"Rund ums (einheimische) Bier" lautet der Titel einer Sonderausstellung, die in Schäfers DDR-Museum Ostersonntag und Ostermontag zu sehen ist. Natürlich können auch die anderen Räume mit tausenden DDR-Alltagsprodukten besichtigt werden.

Barby l "Gespräch beim Bier ist produktiv und stählt so manches Kollektiv", wird eine Textzeile des Berliner Oktoberklubs zitiert. Weiterhin erfahren wir, dass die DDR bei ihrem chronischen Verlangen, auf Weltniveau zu produzieren, beim Bier wirklich dicht dran war. "Der Gerstensaft stillte nicht nur den Durst der Arbeiter und Bauern, er spülte auch kräftig Devisen in die Kassen", heißt es.

Goldquell-Bier

Wobei freilich Marken wie das Magdeburger Goldquell-Bier nicht gemeint waren, das bei sommerlichen Temperaturen alsbald konsumiert werden musste, weil es schnell flockte.

Das Kaufverhalten war damals zudem ein vollkommen anderes. Man holte ganz selten das Bier kistenweise, sondern nur wenige Flaschen. Der Grund: das Haltbarkeitsproblem, siehe oben.

Und noch etwas markierte den kritischen DDR-Konsumenten: Er nahm Flasche für Flasche in der Kaufhalle aus dem Kasten, drehte sie um 180 Grad und guckte, ob bei diesem Kopfstand ihr Innenleben klar oder flockig war. Nur so ließ sich erkennen, ob der Gerstensaft schon einen Knacks weg hatte.

Eine dritte Eigenheit vor über 25 Jahren war folgende: Die Leute hatten irgendwo mal gehört, dass braune Flaschen eine bessere Lichtfilterwirkung haben. Also suchte man sich die braunen aus dem Kasten, die grünen ließ man stehen. Der Kisteninhalt war ja farblich bunt gemixt.

Und wirklich: Flaschen aus grünem Glas lassen nachweisbar mehr Licht beziehungsweise ultraviolette Strahlen durch als braune. Trifft Licht auf Bier, kann es zum sogenannten Lichtgeschmack kommen, der Bier ungenießbar macht.

All diese Dinge erfährt man in der Ausstellung. Die Sammler Simone und Axel Schäfer erinnern auch dran, dass es in Barby eine Niederlage der Brauerei Bodenstein gab. Und zwar genau in jenem Haus, in dem heute ihr DDR-Museum untergebracht ist. Unter dem Objekt ist noch heute der ehemalige Eiskeller zu finden, wo früher in der Elbe gewonnene Eisblöcke bis weit in den Sommer hinein gelagert wurden. Mit Hilfe des Barbyer Heimatfreundes Dieter Schlueter bekamen Schäfers heraus, dass die Anfänge bis in das Jahr 1823 zurück reichen. Beliefert wurden unter anderem der benachbarte "Grüne Anker" oder Fritz Ollenhauers "Saalhorn".

Trommler-Verlag

Und noch ein Fakt wurde ans Licht des 21. Jahrhunderts befördert: Der nationalsozialistische Trommler-Verlag hatte hier eine Geschäftsstelle. Der war bei der Gewinnung neuer Leser und Anzeigenkunden wenig zimperlich. Aus größeren Städten wurde damals berichtet, dass Uniformierte seit dem Frühjahr 1933 von Haustür zu Haustür oder von Geschäft zu Geschäft gingen, um Druck zu machen.

Zur Sonderausstellung gehören natürlich zahlreiche Flaschenetiketten und Bierdeckel, wie sie hauptsächlich in den 60er und 70er Jahren gerne gesammelt wurden. Und man wird sehen, dass die DDR-Designer ihr Handwerk verstanden.

Barby, Markt 8a, Öffnungszeiten 13 bis 17.30 Uhr