Zwei Nachrichten, die die Brumbyer erschüttern - im wahrsten Wortsinn. Zum einem ist das Vorhaben einer Firma, kurz vor Brumby einen Steinbruch zu errichten, wieder im Gespräch. Zum anderen könnte dadurch die Planung der Ortsumgehung in Gefahr sein.

Brumby l "Erst donnernder Verkehr und dann auch noch Erschütterungen durch einen Steinbruch? Dreckige Straßen, noch mehr Lkw? Und keine Ortsumgehung mehr?" So oder so ähnlich hört es sich zur Zeit an, wenn einige Brumbyer im Ort miteinander diskutieren.

Der Ort steht vor zwei schwerwiegenden Veränderungen. Zum einen war die Firma SH Natursteine GmbH vor kurzem wieder in Brumby. Bereits vor Jahren wurde bekannt, dass sie südlich der Landstraße einen Steinbruch errichten will. Pfarrer Gottfried Eggebrecht versuchte damals mit Unterschriftensammlungen dagegen anzugehen. Dann wurde es still um die Geschichte.

Kürzlich fand in Brumby ein Erörterungstermin zur geplanten Ortsumgehung statt. Mit dabei: Vertreter der Firma SH Natursteine GmbH, die in Löbejün sitzt und dort einen Steinbruch betreibt. Der Erörterungstermin war die Gelegenheit für alle, Bedenken gegen die Planungen zur Ortsumfahrung vorzutragen. Das taten die Vertreter der Firma.

Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, das Planungen und Erörterungstermin für die Ortsumgehung betreut, bestätigt das. Denise Vopel, Pressesprecherin des Landesverwaltungsamts: "Es ist zutreffend, dass im laufenden Planfeststellungsverfahren von einer Firma im Rahmen einer Einwendung der Einwand erhoben wurde, die beabsichtigte Trasse in einem bestimmten Bereich zugunsten von Firmeninteressen etwas (leicht) zu verschwenken. Das ist auch Gegenstand im Erörterungstermin gewesen. Die Betroffenen waren anwesend und haben mit der Straßenbauverwaltung - wie alle anderen anwesenden Einwender im Termin auch - ihr Vorbringen besprochen und diskutiert."

Die Vertreter der Firma wollen den Bau der Ortsumgehung nicht verhindern, aber erreichen, dass die Trasse leicht verändert wird. Auf die Südvariante der Ortsumgehung hatten sich die Planer bereits 2009 geeinigt. Die Ortsumgehung würde kurz vor dem Ortseingang Brumby südlich abgehen und unterhalb des Dorfes Richtung Calbe verlaufen. Das Problem: Die Flächen für den künftigen Steinbruch sind ebenfalls dort.

Wo und wann genau der Steinbruch entstehen soll, ist unklar. Die Firma antwortet bisher nicht auf Nachfragen der Volksstimme.

Bekannt ist allerdings, welche Fläche für den Steinbruch infrage kommt. Das zeigt der Regionale Entwicklungsplan. Darin ist eine Fläche, die von der Breite her von der Autobahn bis an den Ort führt, direkt an die Landesstraße 63 angrenzt und nach Süd-Osten verläuft (auf der Karte orange markiert), ausgewiesen. Dieses Gebiet ist langfristig in der Landesplanung als "Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung" vorgesehen. Das heißt, diese Fläche soll stets für einen möglichen Tagebau "reserviert" werden. Der Entwicklungsplan ist öffentlich und für jedermann einsehbar.

Das Vorhaben Steinbruch bestätigt das Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalts. Sprecher Robin Baake erklärt: "Das Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) hat der SH Natursteine GmbH die Bewilligung für das Bewilligungsfeld `Brumby` am 25. April 1995 befristet bis zum 31. Dezember 2045 erteilt. Das Raumordnungsverfahren mit integrierter Umweltverträglichkeitsprüfung ist am 20. September 2000 mit einer positiven landesplanerischen Beurteilung abgeschlossen worden." Die Firma hat also die Möglichkeit, bis mindestens 2045 einen Tagebau in Brumby zu betreiben. Da die Firma sich nicht äußert, ist nicht bekannt, wann genau das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden soll.

Die Natursteine GmbH habe vor, "den bergfreien Bodenschatz `Gesteine zur Herstellung von Schotter und Splitt, Kalksteine zur Herstellung von Zement sowie Industrie-, Brannt- und Düngekalk` zu gewinnen. Das Bewilligungsfeld hat eine Gesamtgröße von 175 Hektar", erklärt der Ministeriumssprecher. Die Firma habe bereits Grundstücke erworben. "Detaillierte Planungen liegen nicht vor."

Das Hauptproblem liegt jetzt in den unterschiedlichen Interessen der Firma und der Planung zur Ortsumgehung. Diese Planungen sind nämlich weit fortgeschritten. Sollte es der Fall sein, dass sich die Firma mit ihrem Wunsch durchsetzt, müssen die Planungen von vorn beginnen. Das Vorhaben Ortsumgehung würde um fünf Jahre oder mehr zurückgeworfen. Das Landesverwaltungsamt erklärt, dass der Streckenverlauf der Ortsumgehung nicht "einfach so" kurzfristig geändert werden kann. Sprecherin Denise Vopel über die Geschehnisse beim Erörterungstermin in Brumby: "Die Straßenbauverwaltung hat ihrerseits deutlich gemacht, weshalb dem Anliegen der Firma nicht entsprochen werden könnte. Dies hat die Firma auch verstanden, den Einwand aber aufrecht erhalten. Beide Seiten wollten weiter im Gespräch bleiben."

Bei dem Erörterungstermin gab es keine Entscheidung. Die Mitarbeiter des Landesverwaltungsamtes prüfen diese zur Zeit und entscheiden dann.

Das Landesverwaltungsamt muss alle Einwendungen ernstnehmen, von Bürgern wie von Firmen. Wenn die Landesstraßenbaubehörde (als Bauherr der Ortsumgehung) tatsächlich zu dem Schluss kommt, dass die Einwendung der Firma so wichtig ist, dass die Planungen geändert werden müssen, dann müsste die aktuelle Planung verworfen werden.