Mehr als 250 Musikliebhaber sind nach Gottesgnaden gepilgert, um drei Bands des "modern folk" aus Wernigerode, Leipzig und Halle in idyllischer Atmosphäre zu erleben. In diesem Jahr mit dabei: Der schon obligatorische Regenschauer und ein unerwarteter Abschied.

Gottesgnaden l Klein aber fein: So hat sich das Gottesgnaden Musikfestival an der Hospitalkirche erneut präsentiert. Damit erwachte Calbes verträumte Saaleinsel am Sonnabend aus ihrem Dornröschenschlaf. Nachdem 2013 die Folgen der großen Flut eine Austragung fast unmöglich gemacht hätte, spielte auch in diesem Jahr das Wasser eine große Rolle. Kurz vor Beginn warfen Organisator Albrecht Ecke und seine Brüder Hagen und Gernot kritische Blicke gen Himmel.

Vorerst strahlte Klärchen bei der Eröffnung durch Bollenprinzessin Josi I. und den einleitenden Auftritt des Chores der Herderschule unter Leitung von Yvonne Tschenisch. Mit Dudelsack und Gitarren begleitet erklang an der altehrwürdigen Hospitalkirche eher ungewöhnlich das "An der Saale hellem Strande." Dorthin, wo vor mehr als 800 Jahren Mönche des prämonstratensischen Stiftes namens "Gratia Dei" (Gottes Gnade) lebten, lockte Albrecht Ecke wieder drei Bands, die sich den Spielarten des Blues, Folk, Jazz und Swing verschreiben. Die Musiker kamen gern, schließlich hat sich die Veranstaltung mit ihrem unverwechselbaren Flair längst vom Geheimtipp zum überregionalen Anziehungspunkt entwickelt. Den Auftakt bildete die dreiköpfige Gruppe Primavista aus Wernigerode. Musikalisch als auch optisch widmete sie sich dem irischen und schottischen Folk. Während Bandgründer Christian Lontzek dem Dudelsack schnelle Tonpassagen zu entlocken wusste, begleitete ihn der gebürtige Schwede Per Engstrand an Kontrabass, Gambe, Banjo oder einer mittelalterlichen Nyckelharpa (Schlüsselgeige mit Tasten). Den weiblichen Kontrast zu ihren bärtigen Bandkollegen bildete Julia Ivancenco mit Flöte und Gesang. "Wir haben uns bei einem Whisky in einer Kneipe zusammengefunden, wie wohl jede Band", erklärte Frontmann Lontzek dem Publikum.

Schließlich kam, was dem Gesetz der Serie folgend kommen musste: Petrus öffnete die himmlischen Schleusen. "Das gehört hier dazu. Das hält einen echten Musikliebhaber nicht ab", meinte "Stammgast" Ernst Neidhardt aus Calbe, der, wie viele Gäste, mit dem Fahrrad anreiste. Das Publikum trotzte unter Bäumen, mit Schirmen, Jacken und Folien dem Regen. Am Getränkestand gab es neben Gerstensaft und Nichtalkoholischem auch Mückenspray und Regenschirme zu kaufen.

Das Leipziger Trio "Interloop" machte seinem Namen alle Ehre und verwob mit elektronischen Loop-Stationen ihre vielschichtigen Melodien mit feinsinnigen Texten. Anschließend holten die vier Musiker der Rollercoaster aus Amsteden, Leverkusen und Halle mit ihrem "Jump-Blues und Westcoast-Swing" Tanzbegeisterte auf die Wiese vor der Bühne. "Tolle Stimmung, tolle Atmosphäre, tolles Publikum", gab Frontmann Klaus Metzler das Lob zurück.

"Hausherr" Wolfgang Wenzlaff gab auch ohne Musizieren gehörigen Grund, genau hinzuhören. Calbes Pfarrer nutzte die Gelegenheit, nach mehr als 20 Jahren öffentlich seinen Abschied aus der Saalestadt anzukündigen. Der Familienvater bedankte sich bei den evangelischen Kirchengemeinden in Calbe, Schwarz, Gottesgnaden und Trabitz für die angenehme, stets sach-orientierte Zusammenarbeit. Wolfgang Wenzlaff wird nach eigenen Worten nun eine andere Pfarrstelle innerhalb des Salzlandkreises übernehmen.

   

Bilder