"Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde", sagt ein Sprichwort. Für viele Kinder ist das Reiten mehr als nur ein Hobby. Ostern bewiesen einige junge Reiter ihr Geschick beim Ringreiten in Welsleben.

Welsleben l Maria Gentzsch hält kurz den Atem an. Ihr Blick richtet sich ganz konzentriert auf einen kleinen Ring, der hoch oben am Balken hängt. Als die Elfjährige das Holzgerüst passiert, hat sie den Ring auf dem metallenen Stift in ihrer Hand. Sie atmet aus. Ihr Gesicht entspannt sich. "Gut so, Dicker!", sagt sie leise und klopft dabei Nepomuk anerkennend an den Hals. Der Wallach hat die Reiterin im Turnier getragen.

Der zweite Durchgang beim offenen Ringreiten für Kinder am Ostermontag in Welsleben war für Maria ein Erfolg. Auch, wenn sie nur ein "Leihpferd" hat. Dietrich Horrmann, der mit seiner Familie das sportlich-spaßige Ostervergnügen veranstaltet, hat mit Wallach Nepomuk einen guten tierischen Partner für Maria gefunden, wie er einschätzt. Und das Mädchen bestätigt: "Nepomuk hat ein gutes Wesen." So kann Maria es ganz gut verkraften, dass sie nicht auf ihren eigenen Pferden Happy und Antarius antritt. Beides ist beim Kinderringreiten möglich. Die meisten Teilnehmer bringen ihre Tiere mit, Horrmanns haben aber auch Pferde, auf denen die Gäste reiten können. "Das geht aber nicht mit jedem Tier", sagt der Gastgeber.

Der 17-jährige Nepomuk ist da ganz gelassen. Im Wettkampf zeigt er aber genügend Temperament. Passend zum Ehrgeiz von Reiterin Maria. Beide wirken beim Ostercup wie ein lang vertrautes Team. Obwohl es am Morgen nur eine kurze Gewöhnungsphase gab. "Ich habe Nepomuk eine halbe Stunde lang gestriegelt, wir haben uns gut aneinander gewöhnt."

Im Wettkampf wird das deutlich. Die Runden laufen gut. Zwölf Kinder treten gegeneinander an. Sie kommen aus der Region und den Nachbarkreisen. Nach einem Probedurchlauf gibt es drei Runden: Hier muss es den Mädchen und Jungen gelingen, auf ihren Pferden und mit dem Stift in der Hand den Ring vom Balken zu holen. Je nach Alter der Reiter wird das Pferd dabei geführt, oder man muss allein sein Tier in die richtige Bahn lenken. Viele schaffen diese Runden. So dass es unter den Besten ein Stechen gibt. Das Prozedere ist das gleiche wie am Nachmittag bei den Erwachsenen. Nur das hier im Stechen um die ersten zehn Preise die Ringe immer kleiner werden. Der Herausforderung stellen sich jährlich bis zu 50 (erwachsene) Reiter, die sich erst am Start anmelden, berichtet Dietrich Horrmann.

Der Reittag zum Ostermontag hat in Welsleben Tradition. Fast seit zehn Jahren gibt es die Veranstaltung. Immer ist auch der Ablauf gleich: am Vormittag sind die Kinder dran, am Nachmittag die Erwachsenen. "Ostern ist ein Fest für die Familie. Wir wollten, dass die gesamte Familie hier etwas erleben kann", sagt Dietrich Horrmann und beschreibt, was einst Ausgangspunkt für die Veranstaltung gewesen ist. Immer vor allem die Jugend im Blick, obwohl es im Reitsport eigentlich keine Nachwuchssorgen gebe, wie der Tiermediziner lächelnd gesteht. "Aber uns geht es daraum, dass auch die Kleinen die Möglichkeit haben, sich beim Ringreiten auszuprobieren. Dass sie ein Gefühl dafür entwickeln, wieviel Geschicklichkeit dafür erforderlich ist, und wie sich das Pferd dabei bewegt." Beim Osterwettbewerb hat man Kinder- und Erwachsenenrunden bewusst getrennt, "einfach um genügend Zeit für die Kleinen zu haben", sagt Dietrich Horrmann.

Tradition ist auch, dass das Reiten in der großzügig angelegten, familieneigenen Halle stattfindet. "Je nachdem wie Ostern fällt, kann das Wetter sehr verschiedenen sein. In der Halle sind wir unabhängig", nennt der Veranstalter den Grund. Nach dem Ü-40-Ringreiten in Gnadau stellen die Horrmanns so das zweite Reit- event des Jahres: "Für uns immer der Start in die Grüne Saison." Und für Maria Gentzsch ist der Tag ein Riesenspaß: "Ich mag alles, was mit Pferdesport zu tun hat, und mache auch alles", sagt sie. Dann schnalzt sie mit der Zunge und Nepomuk beginnt zu traben. Beide starten voller Elan in die dritte Ringreitrunde.

 

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