Schönebeck/Plötzky/Pretzien l Mitglieder der Initiativgruppe für einen Radweg zwischen Plötzky und Pretzien ärgern sich über eine Aussage von Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU). "Der Radweg ist den Plötzkyern und Pretzienern ein wirklich wichtiges Thema, das nicht parteipolitisch zerrissen werden sollte", fordert Wilfried Kiske von den Verantwortlichen. Er ist ein Mitglied der Interessengruppe und fühlt sich wie seine Mitstreiter durch Bert Knoblauchs Worte vor den Kopf gestoßen.

Der Stadtchef hatte nach der Wahlniederlage seines Parteifreundes Gunnar Schellenberger bei der Landratswahl in der vergangenen Woche sinngemäß als Forderung geäußert, dass er nun gespannt sei, wie der neu gewählte Landrat Markus Bauer (SPD) den Radweg zur Realität werden lassen wolle. Markus Bauer hatte sich als Vizechef der Arbeitsgemeinschaft Saaleradweg auch in Plötzky und Pretzien eingebracht. Der fehlende Radweg zwischen beiden ostelbischen Gemeinden wurde Thema im Wahlkampf. Dass Bert Knoblauch nach der Wahlniederlage eines CDU-Kandidaten im Kreis damit aufwarte, gehöre sich nicht, meint Wilfried Kiske. "Die Errichtung eines Radweges muss auch im Sinne der Stadt sein. Der Oberbürgermeister sollte hier wie die Mehrheit seiner Bürger denken und die Angelegenheit nicht lapidar abtun, zum Beispiel durch solche Äußerungen", sagt der Plötzkyer. Denn immerhin hätte man in den Orten 1200 Unterschriften für das Projekt gesammelt und dem bisherigen Landrat Ulrich Gerstner (SPD) überreicht. "Das zeigt, dass der Radweg ein Bedürfnis für viele ist", sagt Wilfried Kiske.

Kreis ist als Baulastträger für Straße verantwortlich

Oberbürgermeister Bert Knoblauch ist auf der Seite der Leute in Ostelbien, sagt er im Volksstimme-Gespräch und auf die Kritik angesprochen. Er bittet die Interessengemeinschaft um Entschuldigung, wenn seine Aussagen zu Unmut geführt hätten. "Ich habe am Abend der Wahl darüber gesprochen. Am Sonntag schlugen die Emotionen sehr hoch. Ich bitte um Verzeihung, falls alles einen falschen Zungenschlag hatte." Das sei nicht seine Absicht gewesen. Im Gegenteil: "Ich möchte mich als Vertreter der Stadt konstruktiv in das Projekt einbringen und Markus Bauer dabei unterstützen."

Gleichwohl macht Bert Knoblauch auch keinen Hehl daraus, dass der Weg zu einem Radweg zwischen Plötzky und Pretzien nicht einfach sein wird. "Der bisherige Stand der Gespräche mit Behörden und Verwaltungen ist ernüchternd."

Die Planungen würden örtlich vor vielen Problemen stehen, wenn der Radweg neben der Straße geführt werden solle. Da müssten Grundstücks-angelegenheiten wie naturrechtliche Belange geklärt werden. Weil die Straße zwischen Plötzky und Pretzien Kreisstraße sei, liege die Verantwortung für die Planung vor allem in der Bernburger Verwaltung, Prioritäten seien bei Kreis und übergeordneten Behörden zudem anders gesetzt, so Bert Knoblauch.

"Wir sind aber bereit, als Schönebecker unseren Beitrag zu leisten und zu helfen, wo es nur geht. Denn ich würde mich freuen, wenn der Radweg kommt!", sagt der Stadtchef.

Dankbar für Unterstützungsangebot

Markus Bauer verübelt Bert Knoblauch die Aussage nicht. Im Gegenteil, er ist dankbar für das Unterstützungsangebot. "Ich habe schon im Wahlkampf gesagt, dass Politik keine Ein-Mann-Show ist." Als "kommunale Familie", Stadt und Kreis, wolle man das Radwegprojekt angehen, so gestärkt auftreten, weil keiner allein das Vorhaben stemmen könnte.

Markus Bauer will Gespräche mit dem Landestourismusverband und mit dem Landesverkehrsministerium führen.

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