Auftrag des Weizenstärkeproduzenten Cargill nach Calbe wird westlich von Barby das Grundwasser abgesenkt und in den Kiessee Gnadauer Straße eingeleitet. Anwohner der Weinbergsiedlung vermuten darin einen Grund, dass in ihren Kellern das Wasser steigt.

Barby l Gundolf Demann ist auf der Palme: "In den vergangenen Wochen hat es kaum geregnet und in unseren Kellern steigt das Wasser." Demann wohnt in der Weinbergsiedlung, die idyllisch am Kiessee Gnadauer Straße liegt. Eigentlich eine Top-Lage mit Blick auf den See. Doch auch die Weinbergleute haben ähnliche Probleme wie die Bürger von Gnadau oder Wespen: Es steht infolge des hohen Grundwasserstandes Wasser in ihren Kellern.

"Ich könnte verrückt werden", ist Gundolf Demann außer sich, "und da pumpen die rund um die Uhr etwa 100 Kubikmeter Wasser pro Stunde in den See." Er selbst halte bei sich das Grundwasser mit einer Tauchpumpe im Zaum, was aber keine Dauerlösung sein könne, da die Fundamente unterspült werden. "Meine Nachbarin hat 15 Zentimeter im Keller", so Demann. Er stellt die berechtigte Frage, warum das Baugrubenwasser, das über mehrere hundert Meter in 200-er Rohren über den Acker geleitet wird, nicht in den Landgraben fließt? Der sei "total trocken". "Es wird immer so viel davon geredet, die Kiesseen an die Gräben anzuschließen sind, um sie abzusenken und hier macht man es genau umgekehrt", grollt Gundolf Demann. Und der Landgraben sei nur unwesentlich weiter weg.

Diese Fragen stellten wir dem Landratsamt als Genehmigungsbehörde: Gibt es eine wasserrechtliche Genehmigung? Und wenn ja: Warum wird nicht in den trockenen Landgraben eingeleitet, der in der Nähe ist?

Pressesprecherin Christine Kleeblatt beantwortet die Volksstimme-Anfrage so: "Die untere Wasserbehörde hat im Zusammenhang mit der Errichtung der neuen Abwasserdruckleitung der Cargill Deutschland GmbH zwei wasserrechtliche Erlaubnisse zur bauzeitlichen Grundwasserabsenkung erteilt. Das anfallende und gehobene Grundwasser muss dabei in den Landgraben abgeleitet werden. Eine Ableitung ... während der Errichtung der Abwasserleitung der Cargill Deutschland GmbH in den Kiessee Barby ist nicht vorgesehen." Christine Kleeblatt verspricht, dass die untere Wasserbehörde "die tatsächliche Art und Weise der Grundwasserableitung schnellstmöglich ermittelt".

Aus fachlicher Sicht sei aber ein Zusammenhang mit der Einleitung in den Kiessee und steigenden Wasserständen in Kellern der Weinbergsiedlung eher unwahrscheinlich. "Dies liegt einerseits an den geringen abzuleitenden Grundwassermengen im Verhältnis zum Gesamtvolumen des Kiessees und der Grundwasserfließrichtung, die sich grundsätzlich von der Weinbergsiedlung weg zur Elbe hin darstellt", so die Pressesprecherin.

Das Bauamt der Stadtverwaltung ist über die Einleitung in den See ebenso ungehalten, zitiert aber den Kieswerksbetreiber in Bezug auf einen steigenden Pegel so: "Das sind homöopathische Mengen, betrachtet man die Gesamtwassermenge."

Laut Pressestelle Cargill sei die Einleitung zu Beginn der Bauarbeiten in den Landgraben erfolgt. Die Firma - sie ist Auftraggeber der Abwassertrasse - räumt allerdings ein, dass diese Lösung an "technische Grenzen" stieß und "extrem aufwändig" war. Mit der Wasserbehörde sei man deswegen im Gespräch.