Die Barbyer Stadträte stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Im Juni wird über eine mögliche Abgabe des Sportparks Glinde an einen privaten Träger zu entscheiden sein. In einer Bürgerbefragung votierten gut zwei Drittel der Glinder gegen den Verkauf.

Glinde l Es gibt sicherlich einfachere Entscheidungen für die Stadträte der Einheitsgemeinde Barby, als die über die Zukunft des Sportparks Glinde. Und darum geht es: Die Akademie Lothar Kannenberg möchte den Sportpark übernehmen und als Jugendhilfeeinrichtung einrichten. Zirka 15 bis 20 straffällig gewordene Jugendliche sollen hier untergebracht und umfassend betreut werden. Ob das umgesetzt wird oder nicht, hängt letztlich an der Entscheidung des Stadtrates.

Zunächst wurde das Thema im Ortschaftsrat in Glinde besprochen und eine Bürgerbefragung durchgeführt. Von 242 berechtigten Bürgern haben 232 ihre Stimme abgegeben. 156 (68,7 Prozent) von ihnen votierten gegen einen Verkauf, 71 dafür. Der Ortschaftsrat empfahl folgerichtig dem Stadtrat dringend, die Vorlage abzulehnen. Bisher folgten die Stadträte so gut wie immer den Vorschlägen aus den Orten, das könnte in diesem Fall aber anders sein.

In einem Pressegespräch spielten Bürgermeister Jens Strube und Bauamtsleiter Holger Goldschmidt beide Szenarien durch.

Fall 1: Sportpark bleibt in der Hand der Stadt Barby

Fall 1: Die Stadträte folgen der Empfehlung des Ortschaftsrates Glinde. In diesem Fall bliebe der Sportpark und insbesondere die Sporthalle in der Hand der Einheitsgemeinde. "Perspektivisch können wir sie aber nicht halten", betonte Strube mit Blick auf die jährlichen Betriebskosten von allein schon rund 45 000 Euro. Dazu kommt, so Amtsleiter Goldschmidt, ein Investitionsstau in Höhe von fast einer halben Million Euro. "Die Sporthalle ist für unser Portemonnaie einfach zu groß", sagte Strube. Eine Schließung in absehbarer Zeit wäre unausweichlich.

Fall 2: Der Sportpark wird an die Akademie verkauft

Fall 2: Die Stadträte votieren gegen die Empfehlung der Ortsräte und verkaufen den Sportpark. Die Stadt wäre die Verantwortung los, die sie in Zeiten der Haushaltskonsolidierung ohnehin nicht tragen kann. Allerdings meldeten die Einwohner von Glinde schwerwiegende Sorgen an. Man spricht von einer Gefährdung für das Dorf und der Angst, dass sich dadurch der Charakter der Dorfgemeinschaft verändern könnte. Die Folgen daraus sind derzeit nicht absehbar.

Bei der Stadtverwaltung Barby kann man die Sorgen der Glinder verstehen, muss allerdings das so oft beschworene große Ganze im Blick behalten. "Der Stadtrat ist für die ganze Einheitsgemeinde verantwortlich", so Strube, der bei verschiedenen Gelegenheiten auf die Folgen beider Varianten hingewiesen hat. Als positives Beispiel verweist Amtsleiter Goldschmidt auf die verkaufte Sport- und Spielhalle in Barby. Allerdings ist es emotional sicherlich ein Unterschied, ob eine Sportanlage an eine Rehaklinik oder ein Sozialprojekt veräußert wird.

Unabhängig davon hat die Akademie Kannenberg bereits signalisiert, dass sie mit dem Glinder Handball zusammenarbeiten möchte. Befürchtungen, dass ein Verkauf der Halle das Ende des Handballsports in Glinde bedeuten könnten, wird damit ein Stück weit entgegen gewirkt.

Strube: "Mir tut die Situation unheimlich leid"

Versuche, insbesondere die Sporthalle einer anderen Nutzung zuzuführen, sind bislang gescheitert. "Es gibt kein wirtschaftlich tragfähiges Konzept", bestätigte Strube. Erschwerend kommt hinzu, dass sie als Schulsporthalle nicht nutzbar ist. Daraus ergibt sich wiederum, dass sie keine Pflichtaufgabe der Stadt ist und unausweichlich unter die Konsolidierung fallen wird.

Sicherlich wichtig ist sie jedoch für das Vereinsleben im Ort, allen voran die Handballer des Glinder HV. "Mir tut die Situation unheimlich leid", bekräftigt der Bürgermeister, selbst Fan des Glinder Handballs. "Hier eröffnet sich nun die Möglichkeit einer Nutzung der Sporthalle", führt er aus, gesteht aber, "natürlich verbinden sich damit Ängste und Hoffnungen gleichermaßen."

Der Ausgang des Votums scheint zur Zeit übrigens völlig offen. Ganz bewusst befindet der Stadtrat daher erst in der Juni-Sitzung über die Vorlage, um sich noch einmal intensiv mit der Thematik auseinandersetzen zu können.

Egal, wie die Räte entscheiden, möchte Strube schon jetzt versichert wissen: Eine Entscheidung für den Verkauf darf nicht als Entscheidung gegen Glinde verstanden werden, sondern unter der Maßgabe der Verantwortung für die ganze Gemeinde.

Am 22. Mai findet um 17 Uhr im Versammlungsraum des Bauhofs der Stadt Barby (Magdeburger Tor) eine öffentliche Informationsveranstaltung der Akademie Lothar Kannenberg zur Nutzung des Sportparks Glinde als Jugendhilfeeinrichtung statt.