Schönebeck l Wie Waffen funktionieren, wie Patronen hergestellt werden und vor allem, wie die Munitionsproduktion vor 185 Jahren den Weg nach Schönebeck fand, das alles wissen die Besucher der Auftaktveranstaltung zum diesjährigen Tag der Industriekultur jetzt ganz genau. Diese Veranstaltung ist am Freitag im Schönebecker Industriemuseum (Imuset) ausgerichtet worden (Volksstimme berichtete) und Imuset-Präsident Georg Plenikowski erläuterte in einem Vortrag recht ausführlich die genannten Themenbereiche.

Schönebeck, so der Referent ausdrücklich, sei die einzige Stadt weltweit, in der es im 19. Jahrhundert mit dem Beginn der Industriealisierung drei unabhängig voneinander existierende und arbeitende Munitionsfabriken gab und zwar auf vier Produktionsflächen. Und Schönebeck sei auch die einzige Stadt, in der sich eine Verschmelzung dieser drei Betriebe zu einem Unternehmen vollzogen hat, der heutigen Nammo GmbH im Industriepark West. "Diese Tatsache benutzen wir in der Eigenwerbung der Stadt viel zu wenig", meinte Plenikowski während seines Vortrags im Haupthaus des Industriemuseums, einer ehemaligen Fabrikanten-Villa. Die ist nach alten Bauplänen und viel ehrenamtlichem Fleiß wieder in den Originalzustand versetzt worden, wobei die Arbeiten dafür noch andauern.

"Es ist erstaunlich, was Sie geschaffen haben."

Karin Pfeiffer, Landkreis-Dezernentin

Grußworte hielten neben dem Vorsitzenden der mitteldeutschen Gesellschaft für Industriekultur, Andreas Ohse, auch Nammo-Geschäftsführerin Kathrin Sondershausen, Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) und Landkreis-Dezernentin Karin Pfeiffer. Die Dezernentin würdigte die Anstrengungen der Imuset-Leute in den vergangenen Jahren mit den Worten: "Es ist erstaunlich, was Sie auf diesem Gelände geschaffen haben." Für die Industriegeschichte Schönebecks und der Umgebung sei in der Thälmannstraße 5a ein interessanter Rahmen geschaffen worden, das Thema an sich bedürfe einer intensiven Reflexion. Den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren bezeichnete Karin Pfeiffer als Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Der Jahrestag war Thema des diesjährigen Tages der Industriekultur.

Nicht nur auf die industrieelle Geschichte, sondern auch auf den gewerblichen Branchenmix der Gegenwart nahm Oberbürgermeister Bert Knoblauch Bezug. "Wir Schönebecker können auf beides stolz sein", betonte der Gemeindechef und verwies etwa auf die Tatsachen, dass in Schönebeck im 19. Jahrhundert die erste Chemiefabrik und die erste Munitionsfabrik Deutschlands gegründet worden sind. Unternehmer wie Allendorf und Siegel hätten Industriegeschichte geschrieben, ebenso das Traktorenwerk zu DDR-Zeiten, dessen zumeist landwirtschaftlichen Fahrzeuge in ganz Europa rollten und teilweise noch rollen. In der Stadt gebe es seit den ersten industriellen Gründungen Erfinder- und Ingenieursgeist sowie Tatkraft. "Auch heute haben wir Vorzeigeunternehmen, die in alle Welt exportieren", hob Knoblauch hervor. Er führte weiter aus: "Unsere Stadt hat einen guten Klang. Wir müssen ihn nur besser hörbar machen." Mit Initiativen wie Imuset gelinge das beispielhaft.

Zu den industriellen Leuchttürmen der Stadt zählt zweifelsohne die Nammo GmbH (früher Lapua). Deren Geschäftsführerin Kathrin Sondershausen sagte, dass Munition aus Schönebeck in 54 Länder exportiert werde. "Darauf sind wir stolz. Ich glaube, viele Schönebecker wissen noch gar nicht, wie international wir aufgestellt sind." Die Nammo-Chefin fügte hinzu: "Wir wollen aber auch, dass die Geschichte, die Tradition und die Erinnerung daran gewahrt bleiben. Ich glaube, diese Aufgabe ist bei Georg Plenikowski in guten Händen."

Im Imuset ist ab sofort eine Ausstellung zu sehen, die die 185-jährige Munitionsherstellung in Schönebeck dokumentiert. Gezeigt werden unter anderem historische Produktionsmaschinen. Geöffnet ist das Museum Sonnabend und Sonntag von 14 bis 17 Uhr, für Schulklassen nach Absprache auch am Mittwoch.

Weitere Informationen im Internet unter der Adresse www.industriemuseum-schoenebeck.de oder unter Rufnummer (0171)7127932 oder (0178)6863187.

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