Schönebeck. Das hat es bei einer Vernissage im Soziokulturellen Zentrum Treff in Schönebeck auch erst einmal gegeben: Eine Vernissage ohne die Künstlerin. Doch die Ausnahme von der Regel hatte einen Grund: Annika Werner ist auf der Walz. Die Holzbildhauerin war zur Eröffnung ihrer Werke am vergangenen Sonnabend im spanischen Barcelona. "Eine alte Handwerkertradition erlaubt es unserer Tochter leider nicht, heute dabei zu sein", berichtet Vater Hans-Ulrich im Gespräch mit der Volksstimme. Der Wohn- und ihr letzter Arbeitsort hat für Annika Werner einen Bannkreis von 30 Meilen.

"Drei Jahre und ein Tag" ist der Titel der ersten Ausstellung der Schönebeckerin – in Anlehnung an die Walz, die ebenfalls drei Jahre und ein Tag dauern muss. Aufgewachsen ist die heute 28-Jährige in Schönebeck. Nach einem Jahr in den USA und dem Abitur studierte Annika Werner in Magdeburg Soziologie, Philosophie und Psychologie. "Doch dann kam der Knall, ein leiser Knall", erzählte Christa Huppertz in ihrer Laudatio.

Annika wurde wach für die eigentliche Bestimmung in ihrem Leben: für die Kunst. "Ja, es war ein riskanter Prozess der Selbstfindung", so Christa Huppertz. Die Eltern unterstützten ihre Tochter auf ihrem neuen Weg, der nicht immer nur etwas schönes für das Augen hervorachte, sondern körperlich schwere Arbeit war. Annika lernte in Zeulenroda in Thüringen den Beruf der Holzbildhauerin.

Eine Fotodokumentation und zahlreiche kleine Kunstwerke geben Auskunft über das Schaffen der 28-Jährigen. Ihr gefällt die Arbeit in Deutschland und Europa so gut, dass sie vermutlich noch einige Zeit länger als drei Jahre und einen Tag auf der Walz sein wird. "Wie lange mein Weg mich noch durch die Welt führt, ist ungewiss", ließ sie mitteilen. Aber vielleicht ist sie bis zum 10. März wieder in ihrer Heimat. Dann endet nämlich die Ausstellung im Schönebecker Treff.