Der Breitenhagener Erhard Kretzmann hat Haus und Hof nach der Flut wieder mit viel Kraft saniert. Im Garten seiner "Radlerrast" steht ein Häuschen, dessen Geschichte skurril ist.

Breitenhagen l Es ist das Wiedersehen mit einem Fotomotiv, das während des Katastrophenhochwassers 2013 in der Volksstimme veröffentlicht wurde und selbst im Volksstimme-Magazin "Die große Flut" zu sehen ist: Auf der Deichüberfahrt von Alt-Tochheim steht ein mobiles Plumsklo. Damals brachte der Breitenhagener Fährhausbetreiber Erhard Kretzmann das Herzhäuschen kurz vor dem anrückenden Hochwasser in Sicherheit - heute steht es bei ihm im Garten.

Als das Foto eher beiläufig am 5. Juni 2013 gemacht wurde, ahnten weder wir Journalisten noch die Einwohner Breitenhagens, dass sich wenige Tage später am Zusammenfluss von Elbe und Saale die große Katastrophe ereignen würde. Am 9. Juni brach der Deich hinter dem Breitenhagener Schöpfwerk (und nicht bei Klein Rosenburg, wie immer wieder fälschlich berichtet wird). Die Einwohner waren kurz zuvor evakuiert worden. Das komplette Dorf soff ab, die Schäden waren unbeschreiblich. Auch in Erhard Kretzmanns Haus stand das Wasser kniehoch. Wenige Jahre zuvor hatte sich der ehemalige Fährmann mit seiner "Radlerrast" eine neue berufliche Existenz aufgebaut. Hier pausierten die erschöpften Strampler, die auf dem Elberadweg unterwegs waren. Die Flut zerstörte die Inneneinrichtung des Hauses, Heizöl trat aus, das man heute noch ein bisschen riecht.

Das makabere an dieser Geschichte ist: Kretzmanns Klo-Häuschen war sein einziges Hab und Gut, dem nichts geschah. Denn es stand ja einsam und verloren aber vor allem trocken auf der Deichkrone. Erst als im Dorf wieder halbwegs normale Zustände herrschten, holte er es zu sich nach Hause.

Was auch seinen Grund hat: Der 63-Jährige war Pächter des alten, hölzernen Fährhauses, in dem die Radtouristen übernachten konnten. Weil die Stadt Barby als Eigentümer den Pachtvertrag nicht verlängerte, war auch das mobile Klohäuschen an dieser Stelle überflüssig geworden.

"Wir haben es erst Anfang 2012 angeschafft", erinnert sich Kretzmann. "Das ist eine Bio-Toilette", hebt er den Finger. Die nicht zu verwechseln mit einem Plumsklo sei, das die Altvorderen benutzten. Es habe keine Klärgrube nötig durch einen mobilen Fäkal-Entsorgungstank - der Inhalt sei biologisch abbaubar.

Beinahe ein Kabinettstückchen ist die Gebrauchsbeschreibung, die Erhard Kretzmann im Inneren des Häuschens der werten Kundschaft zur gepflegten Beachtung empfahl: Hebel mit der Hand nach oben stellen ... Geschäft erledigen ... Hebel nach vorn stellen ... Aufstehen ... den Wasserhahn kurz öffnen ... die Hände waschen ...

Worüber man heute schon wieder lächeln kann, hatte noch vor wenigen Monaten einen bitteren Beigeschmack. Denn nicht überall im Dorf sind die Flutschäden behoben. Erhard Kretzmanns "Radlerrast" hat wieder geöffnet, auch wenn die Übernachtungsmöglichkeit im Fährhaus nicht mehr besteht.

Das Häuschen mit Herz, das einzige trocken gebliebene mobile Klo von Breitenhagen, das eine gewisse Berühmtheit erreichte, steht nun im Hausgarten der "Radlerrast".

Und wir wollen es nicht verschweigen: Nicht nur zur Zierde, sondern auch mit Funktion ...

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