Junge Menschen aus der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien und St. Norbert Schönebeck/Calbe haben jetzt ihren grünen Daumen beweisen. Bei einem Arbeitseinsatz in der Nachtigallenoase säten sie zum Beispiel heimische Pflanzen. Ein Vormittag mit einer Vorgeschichte im Jahr 2013.

Schönebeck l Garten ist bieder! Dieses Image werden sicherlich viele Jugendliche mit den vereinsmäßig organisierten grünen Oasen und ihren Laubenpiepern in Verbindung bringen. Garten kann aber auch anders, nämlich richtig spannend sein. Das haben die jungen Frauen und Männer der Jugend in St. Marien und St. Norbert in einem eigenen Projet erfahren. Einen Vormittag lang halfen sie jetzt bei einem Arbeitseinsatz in der Nachtigallenoase des Naturschutzbundes (Nabu) mit. "Wir kannten die Nachtigallenoase, aber es ist immer wieder spannend, dort zu sein", sagt Michael Krause, ehrenamtlicher Mitarbeiter in der kirchlichen Jugendarbeit der Pfarrei.

So war das Ziel schnell klar, als es darum ging, dass sich die Jugend im Juni 2013 bei der "72-Stunden-Aktion" (Kasten) beteiligt. Doch der Sommer des letzten Jahres wurde zum Schicksalssommer für die Elbanrainer. Die Flut beherrschte alles und forderte alle Kräfte. "Für uns war sofort klar, dass wir nicht ins Grüne gehen können", sagt Michael Krause. Zusammen mit Jugendlichen aus anderen katholischen Bistümern Deutschlands, die in Schönebeck damals zu Gast gewesen sind, half die Jugendgruppe, Sandsäcke zu sammeln und zu entleeren. Die jungen Frauen und Männern gingen auch denen tatkräftig zur Hand, die ihre Keller entrümpeln und Flutschrott entsorgen mussten. "Das war ja der Grundgedanke der 72-Stunden-Aktion: Die Ausrichtung auf den Nächsten", sagt Michael Krause.

Einsatz außerhalb der eigenen Kirchemauern

Die Idee, die Schönebecker Nabu-Ortsgruppe zu unterstützen, war damit aber nicht vom Tisch. Im Gegenteil: "Wir hatten bereits 2013 Vorabsprachen mit Karlheinz Schuppe getroffen und sind mögliche Arbeiten durchgegangen." Vor allem habe der Gedanke gestanden, so Michael Krause, außerhalb des Kirchengeländes etwas zu machen, Hilfe anzubieten und auch als Teil der Gemeinde wahrgenommen zu werden.

Der Nabu nahm das Hilfsangebot gern auf. Junge Leute, so Karlheinz Schuppe, würden sonst eher als Besucher in die Nachtigallenoase kommen. "Aber ich war erstaunt, wie schnell, konzentriert und auch interessiert die Jugendlichen mitgemacht haben." Zunächst ging es daraum, ein Saatbeet für die Aussaat bedrohter heimischer Wildpflanzen vorzubereiten. Dabei wurde eine Fläche, auf der vor allem Neophyten wachsen, mit Planen und Brettern abgedeckt. "Neophyten sind fremdländische Pflanzen, die sich aggressiv ausbreiten und die heimischen Kulturen vertreiben", erklärt der Nabu-Experte. In der Nachtigallenoase reguliere man zwar nicht viel, sondern überlasse die Natur sich selbst, aber bei die starke Ausbreitung der Neophyten solle eingegrenzt werden. Ein halbes Jahr lang muss das Beet abgedeckt sein. Danach wird die Planen-Holz-abdeckung entfernt. Das erledigten die Jugendlichen an einer anderen Stelle und säten hier schließlich selbstgeerntete Wildsämereien aus.

Kreisläufe heimischer Natur bewahren

Karlheinz Schuppe berichtet, dass man auch über den Sinn solcher Aktionen gesprochen habe, bei denen es um die Bewahrung natürlicher Kreisläufe gehe. "Die Nachtigallenoase ist Naturort, Vögel nisten hier. Die brauchen Insetten. Und Insekten wiederum viel Nahrung." Mit den "eingeschleppten Pflanzenarten" könnten die kleinen Krabbler allerdings nur wenig anfangen. "Im Kleinen haben die Jugendlichen kennengelernt, was Naturschutz im Großen bewirken kann", sagt der Nabu-Mann. Michael Krause nennt die Bewahrung der Schöpfung eine wichtige christliche Aufgabe, weshalb die Verbindung zwischen Nachtigallenoase und Pfarrgemeinde vielleicht gar nicht so weit hergeholt sei. Wichtiger aber: "Wir sind verbindlich geblieben und haben uns mit eingesetzt", freut sich der ehrenamtliche Jugendmitarbeiter über das Geleistete. Karlheinz Schuppe kann dem nur eins hinzufügen: "Der aktive Beitrag zum Erhalt der heimischen Arten - und Pflanzenvielfalt ist eine befriedigende Tätigkeit."