Seit 100 Jahren klingt die Rühlmann-Orgel in Salzelmens Johanniskirche zu Gottesdienst und Andacht. Doch die Orgelgeschichte des Gotteshauses ist älter und nicht unbedeutend. Zum Geburtstag des Instruments gab es jetzt einen ganzen Orgeltag.

Schönebeck l Als einen Orgelexperten würde sich Martin Schröder nicht bezeichnen. Doch der junge Mann hat sich in den letzten Monaten intensiv mit dem imposanten Instrument der Pfännerkirche beschäftigt. Nicht vornehmlich unter musikalischen, sondern unter historischen Aspekten. In Potsdam hat Martin Schröder Politik, Geschichte und Verwaltung fertig studiert, jetzt spezialisiert er sich auf die Militärhistorie. Wie kommt man dann zur Orgel? "Ich bin in der Gemeinde aufgewachsen. Als der Kirchbauverein fragte, ob ich anlässlich des Orgeljubiläums die Quellenlage sichten könne, habe ich sofort und gern zugestimmt", sagt der junge Historiker. Anlass ist der Geburtstag der "Königin der Instrumente". Am 27. Juni 1914, einen Tag früher als geplant, nahm Gutachter Theophil Forchhammer, seines Zeichens Domorganist in Magdeburg, das Instrument Wilhelm Rühlmanns ab. Und war "des Lobes voll über dieses herrliche Werk".

Nicht zum ersten Mal hat sich Martin Schröder mit "seiner" Kirchenorgel auseinandergesetzt, schon früher entstanden einzelne Artikel für das damalige Kurortmagazin. Jetzt aber ist ihm zusammen mit Sabine Waurich vom Kirchbauverein ein großer Abriss gelungen. "Wir haben im Stadtarchiv und im Archiv der Gemeinde nach allen Dokumenten gesucht, die Hinweise auf die Rühlmann-Orgel und ihre Vorgänger geben", sagt Sabine Waurich. Martin Schröder hat die historischen Quellen transkribiert. Er weiß als Historiker um gängig Formelles in den alten offiziellen Dokumenten, vermag so auch "das zwischen den Zeilen" ins Heute zu transportieren.

Das Ergebnis der Arbeit von Sabine Waurich und Martin Schröder fand Eingang in den Festvortrag, den Landeskirchenmusikdirektorin Beate Besser aus Oldenburg gehalten hat. Der einstigen Kantorin von St. Johannis gelang darin auch, Verbindungen zur Entwicklung des Orgelbaus und der Orgelmusik zu ziehen. Erstaunlich ist, dass die Orgelgeschichte der Pfännerkirche bedeutend ist: 1613 und 1624 sind Korrespondenzen mit dem Rat von Salze nachgewiesen, wonach Bälgetreter bezahlt werden sollen. Es muss eine Orgel gegeben haben. Nach dem Brand der Kirche 1635 taucht der in Mitteldeutschland bekannte Meister Heinrich Compenius auf. 1649 allerdings baut George Schüler ein neues Instrument. Es tut sehr lange seinen Dienst und wird 1862 durch eine Orgel Adolf Reubkes ersetzt. Deren Technik erweist sich alsbald als störanfällig. Gasheizung und salzige Luft geben dem Instrument den Rest. An dieser Orgel sei nichts zu verderben, urteilte bereits erwähnter Theophil Forchhammer. Im Januar 1913 wird Wilhelm Rühlmann mit einem Gutachten betraut, zwei Monate später erhält er den Auftrag für den Neubau.

Bis heute überzeugt diese Orgel klanglich, sie sucht ihres Gleichen als großes Instrument mit unverändert romantischem Klanggewand. Davon konnten sich die Besucher bei Orgelführungen mit Kantor Carsten Miseler und Pfarrer i.R. Günter Schlegel selbst überzeugen, und sogar bis ins Innere der Orgel steigen.

Ein Provisorium hat sich allerdings bis heute erhalten. Das Prospekt, die Schauseite der Orgel, sollte eigentlich schon nach 1914 ausgetauscht werden. Dazu ist es nie gekommen. Der Kirchbauverein sieht das für sich aber noch als langfristigen Auftrag.

   

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