Breitenhagen, die Elbgemeinde am "Blauen Band", hat am kommenden Wochenende gleich drei Gründe zu feiern: das 775-jährige Ortsjubiläum, 90 Jahre Feuerwehr, 100 Jahre Museumsschiff "Marie Gerda".

Breitenhagen l Vor einem Jahr stand der Ort nach dem Saaledeichbruch komplett unter Wasser. Auch wenn nicht alle Spuren beseitigt und nicht alle Wunden verheilt sind, wird am ersten Juli-Wochenende gefeiert.

Es soll ein Fest werden, das allen dankt, die ihre Kräfte im Kampf gegen die Flut nicht geschont haben, den Feuerwehrleuten, die bis zur Erschöpfung im Einsatz waren, und ganz besonders auch jenen, die die Breitenhagener bei sich aufnahmen, als sie ihre Häuser verlassen mussten. "Das Fest soll Mut machen und das Gemeinschaftsgefühl stärken", sagt Ortsbürgermeister Kurt "Bodo" Kotzur. Mit Unterstützung von Sponsoren sei dies möglich.

"Viele sind zu ihren Kindern gezogen."

Dank der Solidarität aus ganz Deutschland, dank Geld- und Sachspenden, Hilfen vom Land und ausgezahlten Versicherungsleistungen konnten die Einwohner die Schäden an den Wohngebäuden inzwischen größtenteils beseitigen und kaputtes Inventar ersetzen.

Der vom Hochwasser zerstörte Sportplatz ist ebenfalls wieder hergerichtet und wird anlässlich der Jubiläumsfeier an die Bewohner und ihre Sportler übergeben. Für das Feuerwehrgerätehaus wird der Grundstein gelegt.

Andere Wunden sind nicht verheilt: Fast 50 Breitenhagener haben ihr Heimatdorf verlassen, berichtet Kotzur. Es sind vor allem ältere Bürger, die nicht mehr die Kraft haben, ihre Häuser wieder aufzubauen. "Viele sind zu ihren Kindern gezogen", weiß der 71-Jährige. Rund 400 Einwohner zählte Breitenhagen noch.

Beim Tourismus sind die Auswirkungen des Hochwassers noch immer zu spüren. Rad- und Bootstourismus hatten sich mit Unterstützung des Vereins Blaues Band Sachsen-Anhalt e.V. sehr positiv entwickelt. Breitenhagen ist als Gründungsmitglied seit 2002 dabei. Anleger für Sportboote und Fahrgastschiffe kamen in die Elbe, die Außenanlagen wurden hergerichtet und Informationstafeln aufgestellt.

"Besonders die Drei-Fähren-Tour Breitenhagen - Groß Rosenburg - Barby ist beliebt", berichtet Bodo Kotzur, Urkunden, Stempel und Anstecker fürs Absolvieren der 25 Kilometer langen Strecke gibt es auf den Fähren. Die Pensionen im Ort und das Restaurant auf dem Museumsschiff hatten von der positiven Entwicklung des Rad- und Wassertourismus profitiert. Doch die Flut versetzte dem Aktivtourismus einen Rückschlag. Da der Weg infolge der Deichrückverlegung voraussichtlich bis 2017 nicht befahren werden kann, nehmen Radfahrer häufig einen andere Route.

"Besonders die Dreifährentour ist beliebt."

"Fahrgastschiffe können nun aber wieder Breitenhagen ansteuern", freut sich Kotzur. Der bei der Flut beschädigte Anleger wurde erneuert und strahlt in frischem Blau.

Am Sonntag, 6. Juli, wird der Fahrgastschiffanleger mit der "Marco Polo" eingeweiht, das Schiff wird ab 11 Uhr alle 90 Minuten bis zu 80 Gäste für eine Ausfahrt an Bord nehmen. Die Fahrt ist kostenlos, die geladenen Gäste werden jedoch gebeten, sich zuvor im Büro auf dem Museumsschiff "Marie Gerda" zu melden.

Am Freitag, 4. Juli, wird um 14 Uhr die Ausstellung zum Hochwasser 2013 eröffnet. Der Sonnabend steht im Zeichen des Feuerwehrjubiläums: Die Wehren treffen sich um 9 Uhr am Gerätehaus zum Appell mit anschließendem Umzug zum Festgelände an der Fährstelle. Ab 13.45 Uhr wir der "Löschangriff nass" ausgetragen, gegen 16 Uhr soll Innenminister Holger Stahlknecht den Grundstein für das neue Feuerwehrgerätehaus legen (gleiches geschieht um 15 Uhr in Lödderitz). Anschließend wird über den fast fertig sanierten Sport- und Spielplatz geführt. Der Festtag soll um 22 Uhr mit einem Feuerwerk gekrönt werden.

Am Sonntag, 6. Juli, steht ab 11 Uhr das Kinderfest der Arbeiterwohlfahrt im Mittelpunkt. An allen drei Tagen werden Musik und Unterhaltung für alle Altersgruppen geboten.

 

Bilder