Die Kleingartenanlage "Calbe-West", die vorteilhaft am Rande der Saalestadt zwischen der Großen Mühlbreite und der Bahnhofstraße liegt, blickt auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurück. Bald feiern die Laubenpieper das 90-jähriges Bestehen der Anlage.

Calbe l Am 1. Oktober 1924 wurde auf zwei Hektar Acker des Ackerplanes "Galgenbreite" begonnen, die Grenzen der Anlage beziehungsweise die 57 Parzellen mit durchschnittlich 350 Quadratmeter Fläche abzustecken. Die Messungen wurden unter Leitung von Katasterobersekretär Alfons Mosler durchgeführt, der dann später einer der bisher zehn Vereinsvorsitzenden in der Geschichte der Sparte wurde. Sofort nach Baubeginn meldeten sich schriftlich die angrenzenden Nachbarn, um die Grenzverhältnisse zu regeln. Im Ergebnis wurden Verträge mit den Herren Sixdorf und Taeger, mit der Gärtnerei Dießner und später mit der 1928 gegründeten Nachbarsparte "Wochenend" abgeschlossen.

Über die ersten Jahre liegen Angaben über folgende Kosten vor:

- Der Pachtpreis betrug 1924 2,75 Reichspfennig pro Quadratmeter.

- Die Ausgaben zur Gründung des Kleingartens der Fam. Köber betrugen 439,20 Reichsmark.

- Laut einer Statistik wurden für die Jahre 1924 bis 1936 aufgewandte Mittel von 1039 Reichsmark für die Wasserleitung, von 180 Reichsmark für Wegebauten und von 1943 Reichsmark für die Umzäunung und Verschönerung der Gesamtanlage genannt.

Die Kleingartenanlage besteht seit 90 Jahren über alle gesellschaftlichen Veränderungen hinweg. 2014 befinden sich noch insgesamt fünf Gärten von Gründungsmitgliedern in Familien- beziehungsweise Verwandtenbesitz. Nur noch wenige Gartenlauben stammen aus der Gründerzeit. Aus den kleinen oft aus alten Brettern und Kisten selbst gezimmerten Holzlauben, die vorwiegend dem Abstellen von Geräten und als Schlechtwetterschutz dienten, sind längst stattliche massive Bungalows geworden. Auch geändert hat sich der Anbau in den Parzellen. In Zeiten der Inflation und Arbeitslosigkeit der 1920er/30er Jahre sowie während und nach dem Zweiten Weltkrieg halfen der eigene Anbau von Gartenprodukten und die Haltung von Hühnern und Kaninchen, Versorgungslücken zu schließen und Rente und Lohn aufzubessern. In der DDR leisteten die Kleingärter mit Obst, Gemüse und Blumen ihren Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung. In jüngster Zeit werden die meist gärtnerisch gut gepflegten Parzellen mehr zur Erholung genutzt.

Getreu dem Motto "Wer feste arbeitet, soll auch feste feiern" wurden die Gartenfeste jahrelang in den eigenen zum Teil zu diesem Anlass festlich geschmückten Gärten gefeiert. Die Jubiläen zum 25-jährigen, 30-jährigen und 50-jährigen Bestehen wurden in den Gaststätten Stubbenhagen, Jahns Gesellschaftshaus und Roland begangen. Nach dem Bau des Vereinsheimes wurde 1984 das Gartenfest zum 60. Geburtstag der Anlage unter Leitung der ehemaligen langjährigen Gartenfreundin Lydia Mosler erstmals auf dem eigenen Festplatz durchgeführt.

Noch in bester Erinnerung bei allen Beteiligten sind die Geburtstagsfeiern zum 75.-, 80.- und 85. Bestehen unserer Anlage. Gegenwärtig in vollem Gange sind die Vorbereitungen für das Festprogramm des diesjährigen mehrtägigen Gartenfestes, welches vom 31. Juli bis 3. August anlässlich des Jubiläums "90 Jahre Kleingartenanlage Calbe-West" stattfindet. Die fleißigen Helfer um Vorsitzenden Udo Ernst hoffen auf eine rege Beteiligung der Mitglieder und schönes Wetter.