Biere l Als Elli Schulze gestern Vormittag beim Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr Biere nach vorn gerufen wurde, hatte auch das Wetter ein Einsehen. In jenem Moment, als Bördelands Bürgermeister Bernd Nimmich, Ortsbürgermeister Peter Buchwald und Wehrleiter Hans-Jürgen Schulze die 84-Jährige zu einem Gruppenfoto in die Mitte nahmen, riss die Wolkendecke auf, und Sonne erleuchtete Biere - was für ein Zeichen.

In den vergangenen Wochen stand Elli Schulze nun schon das zweite Mal im Rampenlicht. Erst kürzlich wurde sie als "Salzlandfrau 2014" in der Kategorie "Lebenswerk" in Bernburg ausgezeichnet. Gestern schüttelten Bürgermeister und Ortsbürgermeister der "Bier`schen" die Hand. Der Grund: Elli Schulze ist seit 50 Jahren in der Feuerwehr aktiv.

Elli Schulze trat der Feuerwehr bei, um eine Frauenbrandschutzgruppe im Dorf aufzubauen. Da war sie 34 Jahre jung. Geschrieben wurde damals das Jahr 1964 - in jenem Jahr, in dem Nelson Mandela zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, die DDR Rentnern Verwandtenbesuche in die Bundesrepublik genehmigte und der Shinkansen als erster Hochgeschwindigkeitszug in Japan zwischen Osaka und Tokio in Betrieb genommen wurde. Lange ist es her ...

"Ich bin gern in der Feuerwehr", berichtet die goldene Jubilarin gestern im Gespräch mit der Volksstimme. Schon als sie vor Wochen "Salzlandfrau für ihr Lebenswerk" wurde, hatte Elli Schulze vor Rührung Tränen in den Augen. An diesem Tag hielt Bördelands Bürgermeister Bernd Nimmich eine bewegende Laudatio auf die Bierer Einwohnerin. "Unsere Preisträgerin in der `Kategorie Lebenswerk` hat über viele Jahre bewiesen, dass die durch ihre Einsatzbereitschaft, durch ihren Fleiß und ihre Menschlichkeit, Vereine und Organisationen durch ihre Mitarbeit stärkt und ständig bei der Bewältigung neuer Herausforderungen motivierend tätig ist", sagte Nimmich.

Auch gestern wurde unisono von den Bürgermeistern die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit in den Dörfern hervorgehoben. "Das Ehrenamt erfordert viele gute menschliche Eigenschaften", zählte Bernd Nimmich auf: "Fleiß, Zuverlässigkeit, Einsatzbereitschaft, Ehrlichkeit und Hilfesbereitschaft sind wichtige Wesenszüge, die Elli Schulze verkörpert und die sie in ihrer Dorfgemeinschaft so liebenswert machen."

Für ihr Biere schlägt das Herz der 84-Jährigen. Sie blieb dem Dorf in all den Jahren treu. Nach der Absolvierung ihrer Hauswirtschafts-, Näh- und Landwirtschaftsschule lebte und arbeitete sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf dem elterlichen Hof und der Gärtnerei. Ernst und Elli - wie sie liebevoll von den Kameraden der Feuerwehr genannt werden, sahen ihre Berufung darin, die Feuerwehrstrukturen in der Gemeinde und über die Gemeindegrenzen hinaus entscheidend mitzugestalten. So ist Elli Schulze unter anderem Mitgründerin der ersten Frauengruppe der Feuerwehr im damaligen Landkreis Schönebeck und hat beim Aufbau entscheidenden Anteil bei der Neuausrichtung der freiwilligen Feuerwehren geleistet.

"Elli Schulze leitete von 1964 bis 1976 die Frauenbrandschutzgruppe in Biere", berichtete Bördelands Bürgermeister. Zahlreiche Qualifikationen und Lehrgänge berechtigten später die Beförderung bis zur Oberbrandinspektorin.

Selbst heute mit 84 Jahren ist die Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Biere für Elli Schulze eine Selbstverständlichkeit. Sie organisiert, plant und begleitet Veranstaltungen der Alters- und Ehrenkameraden. "Und was das Schönste ist: Ans Ausruhen denkt Elli Schulze noch lange nicht", so Bernd Nimmich. Mit einer Ehrennadel wurde sie gestern ausgezeichnet.