Barby (tli) l In Schäfers DDR-Museum findet man immer wieder Ausstellungsstücke, die mit einem Augenzwinkern präsentiert werden. So entdeckt der aufmerksame Betrachter unweit des "Kaufladens" eine Vitrine, in der Drogerie-Erzeugnisse liegen. Darunter sind natürlich auch Kondome der Marke "Mondos". Die gab es in "Gold", "Silber" und "Luxus". Alleiniger Hersteller war der "VEB Gummiwerke Werner Lamberz" Erfurt.

Der Begriff Kondom existierte in der DDR nicht, offiziell handelte es sich um einen "hygienischen Gummischutz oder Präservative". Im allgemeinen Sprachgebrauch war es der Fromms, der Gummifuffziger oder einfach ein Gummi.

Schäfers zeigen einige originalverpackte sozialistische "Verhüterli". Was an sich nichts Besonderes ist. Ein Papierschildchen neben so einem "Gummi" verleiht dem Ausstellungsensemble allerdings einen delikaten Ruck. Darauf steht mit sauberen Handschrift-Buchstaben: "Das kleine Geschenk für die junge Dame"... Dieses Schildchen wurde vermutlich von einem geschäftstüchtigen Drogisten gemalt, der für alles andere, aber nicht für Kondome werben wollte.

So kann es also gehen, wenn man die Dinge in einen bestimmten Kontext bringt ...

"Mondos" konnte man am Automaten ziehen oder beim Versand H. Kästner bestellen. Dessen Anzeigen mit dem großen Ausrufezeichen fand man über Jahrzehnte in den meisten DDR-Zeitungen. Das Dresdner Familienunternehmen versendete jährlich 2 Millionen Kondome.

"Blauer Würger"

Schäfers DDR-Museum ist in mehrere Themenbereiche gegliedert: Der Kaufladen zeigt sein üppiges Lebensmittelsortiment, das von Spirituosen dominiert wird. Wenn vorne in der Vitrine Käse, Butter, Rübensirup und sogar ein echtes Toastbrot liegen, präsentieren die Regale dahinter geballt das Who´s Who geistiger VEB-Getränke. Vom "Prima-Sprit" bis zum "Curacao", vom "Hohnsteiner Trinkbrandwein" bis zum "Klarer Juwel" des Abtshof Magdeburg, den das sozialistische Volk nur "Blauen Würger" nannte. Nomen est omen.

Hoch oben im Regal steht auch eine Flasche "Rosenthaler Kadarka". Zeitzeugen werden noch wissen, dass der Bulgarische Rotwein zwar in die Zeit passt, aber selten im Regal, sondern fast immer unter dem Ladentisch zu finden war.