Schönebeck l Was er heute Abend ab 18 Uhr machen wird, das weiß Nguyen Khac Kiem ganz genau. Denn er wird mit Sicherheit nicht hinterm Herd seines Asia-Bistros stehen. Stattdessen wird der 38-Jährige einmal die Füße hochlegen und fernsehen. Und das wird nicht irgendwas in der Flimmerkiste sein.

"Für eine Nationalmannschaft mit Niveau fehlt das Geld."

"Ich werde das WM-Spiel zwischen Deutschland und Portugal gucken", sagt Nguyen Khac Kiem. Anstoß ist um 18 Uhr nach mitteleuropäischer Zeit (In Brasilien wird es 13 Uhr sein).

Der gebürtige Vietnamese lebt seit 1998 in Schönebeck. Hier ist er angekommen, auch wenn die Heimat weit, einfach nur weit weg ist.

"Ich liebe Deutschland", sagt er frei heraus. Deshalb ist es für den 38-Jährigen auch eine Selbstverständlichkeit, eine schwarz-rot-goldene Fahne am Auto zu tragen. Sowohl in der Heckscheibe, als auch an der Seitenscheibe hat er die Flaggen platziert, die seine Zugehörigkeit symbolisieren.

Ein wenig gegensätzlich scheint das auf den ersten Blick. Schließlich prangt auf der Heckscheibe die Werbung für seinen Imbiss - hier gibt es asiatische Küche. Dahinter steckt die Deutschlandfahne. Für Nguyen Khac Kiem ist das keineswegs kontrovers. Denn sein Heimatland Vietnam ist an der Fußball-Weltmeisterschaft nicht beteiligt. "Das Land ist einfach zu klein und für eine Nationalmannschaft mit diesem Niveau fehlt das Geld", erklärt er. Also muss sich der Fußballfan eben für eine andere Nation entscheiden - für Nguyen Khac Kiem kein schwerer Entschluss.

Für das Finale der diesjährigen WM in Brasilien hat der Bistrobesitzer vier Favoriten. Deutschland, Brasilien, Spanien und Argentinien sind die Länder, denen der 38-Jährige alles zutraut. Wobei, wenn er genau überlegt - "Das Finale werden wohl doch Brasilien und Argentinien bestreiten", sagt er. "Aber", das betont Nguyen Khac Kiem, "beim Fußball kann alles passieren, denn Ball ist und bleibt rund." Also ist ein deutsches Sommermärchen wohl nicht ausgeschlossen.

"Das Finale werden Brasilien und Argentinien bestreiten."

Selbst spielt Nguyen Khac Kiem übrigens keinen Fußball. Dafür fehlt dem Familienvater die Zeit. Bei der Weltmeisterschaft werden dann aber Prioritäten gesetzt - so wie in den vergangenen Jahren. "Viermal habe ich bereits in Deutschand die jeweilige WM mitverfolgt", erinnert sich der Vietnamese.