Der Unternehmer Eckhard Henschel möchte der Stadt Barby Kunstwerke für den öffentlichen Raum sponsern. Doch im Rathaus halte man sich vornehm zurück, ist der Vorwurf des Tornitzers.

Tornitz/Barby l "Ich möchte dabei helfen, dass Barby attraktiver wird", sagt Eckhard Henschel. Bei der jüngsten Kommunalwahl hatte er die meisten Stimmen aller Bewerber für den Stadtrat erhalten. "Ich glaube, da gibt es eine bestimmte Erwartungshaltung an mich", meint der Metallbauunternehmer und CDU-Mann aus Tornitz, der nicht zuletzt darin einen Auftrag der Bürger sieht.

Doch sein Vorstoß, "Barby attraktiver zu machen", stammt schon aus Zeiten vor der Wahl. Vor zwei Jahren hätte er bereits mit CDU-Abgeordneten darüber gesprochen, die im Barbyer Stadtrat sitzen.

Was hat es damit auf sich?

Henschel kam bereits Mitte der 1990er Jahre mit der Kunst in Berührung. Damals setzte er den Monumentalentwurf der Schönebecker "Salzblume" des Dänen Anders Nyborg um. Was eine große Herausforderung war, denn die Edelstahlsegmente der "Segel" und "Salzkristalle" mussten in Formen gebracht werden, wie sie in Stahlbaubetrieben kaum üblich sind.

So geht Eckhard Henschel schon seit längerer Zeit mit Ideen schwanger, etwas Ähnliches in Barby zu machen. Denn mit Kunst im öffentlichen Raum sei der Sitz der Einheitsgemeinde nicht gerade üppig gesegnet.

Wenn Sie, liebe Leser, bis jetzt den Verdacht nicht unterdrücken konnten, dass der Mann Aufträge für sein Unternehmen im Hinterkopf hat, liegen Sie falsch.

"Ich würde die Kunst sponsern", offenbart Eckhard Henschel.

Künstlerische Entwürfe

Schon vor Monaten hätte er mit Bürgermeister Jens Strube und Bauamtsleiter Holger Goldschmidt darüber gesprochen. Doch es habe keine Resonanz auf seinen Vorschlag gegeben. "Da will man denen was schenken und die wollen nicht", winkt Henschel ab.

Dabei hat er Entwürfe zur Hand, die nicht etwa in einem kleinen Tornitzer Hobby-Hinterzimmerchen entstanden. Henschel hat Kontakt zu keinem Geringeren als Designer Matthias Trott. Dessen Pfahlskulpturen stehen seit 2007 am Schönebecker Elbufer. Trott verwendet Holz, das schon an sich eine Antiquität ist, ohne das der Mensch Hand anlegte: 2000 wurden an der Magdeburger Zollbrücke Eichenpfähle geborgen. Unter komplizierten Bedingungen zog man sie aus dem Ufergrund. Das Alter des Holzes wird auf etwa 400 bis 500 Jahre geschätzt. Die alten Eichenpfähle haben durch ihre Konsistenz und Lagerung eine eigene Ästhetik. Jeder Pfahl trägt die Spuren früherer Bearbeitung, hat eigene Wachstumsmerkmale und -strukturen. Trott verbindet archaische Formen mit modernem Stahl. "Die Projektideen zeigen Möglichkeiten, die stadt- und technikgeschichtliche Bedeutung eines sehr alten Baumaterials in einem neuen Kontext einzubinden", schreibt Matthias Trott an Henschel.

Der Tornitzer kann sich derartige Kunst gut auf dem leeren Barbyer Kirchplatz vorstellen. "Oder auf dem Hohen Werder zwischen `Prinz` und `Prinzeßchen`", schlägt er vor. Denn diese "Meile" werde von Reha-Patienten wie Anwohnern gleichermaßen intensiv genutzt.

Doch damit nicht genug: Auch die Elbe-Saale-Mündung könne einen markanten Hingucker gut vertragen. Das Einzige was am "Sehnsuchtsort" der Saaleradwander-Heerscharen die Leute empfängt, sind Tafeln für Schleusenfunk und Fischarten. "Ich habe mich bei der zuständigen Fachbehörde schon schlau gemacht", hebt Henschel den Finger, "da dürfte es keine Probleme mit der Genehmigung geben."

Bürgermeister Jens Strube und Amtsleiter Goldschmidt reagierten gestern verwundert auf Henschels Vorwurf. Man habe zwar mal auf einer Sitzung des Tourismusvereins von seinen Ideen gehört, mehr aber auch nicht. "Natürlich stehen wir der Sache positiv gegenüber", unterstreicht der Bürgermeister. Man müsse nur "was Konkretes auf dem Tisch haben". Nach seinen Worten schätze er Eckhards Henschels Aktivitäten und dessen Großzügigkeit. "Es kann sich eigentlich nur um ein Kommunikationsproblem handeln", fasste Strube zusammen.

Matthias Trotts Projektidee gingen Jens Strube und Holger Goldschmidt gestern per E-Mail zu.

Man darf gespannt sein.

 

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